Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege im Sommerurlaub: So klappt die Auszeit für pflegende Angehörige

Vie­le pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge gön­nen sich nur sel­ten Urlaub – oft, weil unklar ist, wie die Ver­sor­gung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wäh­rend die­ser Zeit orga­ni­siert wer­den kann. Dabei ste­hen in Deutsch­land zwei zen­tra­le Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung bereit, um eine Pfle­ge­ver­tre­tung sicher­zu­stel­len: die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge und die Kurz­zeit­pfle­ge. Mit die­sen Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­ten der Pfle­ge­kas­se lässt sich die Betreu­ung eines Pfle­ge­be­dürf­ti­gen vor­über­ge­hend regeln, sodass pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge beru­higt in den Som­mer­ur­laub fah­ren kön­nen. Im Fol­gen­den erklä­ren wir ver­ständ­lich, was Ver­hin­de­rungs- und Kurz­zeit­pfle­ge sind, wel­che Vor­aus­set­zun­gen, Leis­tungs­um­fang, Dau­er und Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten gel­ten und wie man sie bean­tragt sowie plant. Prak­ti­sche Tipps und ein Bei­spiel zei­gen, wie eine Urlaubs­ver­tre­tung erfolg­reich gelingt.

Verhinderungspflege: Ersatzpflege zu Hause organisieren

Ver­hin­de­rungs­pfle­ge (häus­li­che Ersatz­pfle­ge) bedeu­tet die zeit­lich begrenz­te Ver­tre­tung der übli­chen Pfle­ge­per­son. Sie greift, wenn die haupt­säch­li­che Pfle­ge­per­son aus­fällt – etwa wegen Urlaub, Krank­heit oder ande­rer Ver­pflich­tun­gen. In die­ser Zeit über­nimmt eine Ersatz­per­son die Betreu­ung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in des­sen häus­li­cher Umge­bung. Die Pfle­ge­ver­si­che­rung unter­stützt dies finan­zi­ell, damit pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge eine wohl­ver­dien­te Aus­zeit neh­men kön­nen (daher spricht man umgangs­sprach­lich auch von „Urlaubs­ver­tre­tung“).

Leis­tun­gen und Bedin­gun­gen der Ver­hin­de­rungs­pfle­ge auf einen Blick:

