Pflegetagebuch – Ausfüllhinweise und Tipps zur Verwendung

Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2017

Verwenden Sie ein aktuelles Pflegetagebuch

Wenn Sie sich für die Verwendung eines unserer kostenlosen Pflegetagebücher entscheiden, können Sie sicher sein, sich an den aktuellsten Richtlinien orientieren. Die Anfang 2017 eingeführten neuen Begutachtungsrichtlinien des Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) sind aber noch recht neu. Es werden sich in den nächsten Monaten voraussichtlich noch Veränderungen in der Begutachtungspraxis und damit auch an den Pflegetagebüchern ergeben. Schauen Sie am besten unmittelbar, bevor Sie mit der Nutzung des Pflegetagebuches beginnen, auf dieser Seite nach, ob bereits eine aktuellere Version vorliegt.

Wann und wie oft Pflegetagebuch ausfüllen?

Wir empfehlen Ihnen, das Pflegetagebuch so häufig wie möglich auszufüllen, z. B. einen Monat lang an jedem dritten Tag. Wenn Sie das zeitlich nicht ganz schaffen, ist das kein Problem; Sie sollten aber an insgesamt mindestens 8-10 Tagen Ihre Beobachtungen und Einträge machen, um möglichst viele Aspekte der Pflegebedürftigkeit zu dokumentieren. Das einmalige Ausfüllen des kompletten Pflegetagebuches wird voraussichtlich ca. zwei Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Die weiteren Dokumentationen werden deutlich schneller gehen; planen Sie hierfür jeweils ca. 30 Minuten ein. Wir empfehlen, bei den ersten Anzeichen der Pflegebedürftigkeit ein Pflegetagebuch auszufüllen. Unabhängig davon, ob eine Begutachtung durch den MDK schon konkret ansteht oder nicht.

Selbständigkeit, wie sie der Gesetzgeber definiert

Im neuen Begutachtungsverfahren ist es nicht immer ganz leicht, die Einschränkung der Selbständigkeit genau zu bewerten: Wann ist jemand noch „überwiegend selbständig“, wann bereits „überwiegend unselbständig“? Zu den Definitionen nachfolgend ein paar Hinweise:

Selbständig

Die Person kann die Handlung bzw. Aktivität in der Regel selbständig durchführen. Möglicherweise ist die Durchführung erschwert oder verlangsamt oder nur unter Nutzung von Hilfs- oder Pflegehilfsmitteln möglich. Entscheidend ist jedoch, dass die Person keine personelle Hilfe benötigt. Vorübergehende oder nur vereinzelt auftretende Beeinträchtigungen sind nicht zu berücksichtigen.

Überwiegend selbständig

Die Person kann den größten Teil der Aktivität selbständig durchführen. Dementsprechend entsteht nur ein geringer, mäßiger Aufwand für die Pflegeperson. Überwiegend selbständig ist eine Person dann, wenn lediglich folgende Hilfestellungen erforderlich sind:

• Zurechtlegen und Richten von Gegenständen: Damit ist die Vorbereitung einer Aktivität durch Bereitstellung von Gegenständen gemeint, damit die Person die Aktivität dann selbständig durchführen kann. Dabei muss die Umgebung der betroffenen Person so eingerichtet sein, dass sie so weit wie möglich selbständig an alle notwendigen Dinge herankommt und diese nicht jedes Mal angereicht werden müssen. Wenn dies aber nicht ausreicht (z. B. das Handtuch nicht selbst vom Halter genommen werden kann, sondern direkt in die Hand gegeben werden muss), führt dies zur Bewertung „überwiegend selbständig“.

• Punktuelle Übernahme von Teilhandlungen: Es sind nur einzelne Handreichungen erforderlich, damit die Person den überwiegenden Teil der Aktivität selbständig durchführt.

• Aufforderung: Die Pflegeperson muss (ggf. auch mehrfach) einen Anstoß geben, damit die oder der Betroffene die jeweilige Tätigkeit alleine durchführt. Die Person ist auch dann als überwiegend selbständig zu beurteilen, wenn zwischenzeitlich immer wieder ein weiterer Anstoß gegeben werden muss, dann aber Teilverrichtungen selbst ausgeführt werden können.

• Hilfe bei der Entscheidungsfindung: Es werden z. B. verschiedene Optionen zur Auswahl angeboten, die Person handelt daraufhin aber selbständig.

• Partielle Beaufsichtigung und Kontrolle: Damit ist die Überprüfung gemeint, ob die richtige Abfolge einer Handlung eingehalten wird (z. B. beim Anziehen). Möglicherweise muss die betroffene Person dabei zu weiteren Teilschritten oder zur Vervollständigung hingeführt werden. Auch die abschließende Kontrolle der korrekten und sicheren Durchführung sowie die Überprüfung, ob Absprachen eingehalten werden, zählt zu diesem Punkt.

