Inhalt und Aufbau eines Pflegetagebuchs

Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2017

Das ab 2017 gültige Begutachtungsverfahren für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit misst, wie selbständig die betroffene Person den Lebensalltag bewältigen kann. Die Selbständigkeit wird in sechs Themenbereichen (Module) erfasst; in jedem Modul gibt es unterschiedlich viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Zu jeder Frage gibt es mehrere abgestufte Antwortmöglichkeiten, die sich z. B. darauf beziehen, wie viel der Betroffene noch alleine kann oder wie häufig bestimmte Ereignisse vorkommen. Man spricht hier auch von Graden der Selbständigkeit. Die Gesamtzahl aller Fragen beträgt 64. Diese Module und die dazugehörigen Fragen bilden die Grundlage unseres Pflegetagebuchs.

Die sechs Module des Pflegetagebuchs

1. Mobilität

Die Einschätzung zur Mobilität richtet sich ausschließlich danach, ob die Person in der Lage ist, ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen oder zu wechseln und sich fortzubewegen. Zu beurteilen sind hier lediglich Aspekte wie Körperkraft, Balance und Bewegungskoordination. Die Fähigkeit der zielgerichteten Fortbewegung, ob die betroffene Person z. B. vom Wohnzimmer zur Toilette gehen kann, ist dabei nicht entscheidend. Es werden auch nicht die Folgen kognitiver Beeinträchtigungen auf Planung, Steuerung und Durchführung motorischer Handlungen abgebildet. Wenn die Person also körperlich in der Lage ist, eine bestimmte Bewegung durchzuführen, dies aber aufgrund z. B. einer Demenz nicht tut, so muss sie in Bezug auf ihre Mobilität dennoch als „selbständig“ angesehen werden.

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Die Einschätzung bezieht sich bei den Merkmalen ausschließlich auf die kognitiven Funktionen und Aktivitäten. Zu beurteilen sind hier lediglich Aspekte wie Erkennen, Entscheiden oder Steuern etc. und nicht die motorische Umsetzung. Teilweise sind auch die Auswirkungen von Hör-, Sprech- oder Sprachstörungen zu berücksichtigen. Für diesen Bereich gilt eine ähnliche Graduierung wie im Falle der Selbständigkeit (vierstufige Skala). Der Unterschied liegt darin, dass hier keine Aktivität, sondern eine geistige Funktion beurteilt wird. Es wird daher nicht nach selbständig oder unselbständig sondern nach vorhanden oder nicht vorhanden gefragt. Für die Bewertung ist unerheblich, ob ein zuvor selbständiger Erwachsener eine Fähigkeit verloren oder nie ausgebildet hat.

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

In diesem Modul geht es um Verhaltensweisen und psychische Problemlagen als Folge von Gesundheitsproblemen, die immer wieder auftreten und personelle Unterstützung erforderlich machen. Es geht hier um Unterstützung des pflegebedürftigen Menschen z.B. bei der Bewältigung von belastenden Emotionen (wie z. B. Panikattacken), beim Abbau psychischer Spannungen oder bei der Impulssteuerung. Im Mittelpunkt dieses Moduls steht die Frage, inwieweit die Person ihr Verhalten ohne personelle Unterstützung steuern kann.

4. Selbstversorgung

Die Einschätzung zur Selbstversorgung richtet sich danach, wie selbständig die untersuchte Person wesentliche selbstversorgende Aktivitäten (Waschen, Ankleiden, Essen, Trinken, Toilette etc.) praktisch durchführen kann. Es ist unerheblich, ob die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit aufgrund von Schädigungen körperlicher oder geistiger Funktionen bestehen oder ob Teilaspekte bereits in anderen Modulen berücksichtigt worden sind.

5. Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen und Belastungen

Der Bereich „Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen“ befasst sich mit der selbstständigen Krankheitsbewältigung, und zwar insbesondere der „krankheitsbezogenen Arbeit“, die direkt auf die Kontrolle von Erkrankungen und Symptomen sowie auf die Durchführung therapeutischer Interventionen bezogen ist. Ein Großteil der hier aufgeführten Maßnahmen und Handlungen kann von erkrankten Personen eigenständig durchgeführt werden, sofern sie über die dazu nötigen körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, spezifische Fertigkeiten, Motivation, Kenntnisse u. a. m. verfügen. Dies gilt auch für Maßnahmen, die nur selten von den Erkrankten selbst durchgeführt werden, wie z. B. das Absaugen von Sekret oder die regelmäßige Einmalkatheterisierung. Mit dem Bereich ist daher häufig ein Hilfebedarf bei der Anleitung und Motivation oder Schulung verknüpft.

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer KontakteGrade der Selbständigkeit

In diesem Modul ist zu bewerten ist, ob die Person die jeweilige Aktivität praktisch durchführen kann. Es ist unerheblich, ob die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit aufgrund von Schädigungen körperlicher oder mentaler Funktionen bestehen oder ob Teilaspekte bereits in anderen Modulen berücksichtigt worden sind.

Weiterführende und detailliertere Hinweise zu den Modulen finden Sie in unserem Pflegetagebuch für Erwachsene bzw. Pflegetagebuch für Kinder.

Grade der Selbständigkeit

Um einen Pflegegrad rechnerisch ermitteln zu können, hat der Gesetzgeber die Antwortmöglichkeiten auf die Fragen des neuen Begutachtungsverfahrens standardisiert. Definiert wurden vier Grade der Selbständigkeit, die sich in einem Pflegetagebuch wiederfinden:

  1. Selbständig
  2. Überwiegend selbständig
  3. Überwiegend unselbständig
  4. Unselbständig

Näheres zu den Graden finden Sie auf der Seite mit unseren Ausfüllhinweisen.

Pflegetagebuch für Erwachsene

Stand: 01.05.2017
Version: 1.3
Seiten: 80
Größe: 1,1MB

Pflegetagebuch für Kinder

Stand: 01.08.2017
Version: 1.1
Seiten: 92
Größe: 1,3MB