  • Vor­aus­set­zun­gen: Anspruch besteht für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen ab Pfle­ge­grad 2, wenn sie vor der ers­ten Ver­hin­de­rung bereits 6 Mona­te zu Hau­se gepflegt wur­den (soge­nann­te Vor­pfle­ge­zeit). Zum Zeit­punkt der Ver­hin­de­rungs­pfle­ge muss min­des­tens Pfle­ge­grad 2 vor­lie­gen. (Ab Juli 2025 ent­fällt die 6‑Monatsfrist – dann kann Ersatz­pfle­ge sofort ab Pfle­ge­grad 2 in Anspruch genom­men werden.)
  • Dau­er: Bis zu 42 Kalen­der­ta­ge bzw. 6 Wochen pro Jahr sind mög­lich. Die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge kann tage­wei­se oder stun­den­wei­se erfol­gen – auch für kur­ze Ein­sät­ze von ein paar Stun­den ist sie nutz­bar. Wich­tig: Bei Abwe­sen­hei­ten unter 8 Stun­den pro Tag wird das Pfle­ge­geld nicht gekürzt und sol­che kur­zen Ver­tre­tun­gen zäh­len nicht als vol­le Ver­hin­de­rungs­pfle­ge-Tage im 42-Tage-Kontingent.
  • Leis­tungs­um­fang der Pfle­ge­kas­se: Die Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt die Kos­ten der Ersatz­pfle­ge bis zu 1.685 € pro Kalen­der­jahr (Stand 2025). Wird die Kurz­zeit­pfle­ge im sel­ben Jahr gar nicht genutzt, kön­nen bis zu 843 € des Kurz­zeit­pfle­ge-Bud­gets zusätz­lich für Ver­hin­de­rungs­pfle­ge ein­ge­setzt wer­den (s.u.), sodass ins­ge­samt bis zu 2.528 € im Jahr für Ersatz­pfle­ge erstat­tet werden.
  • Pfle­ge­geld wäh­rend­des­sen: Wenn Ver­hin­de­rungs­pfle­ge tage­wei­se in Anspruch genom­men wird, zahlt die Pfle­ge­kas­se für die Dau­er der Ver­tre­tung wei­ter­hin 50 % des Pfle­ge­gel­des an den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen bzw. sei­ne Ange­hö­ri­gen – und zwar für bis zu 6 Wochen im Jahr. (Für den ers­ten und letz­ten Tag einer durch­ge­hen­den Ersatz­pfle­ge erfolgt kei­ne Kür­zung, hier wird antei­lig das vol­le Pfle­ge­geld gezahlt. Bei stun­den­wei­ser Ersatz­pfle­ge <8 Stun­den täg­lich bleibt das Pfle­ge­geld eben­falls unverändert.)
  • Ersatz­pfle­ge­per­son & Kos­ten­er­stat­tung: Die Ver­tre­tung kann ent­we­der ein pro­fes­sio­nel­ler Pfle­ge­dienst, ein ehren­amt­li­cher Hel­fer oder eine Ver­trau­ens­per­son aus Familie/Bekanntenkreis sein. Wich­tig zu wis­sen: Springt ein naher Ange­hö­ri­ger (bis 2. Grad verwandt/verschwägert oder im glei­chen Haus­halt lebend) unent­gelt­lich ein, erstat­tet die Kas­se in der Regel nur erfor­der­li­che Aus­la­gen wie Fahrt­kos­ten oder ent­gan­ge­nen Lohn – und zwar grund­sätz­lich höchs­tens bis zum Gegen­wert von 6 Wochen Pfle­ge­geld (das ent­spricht dem 1,5‑fachen des monat­li­chen Pfle­ge­gel­des des jewei­li­gen Pfle­ge­gra­des). Nach­ge­wie­se­ne Kos­ten naher Ange­hö­ri­ger kön­nen aber bis zur vol­len Höhe von 1.685 € erstat­tet wer­den, sofern sie anfal­len. Exter­ne Ersatz­kräf­te – etwa ein Pfle­ge­dienst oder nicht ver­wand­te Per­so­nen – kön­nen ihre tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen bis zur Höchst­gren­ze (1.685 € bzw. mit Auf­sto­ckung 2.528 €) direkt mit der Pfle­ge­kas­se abrech­nen.

Die­se Regeln stel­len sicher, dass pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen auch wäh­rend der Urlaubs­ab­we­sen­heit ihrer Ange­hö­ri­gen gut ver­sorgt sind. Ver­hin­de­rungs­pfle­ge ist beson­ders geeig­net, wenn der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge am liebs­ten in ver­trau­ter Umge­bung blei­ben möch­te. Dann kann z.B. ein ambu­lan­ter Dienst oder eine bekann­te Per­son zu Hau­se ein­sprin­gen, wäh­rend die Haupt­pfle­ge­per­son verreist.

Kurzzeitpflege: Betreuung im Pflegeheim auf Zeit

Die Kurz­zeit­pfle­ge ist eine vor­über­ge­hen­de voll­sta­tio­nä­re Pfle­ge des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in einem Pfle­ge­heim oder einer ver­gleich­ba­ren Ein­rich­tung. Sie wird typi­scher­wei­se genutzt, wenn die häus­li­che Pfle­ge zeit­wei­se nicht sicher­ge­stellt wer­den kann – etwa weil die Pfle­ge­per­son im Urlaub oder selbst im Kran­ken­haus ist – und kei­ne ande­re Ver­sor­gungs­lö­sung greift. Vie­le Pfle­ge­hei­me bie­ten hier­für kurz­fris­tig ver­füg­ba­re Plät­ze an, um Pfle­ge­be­dürf­ti­ge für Tage oder weni­ge Wochen auf­zu­neh­men. Für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge ist die Kurz­zeit­pfle­ge eine Ent­las­tung, da der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge rund um die Uhr pro­fes­sio­nell ver­sorgt wird, wäh­rend sie abwe­send sind.

