Pflegetagebuch führen – so geht's

pflegetagebuchWenn Sie eine(n) Angehörige(n) pflegen und Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch nehmen möchten, ist ein Pflegetagebuch ein sehr wichtiges Dokument, weil Sie damit dokumentieren können, wie selbständig bzw. unselbständig die pflegebedürftige Person ist.

Das Führen eines Pflegetagebuches bereitet sowohl die pflegebedürftige als auch die pflegende Person gedanklich auf die Begutachtung mit dem MDK vor. Wir empfehlen daher, bei den ersten Anzeichen der Pflegebedürftigkeit ein Pflegetagebuch zu beginnen, unabhängig von einer anstehenden Prüfung durch den MDK.

Ein Pflegetagebuch kann die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit erleichtern, birgt jedoch auch viele Stolpersteine, die bei der gerechten Einstufung in einen Pflegegrad hinderlich sein können. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Ihr Pflegetagebuch korrekt ausfüllen. Denn nur so kann es ein hilfreiches Instrument für die Einstufung in den richtigen Pflegegrad sein.

Damit Ihr Pflegetagebuch eine Unterstützung zur Bewilligung der entsprechenden Pflegeleistung wird, finden Sie auf dieser Seite ausführliche Tipps zum richtigen Führen des Pflegetagebuches. Sollten Sie Fragen oder Anregungen zum Pflegetagebuch haben, so nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf. Wir sind für Sie da!

Vorlage und Muster Pflegetagebuch 2017

Hier können Sie unser aktuelles Pflegetagebuch als PDF herunterladen und bei Bedarf ausdrucken. Es berücksichtigt die Neuerungen des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) und ist auf das neue Begutachtungsassessment ausgerichtet. Unser Pflegetagebuch beinhaltet umfangreiche Tipps und Erläuterungen zu den Begutachtungskriterien des MDK und wird Ihnen eine große Unterstützung sein, wenn es um die korrekte Dokumentation der Pflegebedürftigkeit geht.

Wir empfehlen Ihnen, das Pflegetagebuch so häufig wie möglich auszufüllen, z. B. einen Monat lang an jedem dritten Tag. Wenn Sie das zeitlich nicht ganz schaffen, ist das kein Problem; Sie sollten aber an insgesamt mindestens 8-10 Tagen Ihre Beobachtungen und Einträge machen, um möglichst viele Aspekte der Pflegebedürftigkeit zu dokumentieren.

Das einmalige Ausfüllen des kompletten Pflegetagebuches wird voraussichtlich ca. zwei Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Die weiteren Dokumentationen werden deutlich schneller gehen; planen Sie hierfür jeweils ca. 30 Minuten ein.

Da die Regeln des PSG II in der Praxis noch nicht erprobt sind, werden sich in den nächsten Monaten voraussichtlich noch Veränderungen in der Begutachtungspraxis und damit auch am Pflegetagebuch ergeben. Schauen Sie am besten unmittelbar, bevor Sie mit der Nutzung des Pflegetagebuchs beginnen, auf dieser Seite nach, ob bereits eine aktuellere Version vorliegt.

Aktuelle Version des Pflegetagebuchs: 1.2.
Stand: 01.01.2017

Ist ein Pflegetagebuch 2017 noch sinnvoll?

Die kurze Antwort vorweg: Ja!

Allerdings muss es ein aktuelles Pflegetagebuch 2017 sein, das sich am neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und dem "Neuen Begutachtungsassessment" (NBA) orientiert.

Bis Ende 2016 diente ein Pflegetagebuch dazu, Art und Dauer des täglichen Pflegebedarfs zu dokumentieren. Notiert wurden alle pflegerischen Handlungen mit der dafür benötigten Anzahl an Minuten. Die Summe der Minuten pro Tag bestimmte über die Bewilligung der Pflegestufe.

Seit 2017 gibt es vollkommen neue Begutachtungskriterien zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit, die zudem nicht mehr in Pflegestufen, sondern in Pflegegraden gemessen wird. Bei diesem neuen Begutachtungsverfahren kommt es nicht mehr darauf an, eine bestimmte Minutenzahl zu erreichen. Vielmehr wird der Grad der Selbständigkeit einer pflegebedürftigen Person beurteilt und einem Punktwert zugeordnet. Je geringer die Selbständigkeit, desto höher der Punktwert und der Pflegegrad – und desto höher die Leistungen der Pflegeversicherung.

