Pflegegrad Begutachtung durch MDK oder Medicproof

Nach­dem Sie Ihren Antrag auf Leis­tun­gen gestellt haben, wird die Pflegev­er­sicherung ein Gutacht­en beauf­tra­gen. Sind Sie geset­zlich ver­sichert, ist dafür der Medi­zinis­che Dienst der Krankenkassen (MDK) zuständig. Bei Pri­vatver­sicherten übern­immt das die Fir­ma Medicproof.

Während des Begutach­tung­ster­mins prüft der Gutachter mith­il­fe eines geset­zlich definierten Kri­te­rienkat­a­loges, ob und in welchem Umfang bei Ihnen ein Pflegebe­darf besteht.

Bere­it­en Sie sich so gut wie möglich auf diesen Ter­min vor: Er ist für die Bewil­li­gung der Leis­tun­gen entschei­dend, da sich die Pflegev­er­sicherung auss­chließlich auf das Urteil des Gutachters stützt.

Durch unsere jahre­lange Erfahrung mit Pflege­grad-Anträ­gen wis­sen wir, was es für Beson­der­heit­en bei den Begutach­tun­gen gibt und welche Prob­leme auftreten kön­nen. Dieses Wis­sen möcht­en wir mit Ihnen teilen und Sie mit unseren Tipps und Hin­weisen best­möglich auf den Ter­min vorbereiten.

Hier find­en Sie unsere Umfrage zur Begutach­tung durch MDK oder Medicproof.

1. Legen Sie den Termin so, dass er in Ihren Zeitplan passt

Der MDK bzw. Medicproof wird Ihnen einen Ter­min für die Begutach­tung vorschla­gen. Haben Sie am Tag der Begutach­tung die nötige Ruhe? Bleibt Ihnen vorher genug Zeit, sich gründlich darauf vorzubereiten?

Stim­men Sie dem Ter­min­vorschlag wirk­lich nur dann zu, wenn er Ihnen passt. Der MDK oder Medicproof muss Sie bei der Pla­nung mitein­beziehen. Kommt Ihnen etwas dazwis­chen, soll­ten Sie den Begutach­tung­ster­min ver­schieben. Gehen Sie auf keinen Fall unter Zeit­druck oder unvor­bere­it­et in den Termin.

Gut zu wissen:

Es kommt regelmäßig vor, dass der Gutachter früher oder später als vere­in­bart bei Ihnen erscheint. Pla­nen Sie zur Sicher­heit also min­destens vier Stun­den ein: zwei Stun­den für den Ter­min und jew­eils eine Stunde davor und danach.

Sie kön­nen einen vorgeschla­ge­nen Ter­min übri­gens auch ein- oder sog­ar zweimal ver­schieben. Daraus entste­hen Ihnen keine Nachteile. Allerd­ings sind Sie im Rah­men der geset­zlichen Mitwirkungspflicht dazu verpflichtet, sich bei Ter­min­pla­nung koop­er­a­tiv zu zeigen.

2. Tragen Sie alle wichtigen Unterlagen sorgfältig zusammen

Haben Sie alle Unter­la­gen griff­bere­it? Machen Sie Kopi­en von allem, was wichtig sein kön­nte: medi­zinis­che Doku­mente, ärztliche Verord­nun­gen, Arzt­berichte und Bescheini­gun­gen, Medika­menten- und Ther­a­piepläne, Ent­las­sungs­berichte, MRT- oder Rönt­gen­bilder und alles, was Ihnen son­st noch rel­e­vant erscheint. Selb­st über Allergien oder vom Arzt emp­foh­lene Ein­rei­bun­gen soll­ten Sie den Gutachter informieren, da diese den Pflegeaufwand erhöhen.

Tra­gen Sie auch die Pflege­hil­f­s­mit­tel für den Gutachter zusam­men – von der Schn­abeltasse über Inkon­ti­nen­zartikel bis zum Rol­la­tor. Je genauer Sie zeigen, wie Sie pfle­gen bzw. gepflegt wer­den, desto bess­er ver­ste­ht der Gutachter die Situation.

Erstellen Sie außer­dem Lis­ten: Führen Sie die behan­del­nden Ärzte auf, die let­zten Arzt­ter­mine und Behand­lun­gen und die Kon­tak­t­dat­en aller Pflegekräfte.