Leis­tun­gen und Bedin­gun­gen der Kurz­zeit­pfle­ge auf einen Blick:

  • Vor­aus­set­zun­gen: Anspruch auf Kurz­zeit­pfle­ge besteht für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge mit Pfle­ge­grad 2 bis 5. Pfle­ge­grad 1 hat kei­nen eige­nen Kurz­zeit­pfle­ge­be­trag; Per­so­nen mit PG 1 kön­nen jedoch ihren monat­li­chen Ent­las­tungs­be­trag von 125 € anspa­ren (bis zu 1.572 € im Jahr) und für Kurz­zeit­pfle­ge ein­set­zen. Ohne Pfle­ge­grad (oder bei PG 1) gibt es Kurz­zeit­pfle­ge nur im Aus­nah­me­fall über die Kran­ken­ver­si­che­rung, etwa für eini­ge Tage Anschluss­ver­sor­gung nach einem Krankenhausaufenthalt.
  • Dau­er: Bis zu 8 Wochen bzw. 56 Tage Kurz­zeit­pfle­ge sind pro Kalen­der­jahr mög­lich. Die­ser Zeit­raum kann am Stück oder auf meh­re­re Auf­ent­hal­te ver­teilt genutzt werden.
  • Leis­tungs­um­fang der Pfle­ge­kas­se: Die Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt in der Kurz­zeit­pfle­ge die pfle­ge­ri­schen Kos­ten (Pfle­ge, Betreu­ung und medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge) bis zu 1.854 € pro Jahr (Stand 2025). (Bis Ende 2024 lag der Höchst­be­trag bei 1.774 €; zum 1.1.2025 wur­de er um 4,5 % auf 1.854 € ange­ho­ben.) Wird die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge im lau­fen­den Jahr nicht bean­sprucht, kann deren Bud­get kom­plett auf die Kurz­zeit­pfle­ge über­tra­gen wer­den – dadurch ste­hen ins­ge­samt bis zu 3.539 € jähr­lich für Kurz­zeit­pfle­ge zur Ver­fü­gung. (Hin­weis: Die­ser maxi­ma­le Kom­bi­na­ti­ons­be­trag ent­spricht bereits dem neu­en gemein­sa­men Jah­res­bud­get, sie­he unten.)
  • Pfle­ge­geld wäh­rend­des­sen: Wäh­rend der Kurz­zeit­pfle­ge zahlt die Kas­se wei­ter­hin die Hälf­te des Pfle­ge­gel­des für bis zu 8 Wochen pro Jahr an den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen bzw. sei­ne Ange­hö­ri­gen aus. (Bei Rück­kehr aus der Kurz­zeit­pfle­ge wird das vol­le Pfle­ge­geld anschlie­ßend wie­der gewährt.)
  • Eigen­an­tei­le („Hotel­kos­ten“): Wich­tig: Die Pfle­ge­kas­se über­nimmt nur die pfle­ge­be­ding­ten Kos­ten der Ein­rich­tung. Unter­kunft und Ver­pfle­gung sowie Inves­ti­ti­ons­kos­ten muss der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge grund­sätz­lich selbst zah­len. Die­se „Hotel­kos­ten“ vari­ie­ren je nach Heim, häu­fig lie­gen sie bei etwa 30–40 € pro Tag. Um die­se finan­zi­el­le Belas­tung zu mil­dern, kann der Ent­las­tungs­be­trag von 125 € pro Monat ein­ge­setzt wer­den – sowohl Pfle­ge­be­dürf­ti­ge mit PG 1 als auch PG 2–5 kön­nen ange­spar­te Ent­las­tungs­be­trä­ge für Unterkunft/Verpflegung in Kurz­zeit­pfle­ge nutzen.