• Anwesenheit aus Sicherheitsgründen: Wenn eine Person eine Aktivität selbständig ausführen kann, eine andere Person aus Sicherheitsgründen (z. B. Sturzgefahr, Krampfanfälle) aber anwesend sein muss, ist die betroffene Person „überwiegend selbständig“.

Überwiegend unselbständig

Die Person kann die Aktivität nur zu einem geringen Anteil selbständig durchführen, sich aber noch da-ran beteiligen. Dies setzt unter Umständen ständige Anleitung oder Motivation auch während der Aktivität voraus. Wesentliche Teilschritte der Handlung müssen aber von der Pflegeperson übernommen werden. Das Zurechtlegen von Gegenständen, wiederholte Aufforderungen oder punktuelle Unterstützungen reichen nicht aus.

• Ständige Anleitung: Die Pflegeperson muss den Handlungsablauf nicht nur anstoßen, sondern die Handlung vormachen oder lenkend begleiten. Erforderlich ist das immer dann, wenn die Person zwar motorisch in der Lage ist, eine Aktivität durchzuführen, diese aber nicht in einen sinnvollen Ablauf bringt.

• Ständige Motivation: Insbesondere bei psychischen Erkrankungen mit Antriebsminderung ist eine ständige motivierende Begleitung erforderlich.

• Ständige Beaufsichtigung und Kontrolle: Hier liegt der Unterschied zur Einstufung „überwiegend selbständig“ im Wesentlichen darin, dass eine ständige und unmittelbare Eingreifbereitschaft notwendig ist.

• Übernahme von Teilhandlungen: Ein erheblicher Teil der einzelnen Handlungsschritte muss durch die Pflegeperson übernommen werden.

Unselbständig

Die Person kann die Aktivität in der Regel nicht selbständig durchführen oder steuern, auch nicht in Teilen. Die Pflegeperson muss alle oder nahezu alle Teilhandlungen durchführen: Die ständige Motivation, Anleitung und Beaufsichtigung reichen auf keinen Fall aus. Selbst wenn sich die betroffene Person in sehr geringem Umfang mit Teilhandlungen beteiligt, gilt sie dennoch als unselbständig.

Selbständigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Um den Grad der Selbständigkeit eines Kindes oder Jugendlichen zu ermitteln, wird grundsätzlich mit der Selbständigkeit von altersentsprechend entwickelten Kindern bzw. Jugendlichen verglichen. Aus diesem Vergleich können sich – je nach Alter des zu begutachtenden Kindes/Jugendlichen – geringere Einschränkungen der Selbständigkeit ergeben als bei der Begutachtung von Erwachsenen. Umfangreiche weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Pflegetagebuch für Kinder.

Zeitliche Schwankungen der Selbständigkeit

Bei einigen Erkrankungen (z. B. Parkinson, vaskuläre Demenz) oder infolge von medikamentösen Therapien kann es zu tageszeitlichen oder phasenweisen Schwankungen der Selbständigkeit kommen. Berücksichtigen Sie dies bitte beim Ausfüllen dieses Pflegetagebuches, indem Sie unerwartete oder ungewöhnliche Beobachtungen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals überprüfen.

 

Pflegetagebuch für Erwachsene

Stand: 01.05.2017
Version: 1.3
Seiten: 80
Größe: 1,1MB

Pflegetagebuch für Kinder

Stand: 01.08.2017
Version: 1.1
Seiten: 92
Größe: 1,3MB

Pflegetagebuch für Erwachsene (2017) – Muster & PDF Vorlage zum Download

Unser 80-seitiges Pflegetagebuch für Erwachsene können Sie als PDF kostenfrei herunterladen und bei Bedarf selbst ausdrucken. Es berücksichtigt die Neuerungen des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) und ist auf das Neue Begutachtungsinstrument (NBI) ausgerichtet. Somit orientiert es sich an dem am 01.01.2017 eingeführten neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Ebenfalls enthalten sind die genauen gesetzlichen Festlegungen für jedes der 64 Begutachtungskriterien des MDK. Es wird Ihnen eine große Unterstützung sein, wenn es um die korrekte Dokumentation Ihrer Pflegebedürftigkeit geht.

Pflegetagebuch-2017

Pflegetagebuch für Kinder (2017) – Muster & PDF Vorlage zum Download

Unser 92-seitiges Pflegetagebuch für Kinder können Sie als PDF kostenfrei herunterladen und bei Bedarf selbst ausdrucken. Es berücksichtigt die Neuerungen des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) und ist auf das Neue Begutachtungsinstrument (NBI) ausgerichtet. Es orientiert sich am 2017 eingeführten Pflegebedürftigkeitsbegriff, beinhaltet alle gesetzlichen Festlegungen für jedes der 64 Begutachtungskriterien sowie die besonderen Kriterien zur Ermittlung von Pflegebedürftigkeit bei einem Kind. Es wird Ihnen eine große Unterstützung sein, wenn es um die korrekte Dokumentation der Pflegebedürftigkeit eines Kindes geht.

Pflegetagebuch Kinder