Pflegekräfte aus dem Ausland: Eine wertvolle Unterstützung für Pflegebedürftige und ihre Familien

Einleitung: Die Realität der Pflege in Deutschland

Die Bevöl­ke­rung in Deutsch­land wird immer älter – und mit dem demo­gra­fi­schen Wan­del steigt auch der Bedarf an pro­fes­sio­nel­ler Pfle­ge. Gleich­zei­tig herrscht ein aku­ter Man­gel an Pfle­ge­per­so­nal. Vie­le Fami­li­en sto­ßen bei der Ver­sor­gung ihrer pfle­ge­be­dürf­ti­gen Ange­hö­ri­gen an ihre Gren­zen – emo­tio­nal, zeit­lich und körperlich.

Eine Lösung, die sich in den letz­ten Jah­ren eta­bliert hat, ist die Unter­stüt­zung durch Pfle­ge­kräf­te aus dem Aus­land. Vor allem aus ost­eu­ro­päi­schen Län­dern wie Polen, Bul­ga­ri­en oder Rumä­ni­en kom­men vie­le enga­gier­te Betreu­ungs­kräf­te nach Deutsch­land, um hier in der soge­nann­ten 24-Stun­den-Betreu­ung tätig zu sein.

Doch wie funk­tio­niert das genau? Wor­auf soll­ten Fami­li­en ach­ten? Und wel­che recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen gibt es? Die­ser Arti­kel gibt einen umfas­sen­den Überblick.

1. Warum Pflegekräfte aus dem Ausland?

Pflegenotstand in Deutschland

Laut dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit wer­den bis 2030 rund 500.000 zusätz­li­che Pfle­ge­kräf­te benö­tigt. Der Arbeits­markt in Deutsch­land allein kann die­se Nach­fra­ge nicht decken.

Alternative zur stationären Pflege

Vie­le Men­schen wün­schen sich, ihren Lebens­abend im eige­nen Zuhau­se zu ver­brin­gen. Aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te machen das mög­lich – sie leben oft mit im Haus­halt und bie­ten eine soge­nann­te „24-Stun­den-Betreu­ung“.

2. Aufgaben und Leistungen

Aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te über­neh­men in der Regel kei­ne medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge, sondern:

  • Grund­pfle­ge (Hil­fe beim Waschen, Anzie­hen, Toilettengang)
  • Haus­halts­füh­rung (Kochen, Put­zen, Einkaufen)
  • Gesell­schaft leis­ten (Spa­zier­gän­ge, Gesprä­che, Vorlesen)
  • Beglei­tung zu Terminen

Die­se Art der Betreu­ung wird beson­ders von Demenzpatient:innen geschätzt, da sie Struk­tur, Sicher­heit und per­sön­li­che Anspra­che bietet.

3. Vermittlung und Modelle

Es gibt ver­schie­de­ne Model­le, wie Pfle­ge­kräf­te aus dem Aus­land nach Deutsch­land kommen:

a) Entsendungsmodell

Hier wird die Pfle­ge­kraft von einem Unter­neh­men im Her­kunfts­land ange­stellt und vor­über­ge­hend nach Deutsch­land ent­sandt. Das ist recht­lich erlaubt inner­halb der EU, sofern alle arbeits­recht­li­chen Vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten werden.

b) Direkte Anstellung durch die Familie

In die­sem Fall wird die Pfle­ge­kraft direkt von der zu betreu­en­den Per­son oder ihren Ange­hö­ri­gen ange­stellt. Das erfor­dert aller­dings Kennt­nis­se im Arbeits- und Sozi­al­recht – ins­be­son­de­re bei Steu­ern, Ver­si­che­rung und Mindestlohn.

c) Selbstständige Betreuungskräfte

Die­se Vari­an­te ist pro­ble­ma­tisch, da ech­te Selbst­stän­dig­keit schwer nach­weis­bar ist – die Gefahr von Schein­selbst­stän­dig­keit ist hoch.

Am häu­figs­ten ist das Ent­sen­dungs­mo­dell, meist über spe­zia­li­sier­te Vermittlungsagenturen.

4. Rechtliche Aspekte & Qualitätssicherung

Arbeitszeit & Ruhezeiten

Eine ech­te „24-Stun­den-Betreu­ung“ im Sin­ne einer per­ma­nen­ten Arbeits­be­reit­schaft ist recht­lich nicht zuläs­sig. Auch ent­sand­te Kräf­te haben Anspruch auf Pau­sen und freie Zeiten.

Vertrag & Transparenz

Ein schrift­li­cher Ver­trag zwi­schen Ver­mitt­lungs­agen­tur, Fami­lie und Pfle­ge­kraft ist essen­zi­ell. Dar­in soll­ten Auf­ga­ben, Arbeits­zei­ten, Urlaubs­re­ge­lun­gen und Kün­di­gungs­fris­ten klar gere­gelt sein.

Qualitätssicherung

Seriö­se Agen­tu­ren ach­ten auf Sprach­kennt­nis­se, Qua­li­fi­ka­tio­nen und bie­ten Schu­lun­gen sowie Betreu­ung durch einen Ansprech­part­ner in Deutschland.

5. Kosten und Finanzierung

Die monat­li­chen Kos­ten für eine aus­län­di­sche Pfle­ge­kraft lie­gen in der Regel zwi­schen 2.000 und 3.500 Euro, je nach Qua­li­fi­ka­ti­on, Deutsch­kennt­nis­sen und Agenturgebühren.

Mögliche Zuschüsse:

  • Pfle­ge­geld (je nach Pflegegrad)
  • Ver­hin­de­rungs­pfle­ge (z. B. bei Urlaub der Angehörigen)
  • Steu­er­li­che Absetz­bar­keit haus­halts­na­her Dienstleistungen

Ein Bera­tungs­ge­spräch bei der Pfle­ge­kas­se oder einem Pfle­ge­stütz­punkt ist empfehlenswert.

6. Vorteile und Herausforderungen

Vorteile

  • Per­sön­li­che Betreu­ung im gewohn­ten Umfeld
  • Ent­las­tung für Angehörige
  • Oft bes­se­re Betreu­ung als im Heim möglich

Herausforderungen

  • Sprach­bar­rie­ren und kul­tu­rel­le Unterschiede
  • Ein­ge­wöh­nung braucht Zeit
  • Kla­re Abspra­chen sind unerlässlich

Fazit: Eine Lösung mit Herz und Verantwortung

Pfle­ge­kräf­te aus dem Aus­land leis­ten einen unschätz­ba­ren Bei­trag zur Ver­sor­gung älte­rer und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Men­schen in Deutsch­land. Sie ermög­li­chen ein wür­de­vol­les Leben in den eige­nen vier Wän­den – oft mit gro­ßer Hin­ga­be und Herzlichkeit.

Damit die­se Lösung lang­fris­tig trag­fä­hig ist, braucht es jedoch fai­re Arbeits­be­din­gun­gen, rechts­si­che­re Model­le und eine offe­ne, respekt­vol­le Zusam­men­ar­beit zwi­schen Fami­li­en, Pfle­ge­kräf­ten und Vermittlungsstellen.

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