Kurz­zeit­pfle­ge ist vor allem dann sinn­voll, wenn der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge für kur­ze Zeit voll­sta­tio­nä­re Betreu­ung benö­tigt oder akzep­tiert – zum Bei­spiel weil kei­ne ver­trau­te Ersatz­per­son ver­füg­bar ist oder eine pro­fes­sio­nel­le Rund-um-die-Uhr-Betreu­ung not­wen­dig erscheint. Pfle­ge­hei­me hal­ten meist eini­ge Kurz­zeit­pfle­ge-Plät­ze bereit. Aller­dings sind sol­che Plät­ze – gera­de in Feri­en­zei­ten – oft schnell ver­ge­ben. Es emp­fiehlt sich, früh­zei­tig eine geeig­ne­te Ein­rich­tung anzu­fra­gen und zu reser­vie­ren (sie­he Tipps wei­ter unten).

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege kombinieren

Bei­de Leis­tun­gen las­sen sich mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren, um eine län­ge­re Abwe­sen­heit der Pfle­ge­per­son abzu­de­cken. So kön­nen pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge theo­re­tisch bis zu 14 Wochen im Jahr Ent­las­tung erhal­ten (6 Wochen Ersatz­pfle­ge + 8 Wochen Kurz­zeit­pfle­ge), sofern Bedarf besteht und die finan­zi­el­len Bud­gets dafür aus­rei­chen. In der Pra­xis wer­den Ver­hin­de­rungs- und Kurz­zeit­pfle­ge oft auf­ein­an­der fol­gend genutzt – z.B. erst eine Ver­tre­tung zu Hau­se und anschlie­ßend ein Kurz­zeit­pfle­ge-Auf­ent­halt im Heim. Wich­tig: Die 42 Tage Ver­hin­de­rungs­pfle­ge und 56 Tage Kurz­zeit­pfle­ge gel­ten getrennt; die Inan­spruch­nah­me der einen Leis­tung schmä­lert prin­zi­pi­ell nicht die mög­li­che Dau­er der anderen.

Bud­get­über­tra­gung: Nicht genutz­te Mit­tel kön­nen teil­wei­se über­tra­gen wer­den, um den finan­zi­el­len Spiel­raum zu erhö­hen. Wer z.B. gar kei­ne Kurz­zeit­pfle­ge in Anspruch nimmt, darf einen Teil des Kurz­zeit­pfle­ge-Bud­gets (bis zu 50 %) zusätz­lich für Ver­hin­de­rungs­pfle­ge ver­wen­den. Dadurch erhöht sich der erstat­tungs­fä­hi­ge Betrag für Ersatz­pfle­ge auf maxi­mal 2.528 € pro Jahr. Umge­kehrt lässt sich unge­nutz­tes Ver­hin­de­rungs­pfle­ge-Bud­get voll­stän­dig auf die Kurz­zeit­pfle­ge über­tra­gen, was – wie oben erwähnt – bis zu 3.539 € für Kurz­zeit­pfle­ge­kos­ten ermög­licht. In bei­den Fäl­len wird der jeweils über­tra­ge­ne Betrag auf das ande­re Bud­get ange­rech­net, um Dop­pel­för­de­run­gen zu ver­mei­den. Die­se Fle­xi­bi­li­tät hilft, län­ge­re Pfle­ge­ver­tre­tun­gen zu finan­zie­ren, falls eine der Leis­tun­gen allein nicht ausreicht.

Neu­re­ge­lung ab Juli 2025: Zur Jah­res­mit­te 2025 tritt eine Reform in Kraft, die Ver­hin­de­rungs- und Kurz­zeit­pfle­ge ver­ein­heit­licht. Ab dem 01.07.2025 gibt es einen gemein­sa­men Jah­res­be­trag von 3.539 € (Stand 2025), den Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ab Pfle­ge­grad 2 fle­xi­bel für bei­de Leis­tungs­ar­ten nut­zen kön­nen. Die bis­her sepa­ra­ten Bud­gets wer­den also zusam­men­ge­legt, und die unter­schied­li­chen Über­tra­gungs­re­geln ent­fal­len. Gleich­zei­tig wird die maxi­ma­le Dau­er der Ver­hin­de­rungs­pfle­ge von 6 auf 8 Wochen ange­ho­ben, gleich­zie­hend mit der Kurz­zeit­pfle­ge. Außer­dem ent­fällt ab Juli 2025 die Vor­pfle­ge­zeit von 6 Mona­ten – Ersatz­pfle­ge kann dann sofort ab Zuer­ken­nung von Pfle­ge­grad 2 genutzt wer­den (wie bei Kurz­zeit­pfle­ge bereits der Fall). Für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge bedeu­tet dies künf­tig eine noch ein­fa­che­re Hand­ha­bung: Man ver­fügt über ein ein­heit­li­ches „Ent­las­tungs­bud­get“ pro Jahr, aus dem man je nach Bedarf Ersatz­pfle­ge und/oder Kurz­zeit­pfle­ge bis zu ins­ge­samt 8 Wochen finan­zie­ren kann.