Übrigens: Dass es beim neuen Begutachtungsverfahren nicht mehr um die Minuten ginge, wie überall behauptet wird, ist möglicherweise ein Trugschluss: Bei vielen Fragen geht es um die graduelle Abstufung der Selbständigkeit und letztlich um die Frage, wie viel Hilfe die betroffene Person benötigt. Anders ausgedrückt: Mit zunehmender Unselbständigkeit steigt auch der Hilfebedarf – und damit der zeitliche Umfang für die entsprechende Hilfe einer Pflegeperson (z.B. Angehöriger) oder Pflegekraft (z.B. Mitarbeiter eines Pflegedienstes). Dieser Zeitbedarf entscheidet möglicherweise im Einzelfall darüber, welcher Grad der Selbständigkeit attestiert wird.

Hilfe und Erläuterungen zum Pflegetagebuch

Das ab 2017 gültige Begutachtungsverfahren für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit misst, wie selbständig die betroffene Person den Lebensalltag bewältigen kann. Die Selbständigkeit wird in sechs Themenbereichen (Module) erfasst; in jedem Modul gibt es unterschiedlich viele Fragen (Items), die beantwortet werden müssen. Zu jeder Frage gibt es mehrere abgestufte Antwortmöglichkeiten, die sich z.B. darauf beziehen, wie viel der Betroffene noch alleine kann oder wie häufig bestimmte Ereignisse vorkommen. Die Gesamtzahl aller Fragen beträgt 64.

Der MDK-Gutachter muss während der Begutachtung alle 64 Fragen beurteilen. Dazu hat er voraussichtlich nicht viel mehr als eine Stunde Zeit – keine leichte Aufgabe, bei der auch Fehler passieren. Hinzu kommt, dass sich viele der Fragen auf Ereignisse der Vergangenheit beziehen oder generell nur rückblickend beantwortet werden können. Der MDK-Begutachtungstermin kann deswegen nicht viel mehr als eine „Momentaufnahme“ der tatsächlichen Hilfebedürftigkeit sein.

Umso wichtiger ist es deswegen, dass Sie alle für die Beurteilung relevanten Fähigkeiten und Ereignisse dokumentieren. Auch wenn die von Angehörigen geführten Aufzeichnungen keinen Beweis im juristischen Sinne darstellen, so sind sie doch ein Hinweis darauf, dass die während des MDK-Termins gemachten Angaben mit der Realität des Pflegealltags übereinstimmen. Falls ein Pflegegrad abgelehnt oder aus Ihrer Sicht zu niedrig bewilligt wurde, ist das Pflegetagebuch eine wichtige Dokumentation und Grundlage für einen möglichen Widerspruch.

Die Grade der Selbständigkeit

Die Grade der Selbständigkeit
Im neuen Begutachtungsverfahren ist es nicht immer ganz leicht, die Einschränkung der Selbständigkeit genau zu bewerten: Wann ist jemand noch „überwiegend selbständig“, wann bereits „überwiegend unselbständig“? Zu den Definitionen nachfolgend ein paar Hinweise:

Selbständig

Die Person kann die Handlung bzw. Aktivität in der Regel selbständig durchführen. Möglicherweise ist die Durchführung erschwert oder verlangsamt oder nur unter Nutzung von Hilfs- oder Pflegehilfsmitteln möglich. Entscheidend ist jedoch, dass die Person keine personelle Hilfe benötigt. Vorübergehende oder nur vereinzelt auftretende Beeinträchtigungen sind nicht zu berücksichtigen.

Überwiegend selbständig

Die Person kann den größten Teil der Aktivität selbständig durchführen. Dementsprechend entsteht nur ein geringer, mäßiger Aufwand für die Pflegeperson. Überwiegend selbständig ist eine Person dann, wenn lediglich folgende Hilfestellungen erforderlich sind:

• Zurechtlegen und Richten von Gegenständen: Damit ist die Vorbereitung einer Aktivität durch Bereitstellung von Gegenständen gemeint, damit die Person die Aktivität dann selbständig durchführen kann. Dabei muss die Umgebung der betroffenen Person so eingerichtet sein, dass sie so weit wie möglich selbständig an alle notwendigen Dinge herankommt und diese nicht jedes Mal angereicht werden müssen. Wenn dies aber nicht ausreicht (z.B. das Handtuch nicht selbst vom Halter genommen werden kann, sondern direkt in die Hand gegeben werden muss), führt dies zur Bewertung „überwiegend selbständig“.