3. Machen Sie sich mit den Begutachtungskriterien vertraut

Um den Pflege­grad zu errech­nen, muss der Gutachter einen geset­zlich definierten Fra­genkat­a­log beant­worten. Je bess­er Sie diesen Fra­genkat­a­log ken­nen, desto geziel­ter kön­nen Sie dem Gutachter erk­lären, in welchen Bere­ichen die Selb­st­ständigkeit eingeschränkt ist.

Doku­men­tieren Sie den Pflegebe­darf mit unserem Pflege­tage­buch und ermit­teln Sie dann mit unserem Pflege­gradrech­n­er, welch­er Pflege­grad Ihnen wahrschein­lich zuste­ht. Notieren Sie sich wirk­lich alle Kri­te­rien, bei denen die betrof­fene Per­son eingeschränkt ist und hal­ten Sie das Pflege­tage­buch während der Begutach­tung bereit.

4. Bereiten Sie die pflegebedürftige Person auf den Termin vor

Es ist wichtig, dass Sie und die pflegebedürftige Per­son dem Gutachter einen glaub­würdi­gen Ein­druck Ihres Pflegeall­t­ags ver­mit­teln. Nur dann kann er beurteilen, wie selb­st­ständig der All­t­ag bewältigt wird.

Richt­en Sie also sich selb­st oder die pflegebedürftige Per­son und auch das Wohnum­feld nicht extra her für die Begutach­tung her. Ein Beispiel: Möchte die pflegebedürftige Per­son jeden Mor­gen vom Schlafanzug in Tagesklei­dung wech­seln? Dann emp­fan­gen Sie den Gutachter in Tagesklei­dung. Zeigen Sie dem Gutachter ein­fach einen ganz nor­malen Tag.

Wichtig ist auch, dass Sie alle Fra­gen des Gutachters ehrlich beant­worten. Auch wenn die Antwort beschä­mend oder pein­lich ist. Nur wenn alle Ein­schränkun­gen offen ange­sprochen wer­den, erhal­ten Sie Ihren gerecht­en Pflegegrad.

Oft ver­hält sich die pflegebedürftige Per­son während der Begutach­tung wie in einem Vorstel­lungs­ge­spräch oder ein­er Prü­fungssi­t­u­a­tion. Um möglichst selb­st­ständig zu wirken, wer­den die let­zten Kräfte mobil­isiert und die Gedanken mit aller Kraft sortiert. Das soll­ten Sie unbe­d­ingt vermeiden.

5. Starten Sie erst, wenn alle da sind

Auch wenn der Gutachter viel früher als vere­in­bart kommt: Begin­nen Sie wirk­lich erst, wenn alle Beteiligten anwe­send sind. Sätze wie “Wir kön­nen ja schon mal anfan­gen” gilt es zu ver­mei­den. Die besten Chan­cen haben Sie, wenn alle wichti­gen Per­so­n­en vor Ort und gut vor­bere­it­et sind. Wer auf jeden Fall die ganze Zeit dabei sein sollte, sind die Hauptpflegekraft und die wichtig­ste Ver­trauensper­son: Lassen Sie den Pflegebedürfti­gen nie allein mit dem Gutachter.

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6. Achten Sie darauf, dass alle Kriterien abgefragt werden

In der Regel dauert eine Begutach­tung höch­stens eine Stunde. Um alle 64 geset­zlich vorgeschriebe­nen Begutach­tungskri­te­rien abzufra­gen, bräuchte der Gutachter jedoch deut­lich mehr Zeit. Anstatt die Fra­gen zu stellen, beant­wortet er sie darum oft aus sein­er Wahrnehmung her­aus. Oder er stellt Sug­ges­tivfra­gen wie “Und das mit dem Toi­let­ten­gang in der Nacht klappt doch auch noch, oder?”. In bei­den Fällen kann es trotz der Erfahrung des Gutachters zu falschen Ein­schätzun­gen kommen.

Unsere Empfehlung:

Ver­schaf­fen Sie sich vor dem Ter­min mith­il­fe unseres Pflege­tage­buchs einen Überblick, an welchen Stellen die Selb­st­ständigkeit eingeschränkt ist. Bei der Begutach­tung kön­nen Sie dann gedanklich abhak­en, ob alles ange­sprochen wurde.

7. Versuchen Sie nicht, den Pflegebedürftigen zu schützen

Häu­fig möchte der Gutachter bes­timmte pflegerische Hand­lun­gen sehen, wie zum Beispiel den Gang zur Toi­lette oder das Auf­ste­hen aus dem Bett. Oder er stellt sehr anspruchsvolle Fra­gen, um die geisti­gen Fähigkeit­en der pflegebedürfti­gen Per­son zu testen.