Praktische Tipps zur Urlaubsplanung mit Pflegevertretung

Die Orga­ni­sa­ti­on von Ersatz­pfle­ge klingt zunächst kom­plex, lässt sich mit etwas Pla­nung jedoch gut bewäl­ti­gen. Fol­gen­de Tipps hel­fen pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen dabei, Ver­hin­de­rungs- und Kurz­zeit­pfle­ge erfolg­reich zu bean­tra­gen und anzu­wen­den:

  • Früh­zei­tig pla­nen: Begin­nen Sie recht­zei­tig mit den Vor­be­rei­tun­gen für Ihre Urlaubs­ver­tre­tung. Kurz­zeit­pfle­ge­plät­ze in Pfle­ge­hei­men sind ins­be­son­de­re wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en stark nach­ge­fragt – fra­gen Sie daher früh­zei­tig bei geeig­ne­ten Ein­rich­tun­gen an, ob zum Wunsch­ter­min ein Platz frei ist, da es sonst zu Eng­päs­sen kom­men kann. Auch bei der Ver­hin­de­rungs­pfle­ge (Ersatz­kraft zu Hau­se) lohnt es sich, mög­lichst früh nach einer pas­sen­den Pfle­ge­per­son oder einem Pfle­ge­dienst zu suchen.
  • Antrag vor­ab stel­len: Infor­mie­ren Sie die Pfle­ge­kas­se über Ihr Vor­ha­ben und bean­tra­gen Sie Ver­hin­de­rungs- oder Kurz­zeit­pfle­ge mög­lichst im Vor­aus. Dafür gibt es meist ein­fa­che For­mu­la­re der Pfle­ge­kas­se (teils online abruf­bar). Ins­be­son­de­re für die Kurz­zeit­pfle­ge ver­lan­gen vie­le Hei­me eine Kos­ten­über­nah­me­er­klä­rung der Pfle­ge­kas­se vor dem Auf­ent­halt. Rei­chen Sie den Antrag also ein, sobald die Pla­nung steht. (Tipp: Geben Sie genaue Daten und die gewähl­te Ein­rich­tung bzw. Ersatz­pfle­ge­per­son an, damit die Kas­se den Leis­tungs­um­fang zusa­gen kann.) Zwar ist eine nach­träg­li­che Bean­tra­gung grund­sätz­lich mög­lich – bis zum Jah­res­en­de, in dem die Pfle­ge­ver­tre­tung statt­fand –, dann müs­sen Sie sich aber vom Pfle­ge­dienst oder der Ersatz­pfle­ge­per­son schrift­lich bestä­ti­gen las­sen, wel­che Pfle­ge­leis­tun­gen erbracht wur­den, und alle Rechnungen/Belege bei der Kas­se einreichen.
  • Geeig­ne­te Ersatz­pfle­ge­per­son fin­den: Über­le­gen Sie, wer die Pfle­ge über­neh­men kann, wäh­rend Sie weg sind. Mög­li­che Optio­nen sind ande­re Fami­li­en­mit­glie­der, gute Freun­de oder Nach­barn oder ein ambu­lan­ter Pfle­ge­dienst. Klä­ren Sie im Vor­feld mit der gewünsch­ten Ersatz­per­son die zeit­li­chen Abläu­fe und Ver­gü­tung: Wenn ein Ange­hö­ri­ger ein­springt, infor­mie­ren Sie sich bei der Kas­se, wel­che Kos­ten erstat­tet wer­den. In der Regel über­nimmt die Kas­se bei fami­liä­rer Ersatz­pfle­ge nur nach­ge­wie­se­ne Auf­wen­dun­gen (z.B. Fahrt­kos­ten oder Ver­dienst­aus­fall) bis zu einer bestimm­ten Höhe. Even­tu­ell möch­te der Ange­hö­ri­ge unent­gelt­lich hel­fen – den­noch soll­ten Sie Aus­la­gen erstat­ten und die­se quit­tie­ren las­sen, damit Sie sie bei der Pfle­ge­kas­se gel­tend machen kön­nen. Bei Pfle­ge­diens­ten erfolgt die Abrech­nung direkt mit der Kas­se; hier soll­ten Sie vor­ab klä­ren, ob der Dienst Kapa­zi­tä­ten hat und zu wel­chen Zei­ten er kommt.