• Punktuelle Übernahme von Teilhandlungen: Es sind nur einzelne Handreichungen erforderlich, damit die Person den überwiegenden Teil der Aktivität selbständig durchführt.

• Aufforderung: Die Pflegeperson muss (ggf. auch mehrfach) einen Anstoß geben, damit die oder der Betroffene die jeweilige Tätigkeit alleine durchführt. Die Person ist auch dann als überwiegend selbständig zu beurteilen, wenn zwischenzeitlich immer wieder ein weiterer Anstoß gegeben werden muss, dann aber Teilverrichtungen selbst ausgeführt werden können.

• Hilfe bei der Entscheidungsfindung: Es werden z.B. verschiedene Optionen zur Auswahl angeboten, die Person handelt daraufhin aber selbständig.

• Partielle Beaufsichtigung und Kontrolle: Damit ist die Überprüfung gemeint, ob die richtige Abfolge einer Handlung eingehalten wird (z.B. beim Anziehen). Möglicherweise muss die betroffene Person dabei zu weiteren Teilschritten oder zur Vervollständigung hingeführt werden. Auch die abschließende Kontrolle der korrekten und sicheren Durchführung sowie die Überprüfung, ob Absprachen eingehalten werden, zählt zu diesem Punkt.

• Anwesenheit aus Sicherheitsgründen: Wenn eine Person eine Aktivität selbständig ausführen kann, eine andere Person aus Sicherheitsgründen (z.B. Sturzgefahr, Krampfanfälle) aber anwesend sein muss, ist die betroffene Person „überwiegend selbständig“.

Überwiegend unselbständig

Die Person kann die Aktivität nur zu einem geringen Anteil selbständig durchführen, sich aber noch da-ran beteiligen. Dies setzt unter Umständen ständige Anleitung oder Motivation auch während der Aktivität voraus. Wesentliche Teilschritte der Handlung müssen aber von der Pflegeperson übernommen werden. Das Zurechtlegen von Gegenständen, wiederholte Aufforderungen oder punktuelle Unterstützungen reichen nicht aus.

• Ständige Anleitung: Die Pflegeperson muss den Handlungsablauf nicht nur anstoßen, sondern die Handlung vormachen oder lenkend begleiten. Erforderlich ist das immer dann, wenn die Person zwar motorisch in der Lage ist, eine Aktivität durchzuführen, diese aber nicht in einen sinnvollen Ab-lauf bringt.

• Ständige Motivation: Insbesondere bei psychischen Erkrankungen mit Antriebsminderung ist eine ständige motivierende Begleitung erforderlich.

• Ständige Beaufsichtigung und Kontrolle: Hier liegt der Unterschied zur Einstufung „überwiegend selbständig“ im Wesentlichen darin, dass eine ständige und unmittelbare Eingreifbereitschaft notwendig ist.

• Übernahme von Teilhandlungen: Ein erheblicher Teil der einzelnen Handlungsschritte muss durch die Pflegeperson übernommen werden.

Unselbständig

Die Person kann die Aktivität in der Regel nicht selbständig durchführen oder steuern, auch nicht in Teilen. Die Pflegeperson muss alle oder nahezu alle Teilhandlungen durchführen; die ständige Motivation, Anleitung und Beaufsichtigung reichen auf keinen Fall aus. Selbst wenn sich die betroffene Person in sehr geringem Umfang mit Teilhandlungen beteiligt, gilt sie dennoch als unselbständig.

Selbständigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Um den Grad der Selbständigkeit eines Kindes oder Jugendlichen zu ermitteln, wird grundsätzlich mit der Selbständigkeit von altersentsprechend entwickelten Kindern bzw. Jugendlichen verglichen. Aus diesem Vergleich können sich – je nach Alter des zu begutachtenden Kindes/Jugendlichen – geringere Einschränkungen der Selbständigkeit ergeben als bei der Begutachtung von Erwachsenen.

Zeitliche Schwankungen der Selbständigkeit

Bei einigen Erkrankungen (z. B. Parkinson, vaskuläre Demenz) oder infolge von medikamentösen Therapien kann es zu tageszeitlichen oder phasenweisen Schwankungen der Selbständigkeit kommen. Berücksichtigen Sie dies bitte beim Ausfüllen dieses Pflegetagebuches, indem Sie unerwartete oder ungewöhnliche Beobachtungen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals überprüfen.