Ausfüllhinweise und Tipps zur Verwendung

Durch die Anfang 2017 einge­führten neuen Begutach­tungsrichtlin­ien des Pflegestärkungs­ge­set­zes II (PSG II) haben sich auch die Inhalte eines Pflege­tage­buch geän­dert. Wenn Sie sich für die Ver­wen­dung eines unser­er kosten­losen Pflege­tage­büch­er entschei­den, kön­nen Sie sich­er sein, sich an den aktuell­sten Richtlin­ien zu orientieren.

Wann und wie oft Pflegetagebuch ausfüllen?

Wir empfehlen Ihnen, das Pflege­tage­buch so häu­fig wie möglich auszufüllen, zum Beispiel einen Monat lang an jedem drit­ten Tag. Wenn Sie das zeitlich nicht ganz schaf­fen, ist das kein Prob­lem. Sie soll­ten aber an ins­ge­samt min­destens 8–10 Tagen Ihre Beobach­tun­gen und Ein­träge machen, um möglichst viele Aspek­te der Pflegebedürftigkeit zu dokumentieren.

Das ein­ma­lige Aus­füllen des kom­plet­ten Pflege­tage­buch­es wird voraus­sichtlich ca. zwei Stun­den Zeit in Anspruch nehmen. Die weit­eren Doku­men­ta­tio­nen wer­den deut­lich schneller gehen; pla­nen Sie hier­für jew­eils ca. 30 Minuten ein. Wir empfehlen, bei den ersten Anze­ichen der Pflegebedürftigkeit ein Pflege­tage­buch auszufüllen. Unab­hängig davon, ob eine Begutach­tung durch den MDK schon konkret anste­ht oder nicht.

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Wie der Gesetzgeber Selbstständigkeit definiert

Im neuen Begutach­tungsver­fahren ist es nicht immer ganz leicht, die Ein­schränkung der Selb­st­ständigkeit genau zu bew­erten: Wann ist jemand noch „über­wiegend selb­st­ständig“, wann bere­its „über­wiegend unselb­st­ständig“? Zu den Def­i­n­i­tio­nen nach­fol­gend ein paar Hinweise:

Selbstständig

Die Per­son kann die Hand­lung bzw. Aktiv­ität in der Regel selb­st­ständig durch­führen. Möglicher­weise ist die Durch­führung erschw­ert oder ver­langsamt oder nur unter Nutzung von Hil­fs- oder Pflege­hil­f­s­mit­teln möglich. Entschei­dend ist jedoch, dass die Per­son keine per­son­elle Hil­fe benötigt. So sind vorüberge­hende oder nur vere­inzelt auftre­tende Beein­träch­ti­gun­gen nicht zu berücksichtigen.

Überwiegend selbstständig

Die Per­son kann den größten Teil der Aktiv­ität selb­st­ständig durch­führen. Dementsprechend entste­ht nur ein geringer, mäßiger Aufwand für die Pflegeper­son. Über­wiegend selb­st­ständig ist eine Per­son dann, wenn lediglich fol­gende Hil­festel­lun­gen erforder­lich sind:

Zurechtle­gen und Richt­en von Gegen­stän­den: Damit ist die Vor­bere­itung ein­er Aktiv­ität durch Bere­it­stel­lung von Gegen­stän­den gemeint, so dass die Per­son die Aktiv­ität dann selb­st­ständig durch­führen kann. Dabei muss die Umge­bung der betrof­fe­nen Per­son so ein­gerichtet sein, dass sie so weit wie möglich selb­st­ständig an alle notwendi­gen Dinge her­ankommt und diese nicht jedes Mal angere­icht wer­den müssen. Wenn dies aber nicht aus­re­icht (zum Beispiel das Hand­tuch nicht selb­st vom Hal­ter genom­men wer­den kann, son­dern direkt in die Hand gegeben wer­den muss), führt dies zur Bew­er­tung „über­wiegend selbstständig“.

Punk­tuelle Über­nahme von Teil­hand­lun­gen: Es sind nur einzelne Han­dre­ichun­gen erforder­lich, damit die Per­son den über­wiegen­den Teil der Aktiv­ität dann selb­st­ständig durchführt.

Auf­forderung: Die Pflegeper­son muss (ggf. auch mehrfach) einen Anstoß geben, damit die oder der Betrof­fene die jew­eilige Tätigkeit alleine durch­führt. Die Per­son ist auch dann als über­wiegend selb­st­ständig zu beurteilen, wenn zwis­chen­zeitlich immer wieder ein weit­er­er Anstoß gegeben wer­den muss, dann aber Teil­ver­rich­tun­gen selb­st aus­ge­führt wer­den können.

Hil­fe bei der Entschei­dungs­find­ung: Es wer­den zum Beispiel ver­schiedene Optio­nen zur Auswahl ange­boten, die Per­son han­delt daraufhin aber selbstständig.

Par­tielle Beauf­sich­ti­gung und Kon­trolle: Damit ist die Über­prü­fung gemeint, ob die richtige Abfolge ein­er Hand­lung einge­hal­ten wird (beispiel­sweise beim Anziehen). Möglicher­weise muss die betrof­fene Per­son dabei zu weit­eren Teilschrit­ten oder zur Ver­voll­ständi­gung hinge­führt wer­den. Auch die abschließende Kon­trolle der kor­rek­ten und sicheren Durch­führung sowie die Über­prü­fung, ob Absprachen einge­hal­ten wer­den, zählt zu diesem Punkt.