  • Finan­zi­el­le Aspek­te beach­ten: Machen Sie sich bewusst, dass wäh­rend einer län­ge­ren Ersatz­pfle­ge das Pfle­ge­geld redu­ziert wei­ter­ge­zahlt wird. Bei Ver­hin­de­rungs­pfle­ge über 8 Stun­den am Tag sowie wäh­rend Kurz­zeit­pfle­ge erhal­ten Sie nur die Hälf­te des Pfle­ge­gel­des (wei­ter­hin aus­ge­zahlt an den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen bzw. des­sen Kon­to). Pla­nen Sie die­ses gerin­ge­re Ein­kom­men für die Urlaubs­zeit ein. (Bei stun­den­wei­ser Ver­hin­de­rungs­pfle­ge unter 8 Stun­den täg­lich bleibt das Pfle­ge­geld hin­ge­gen unan­ge­tas­tet.) Kal­ku­lie­ren Sie zudem die Eigen­an­tei­le ein, die bei Kurz­zeit­pfle­ge anfal­len: Unter­kunft und Ver­pfle­gung im Heim kön­nen pro Woche meh­re­re hun­dert Euro kos­ten und müs­sen pri­vat getra­gen wer­den. Hier kön­nen ange­spar­te Ent­las­tungs­be­trä­ge ein­ge­setzt wer­den, aber oft bleibt ein Rest selbst zu finan­zie­ren. Erkun­di­gen Sie sich im Vor­feld beim Pfle­ge­heim nach den genau­en Kos­ten pro Tag, damit es kei­ne Über­ra­schun­gen gibt.
  • Pfle­ge­ur­laub mit Pfle­ge­be­dürf­ti­gen: Möch­ten Sie trotz Pfle­ge­si­tua­ti­on nicht auf einen gemein­sa­men Urlaub ver­zich­ten, gibt es spe­zia­li­sier­te Pfle­ge­ho­tels und Kurz­zeit­pfle­ge­ein­rich­tun­gen am Urlaubs­ort. Inner­halb Deutsch­lands kön­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge für die Urlaubs­dau­er in sol­chen Ein­rich­tun­gen betreut wer­den, wäh­rend Sie in der Nähe Ihren Urlaub ver­brin­gen. Infor­mie­ren Sie sich früh­zei­tig über soge­nann­te „Pfle­ge­ho­tels“ oder Kurz­zeit­pfle­ge­plät­ze in Ihrer Feri­en­re­gi­on. Die­se bie­ten oft bar­rie­re­freie Zim­mer und Pfle­ge­per­so­nal vor Ort, sodass Ange­hö­ri­ge ent­las­tet wer­den, aber den­noch täg­lich Zeit mit dem Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ver­brin­gen können.
  • Bera­tung nut­zen: Scheu­en Sie sich nicht, pro­fes­sio­nel­le Bera­tung in Anspruch zu neh­men. Pfle­ge­stütz­punk­te und Pfle­ge­be­ra­tungs­stel­len (oft bei den Kom­mu­nen oder Wohl­fahrts­ver­bän­den) kön­nen Sie indi­vi­du­ell bera­ten, wel­che Leis­tun­gen in Ihrem Fall infra­ge kom­men und was zu beach­ten ist. Auch die Pfle­ge­kas­se selbst steht für Rück­fra­gen zur Ver­fü­gung. Eine Bera­tung hilft, Unsi­cher­hei­ten abzu­bau­en, und stellt sicher, dass Sie alle zuste­hen­den Leis­tun­gen opti­mal ausschöpfen.