Aus Ihrem pflegerischen All­t­ag sind Sie es gewohnt, die pflegebedürftige Per­son vor Über­forderun­gen, Über­las­tun­gen und pein­lichen Momenten zu schützen. Geben Sie dem Gutachter die Möglichkeit, sich einen real­is­tis­chen Ein­druck zu ver­schaf­fen. Auch wenn dadurch unan­genehme Sit­u­a­tio­nen entste­hen. Nur wenn die pflegebedürftige Per­son durch die geforderten Hand­lun­gen gefährdet wird, soll­ten Sie einschreiten.

8. Achtung bei der Frage nach einer Verschlechterung des Zustands

Eine Stan­dard­frage während der Begutach­tung: Hat sich der Zus­tand der pflegebedürfti­gen Per­son in let­zter Zeit oder seit der let­zten Begutach­tung ver­schlechtert? Da man dem Gutachter ver­mit­teln möchte, dass die pflegerische Sit­u­a­tion schwierig ist und man finanzielle Unter­stützung bei der Pflege benötigt, wird die Frage oft intu­itiv mit “Ja” beant­wortet. Doch Achtung: Ist der Zus­tand der pflegebedürfti­gen Per­son tat­säch­lich schlechter gewor­den? Antworten Sie nur mit “Ja”, wenn es auch so ist. Erläutern Sie ganz genau, was sich verän­dert hat.

Warum ist das so wichtig? Ganz ein­fach: Bewil­ligte Leis­tun­gen ste­hen Ihnen ab dem Tag zu, an dem Sie den Antrag gestellt haben oder die Voraus­set­zun­gen für den entsprechen­den Pflege­grad erfüllt waren. Hat sich der Gesund­heit­szu­s­tand der pflegebedürfti­gen Per­son in den Wochen oder Monat­en vor der Begutach­tung jedoch ver­schlechtert, lehnt die Pflegev­er­sicherung genau diesen rück­wirk­enden Anspruch oft ab. Schließlich ging es der Per­son zum Zeit­punkt der Antrag­stel­lung noch besser.

9. Sprechen Sie auch alleine mit dem Gutachter

Als Hauptpflegeper­son haben Sie die Möglichkeit, mit dem Gutachter unter vier Augen zu sprechen. Fordern Sie dieses Gespräch ein und kor­rigieren Sie, wenn nötig, die Ein­drücke des Gutachters.

Unan­genehme The­men wie Inkon­ti­nenz wer­den im Bei­sein des Pflegebedürfti­gen häu­fig nur sehr kurz besprochen. Nutzen Sie das Gespräch unter vier Augen dafür, diese The­men klar anzusprechen.

Auch bei Demen­z­pa­tien­ten kann es passieren, dass der Gutachter einen falschen Ein­druck bekommt. Die Betrof­fe­nen nehmen die eige­nen Fähigkeit­en oft verz­er­rt wahr. Kor­rigieren Sie die Selb­stein­schätzung der pflegebedür­fi­gen Per­son im direk­ten Gespräch mit dem Gutachter. 

10. Überprüfen Sie, ob alle pflegebedürftigen Bereiche besprochen wurden

Wer­fen Sie noch ein­mal einen Blick auf Ihren Notizzettel, bevor sich der Gutachter ver­ab­schiedet. Kamen alle Bere­iche zur Sprache? Wenn eine der Ein­schränkun­gen nicht expliz­it besprochen wurde, soll­ten Sie den Gutachter konkret darauf hin­weisen. Stellen Sie sich­er, dass der Gutachter jede Ein­schränkung erkan­nt hat.

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Häufige Fragen:

Wir sind während der MDK-Begutachtung an Ihrer Seite und helfen Ihnen, einen gerechten Pflegegrad zu bekommen

Als erfahrene Pflege­ber­ater unter­stützen wir Sie vor, während und nach der MDK-Begutach­tung. Unser gemein­sames Ziel ist es, dass Sie Ihren gerecht­en Pflege­grad erhal­ten. Das sind unsere Leistungen:

  • Ein­re­ichung des frist­gerecht­en Widerspruchs 
  • Ermit­tlung Ihres “gerecht­en Pflegegrades” 
  • Opti­male Vor­bere­itung auf die Wiederholungs-Begutachtung 
  • Per­sön­liche Begleitung bei der MDK-Begutach­tung (bzw. Medicproof) 
  • Über­prü­fung des Pflegebeschei­des und wenn nötig erneuter Widerspruch 
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