Pflegegrad 3 bei Kindern: Voraussetzungen, Leistungen & Antrag im Überblick

Wenn ein Kind dau­er­haft stark auf Hil­fe ange­wie­sen ist, stellt das Fami­li­en vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen — emo­tio­nal, orga­ni­sa­to­risch und finan­zi­ell. Der Pfle­ge­grad 3 bei Kin­dern bringt erst­mals umfang­rei­che Geld- und Sach­leis­tun­gen mit sich, die Fami­li­en wirk­sam ent­las­ten können.

In die­sem Arti­kel erfah­ren Sie:

  • Was Pfle­ge­grad 3 bei Kin­dern bedeutet
  • Wel­che Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein müssen
  • Wel­che Leis­tun­gen Fami­li­en zustehen
  • Wie Sie den Antrag stel­len — inklu­si­ve Tipps und FAQ

Was bedeutet Pflegegrad 3 bei Kindern?

Pfle­ge­grad 3 wird ver­ge­ben, wenn eine schwe­re Beein­träch­ti­gung der Selbst­stän­dig­keit vor­liegt. Das heißt: Das Kind braucht im Ver­gleich zu Gleich­alt­ri­gen deut­lich mehr Hil­fe im All­tag — z. B. beim Waschen, Anzie­hen, Essen, der Ori­en­tie­rung oder Kommunikation.

Pflegegrad 3 im Begutachtungssystem:

Ein Kind erhält Pfle­ge­grad 3 bei einer Punkt­zahl von 47,5 bis unter 70 Punk­ten im offi­zi­el­len Begutachtungsinstrument.

Voraussetzungen für Pflegegrad 3 bei Kindern

Damit ein Kind Pfle­ge­grad 3 erhält, müs­sen fol­gen­de Bedin­gun­gen erfüllt sein:

  • Gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung mit erheb­li­chem Hilfebedarf
  • Dau­er­haf­te Pfle­ge­be­dürf­tig­keit, also vor­aus­sicht­lich über min­des­tens sechs Monate
  • Begut­ach­tung durch den Medi­zi­ni­schen Dienst (MD) bzw. Medic­pro­of (bei Privatversicherten)
  • Ver­gleich mit gesun­den Gleich­alt­ri­gen — Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen wer­den alters­be­zo­gen bewertet

Ach­tung: Der Pfle­ge­grad berück­sich­tigt nicht nur kör­per­li­che, son­dern auch geis­ti­ge und psy­chi­sche Ein­schrän­kun­gen — z. B. bei Autis­mus oder schwe­ren Lernstörungen.

Leistungen bei Pflegegrad 3 für Kinder

Ab Pfle­ge­grad 3 erhal­ten Fami­li­en erst­mals deut­lich spür­ba­re finan­zi­el­le Unter­stüt­zung und haben Zugang zu einem brei­ten Spek­trum an Leistungen.

Übersicht: Leistungen bei Pflegegrad 3

Leis­tungHöhe/Beschreibung
Pfle­ge­geld (bei häus­li­cher Pflege)599 € monatlich
Pfle­ge­sach­leis­tun­gen (ambu­lan­te Dienste)bis zu 1.497 € monatlich
Ent­las­tungs­be­trag131 € monatlich

Gemein­sa­mer Jah­res­be­trag (§ 42a)
- Kurz­zeit­pfle­ge (§ 42)
- Ver­hin­de­rungs­pfle­ge (§ 39
)
3.539 €
Kom­bi­na­ti­ons­leis­tun­genKom­bi­na­ti­on aus Geld- und Sach­leis­tun­gen möglich
Pfle­ge­hilfs­mit­tel42 € monat­lich für z. B. Hygieneartikel
Wohn­raum­an­pas­sungbis zu 4.180 € ein­ma­lig für z. B. Badumbau
Tages- und Nachtpflegebis zu 1.357 € monatlich
Pfle­ge­be­ra­tung (§37.3 SGB XI)Kos­ten­frei, auch als Haus­be­such möglich

Antrag auf Pflegegrad 3 bei Kindern: Schritt-für-Schritt

  1. Pfle­ge­grad bei der Pfle­ge­kas­se bean­tra­gen
    Rei­chen Sie einen form­lo­sen Antrag ein (schrift­lich oder online).
  2. Pfle­ge­ta­ge­buch füh­ren
    Doku­men­tie­ren Sie alle Hil­fe­stel­lun­gen im All­tag — idea­ler­wei­se über 7–14 Tage.
  3. Begut­ach­tung durch den MDK oder Medic­pro­of
    Der Gut­ach­ter besucht Sie zu Hau­se und beur­teilt die Pflegesituation.
  4. Bescheid erhal­ten und Leis­tun­gen bean­tra­gen
    Bei Pfle­ge­grad 3 kön­nen Sie sofort Geld- und Sach­leis­tun­gen in Anspruch nehmen.
  5. Wider­spruch ein­le­gen bei Ableh­nung oder zu nied­ri­gem Pfle­ge­grad
    Inner­halb von 4 Wochen schrift­lich mög­lich — mit Begrün­dung und ggf. neu­en Belegen.

Pflegegrad 3 bei psychischen und kognitiven Einschränkungen

Nicht nur kör­per­li­che Pfle­ge­be­dürf­tig­keit wird berück­sich­tigt. Auch see­li­sche und geis­ti­ge Ein­schrän­kun­gen kön­nen zu Pfle­ge­grad 3 füh­ren — etwa bei:

  • Autis­mus (mit­tel­schwer bis schwer)
  • geis­ti­ger Behinderung
  • schwe­ren Sprachentwicklungsstörungen
  • Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit mit erheb­li­chem Betreu­ungs­auf­wand (z. B. ADHS)
  • Ess- und Schluckstörungen
  • schwer­wie­gen­den Verhaltensauffälligkeiten

Die­se müs­sen jedoch all­tags­re­le­vant und dau­er­haft sein.

Tipps für Eltern und Angehörige

Pfle­ge­be­ra­tung in Anspruch neh­men – bei Pfle­ge­grad 2+ sogar ver­pflich­tend bei Pfle­ge­geld­be­zug
Leis­tun­gen früh­zei­tig kom­bi­nie­ren, z. B. Pfle­ge­geld + Ent­las­tungs­be­trag
Schu­le, Kita und The­ra­peu­ten ein­be­zie­hen – Gut­ach­ter kön­nen Fremd­ein­schät­zun­gen berück­sich­ti­gen
Regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung – bei Fort­schritt oder Ver­schlech­te­rung des Zustands kann ein Höher­stu­fungs­an­trag sinn­voll sein

Fazit: Pflegegrad 3 verschafft Kindern und Familien konkrete Entlastung

Ein Pfle­ge­grad ist mehr als eine Ein­stu­fung — er ist der Schlüs­sel zu kon­kre­ter Hil­fe. Mit Pfle­ge­grad 3 ste­hen Fami­li­en deut­lich mehr Mit­tel zur Ver­fü­gung, um die häus­li­che Pfle­ge zu orga­ni­sie­ren, pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung zu nut­zen und den All­tag zu erleichtern.

Wer gut vor­be­rei­tet in das Antrags­ver­fah­ren geht, kann lang­fris­tig von sta­bi­ler Unter­stüt­zung pro­fi­tie­ren — emo­tio­nal, orga­ni­sa­to­risch und finanziell.

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