Praxisbeispiel: Entspannt verreisen mit Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Frau Schmitz pflegt ihren 80-jäh­ri­gen Vater (Pfle­ge­grad 3) zuhau­se. Für den August hat sie einen zwei­wö­chi­gen Som­mer­ur­laub geplant. Damit ihr Vater in die­ser Zeit gut ver­sorgt ist, kom­bi­niert sie Ver­hin­de­rungs- und Kurz­zeit­pfle­ge: In der ers­ten Woche über­nimmt ein ambu­lan­ter Pfle­ge­dienst im Rah­men der Ver­hin­de­rungs­pfle­ge zwei­mal täg­lich die Ver­sor­gung bei Herrn Schmitz zuhau­se. Dafür hat Frau Schmitz vor­ab einen Antrag gestellt und die Kos­ten­über­nah­me von der Pfle­ge­kas­se erhal­ten. In der zwei­ten Woche wird ihr Vater in einer Kurz­zeit­pfle­ge-Ein­rich­tung unter­ge­bracht, die noch einen frei­en Platz hat­te. Die Pfle­ge­kas­se über­nimmt die pfle­ge­be­ding­ten Kos­ten für bei­de Wochen – der Pfle­ge­dienst rech­net direkt etwa 700 € für Woche 1 mit der Kas­se ab, und das Pfle­ge­heim stellt rund 800 € für Woche 2 in Rech­nung (bei­des liegt inner­halb der jähr­li­chen Höchst­be­trä­ge). Ledig­lich die Unter­kunft und Ver­pfle­gung im Heim (ca. 350 €) muss Frau Schmitz aus eige­ner Tasche zah­len, wofür sie aber ange­spar­te Ent­las­tungs­be­trä­ge ein­set­zen kann. Das Pfle­ge­geld für Herrn Schmitz läuft wäh­rend der zwei Wochen hälf­tig wei­ter, sodass er und sei­ne Toch­ter wei­ter­hin 50 % des übli­chen Pfle­ge­gel­des erhal­ten. Frau Schmitz kann beru­higt in den Urlaub fah­ren, da sie weiß, dass ihr Vater gut betreut wird. Nach ihrer Rück­kehr nimmt sie die Pfle­ge wie gewohnt wie­der auf – und hat dank der Aus­zeit neue Kraft geschöpft.

Fazit

Ein Som­mer­ur­laub ist auch für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge mach­bar, ohne dass die Ver­sor­gung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen lei­det. Mit Ver­hin­de­rungs­pfle­ge und Kurz­zeit­pfle­ge stellt die Pfle­ge­ver­si­che­rung hilf­rei­che Leis­tun­gen bereit, um eine Über­brü­ckung der Pfle­ge­si­tua­ti­on wäh­rend der Abwe­sen­heit zu finan­zie­ren. Wich­tig sind eine gute Pla­nung und recht­zei­ti­ge Anträ­ge, damit im Urlaubs­zeit­raum alles rei­bungs­los klappt. Nut­zen Sie die Ihnen zuste­hen­den Leis­tun­gen – sie die­nen Ihrer Ent­las­tung und ermög­li­chen es, ein­mal abzu­schal­ten. Denn nur wenn pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge auch auf sich selbst ach­ten und gele­gent­lich Pau­se machen, kön­nen sie lang­fris­tig die häus­li­che Pfle­ge mit Ener­gie und Zuver­sicht fort­füh­ren. In die­sem Sin­ne: Pla­nen Sie ruhig Ihre nächs­te Aus­zeit – die Pfle­ge­kas­se unter­stützt Sie dabei, damit Sie erholt aus dem Som­mer­ur­laub zurück­keh­ren können!

Quel­len: Ver­weis auf Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um, Ver­brau­cher­zen­tra­le, Pfle­ge­fach­por­ta­le und Rat­ge­ber. (Stand: 2025)

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