Anwe­sen­heit aus Sicher­heits­grün­den: Wenn eine Per­son eine Aktiv­ität selb­st­ständig aus­führen kann, eine andere Per­son aus Sicher­heits­grün­den (zum Beispiel Sturzge­fahr, Kramp­fan­fälle) aber anwe­send sein muss, ist die betrof­fene Per­son „über­wiegend selbstständig“.

Überwiegend unselbstständig

Die Per­son kann die Aktiv­ität nur zu einem gerin­gen Anteil selb­st­ständig durch­führen, sich aber noch daran beteili­gen. Dies set­zt unter Umstän­den ständi­ge Anleitung oder Moti­va­tion auch während der Aktiv­ität voraus. Wesentliche Teilschritte der Hand­lung müssen aber von der Pflegeper­son über­nom­men wer­den. Das Zurechtle­gen von Gegen­stän­den, wieder­holte Auf­forderun­gen oder punk­tuelle Unter­stützun­gen reichen nicht aus.

Ständi­ge Anleitung: Die Pflegeper­son muss den Hand­lungsablauf nicht nur anstoßen, son­dern die Hand­lung vor­ma­chen oder lenk­end begleit­en. Erforder­lich ist das immer dann, wenn die Per­son zwar motorisch in der Lage ist, eine Aktiv­ität durchzuführen, diese aber nicht in einen sin­nvollen Ablauf bringt.

Durchge­hende Moti­va­tion: Ins­beson­dere bei psy­chis­chen Erkrankun­gen mit Antrieb­s­min­derung ist eine durchge­hend motivierende Begleitung erforderlich.

Ständi­ge Beauf­sich­ti­gung und Kon­trolle: Hier liegt der Unter­schied zur Ein­stu­fung „über­wiegend selb­st­ständig“ im Wesentlichen darin, dass eine ständi­ge und unmit­tel­bare Ein­greif­bere­itschaft notwendig ist.

Über­nahme von Teil­hand­lun­gen: Ein erhe­blich­er Teil der einzel­nen Hand­lungss­chritte muss durch die Pflegeper­son über­nom­men werden.

Unselbstständig

Die Per­son kann die Aktiv­ität in der Regel nicht selb­st­ständig durch­führen oder steuern, auch nicht in Teilen. Die Pflegeper­son muss alle oder nahezu alle Teil­hand­lun­gen durch­führen: Die ständi­ge Moti­va­tion, Anleitung und Beauf­sich­ti­gung reichen auf keinen Fall aus. Selb­st wenn sich die betrof­fene Per­son in sehr geringem Umfang mit Teil­hand­lun­gen beteiligt, gilt sie den­noch als unselbstständig.

Selbstständigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Um den Grad der Selb­st­ständigkeit eines Kindes oder Jugendlichen zu ermit­teln, wird grund­sät­zlich mit der Selb­st­ständigkeit von altersentsprechend entwick­el­ten Kindern bzw. Jugendlichen ver­glichen. Aus diesem Ver­gle­ich kön­nen sich – je nach Alter des zu begutach­t­en­den Kindes/Jugendlichen – gerin­gere Ein­schränkun­gen der Selb­st­ständigkeit ergeben als bei der Begutach­tung von Erwach­se­nen. Umfan­gre­iche weit­ere Infor­ma­tio­nen hierzu find­en Sie in unserem Pflege­tage­buch für Kinder.

Zeitliche Schwankungen der Selbstständigkeit

Bei eini­gen Erkrankun­gen (zum Beispiel Parkin­son, vaskuläre Demenz) oder infolge von medika­men­tösen Ther­a­pi­en kann es zu tageszeitlichen oder phasen­weisen Schwankun­gen der Selb­st­ständigkeit kom­men. Berück­sichti­gen Sie dies bitte beim Aus­füllen dieses Pflege­tage­buch­es, indem Sie uner­wartete oder ungewöhn­liche Beobach­tun­gen zu einem späteren Zeit­punkt nochmals überprüfen.

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Pflegetagebuch für Erwachsene — Muster & PDF Vorlage zum Download

Unser 55-seit­iges Pflege­tage­buch für Erwach­sene kön­nen Sie als kosten­freies PDF herun­ter­laden und bei Bedarf selb­st aus­druck­en. Das Doku­ment ist auf dem aktuellen Stand und berück­sichtigt alle durch das Zweite Pflegestärkungs­ge­setz (PSG II) einge­führten Neuerun­gen. Eben­falls enthal­ten sind die geset­zlichen Fes­tle­gun­gen für alle 64 Begutach­tungskri­te­rien des MDK. Nutzen Sie unser Pflege­tage­buch, um die Pflegebedürftigkeit real­is­tisch darzustellen.

Pflegetagebuch für Kinder — Muster & PDF Vorlage zum Download

Unser 62-seit­iges Pflege­tage­buch für Kinder kön­nen Sie als kosten­freies PDF herun­ter­laden und bei Bedarf selb­st aus­druck­en. Das Doku­ment ist auf dem aktuellen Stand und berück­sichtigt alle durch das Zweite Pflegestärkungs­ge­setz (PSG II) einge­führten Neuerun­gen. Eben­falls enthal­ten sind die geset­zlichen Fes­tle­gun­gen für alle 64 Begutach­tungskri­te­rien des MDK. Auch die beson­deren Kri­te­rien zur Ermit­tlung von Pflegebedürftigkeit bei einem Kind wer­den beschrieben. Nutzen Sie dieses wichtige Instru­ment, um die Pflegebedürftigkeit des Kindes erfol­gre­ich zu dokumentieren.

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