Pflegegrad 2 bei Kindern: Was Eltern wissen müssen

Kin­der mit gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen brau­chen beson­de­re Auf­merk­sam­keit – und manch­mal auch ganz kon­kre­te Unter­stüt­zung im All­tag. Wenn Ihr Kind dau­er­haft auf Hil­fe ange­wie­sen ist, kann ein Pfle­ge­grad bean­tragt wer­den. Pfle­ge­grad 2 bei Kin­dern ist dabei ein zen­tra­ler Ein­stiegs­punkt für vie­le Familien.

In die­sem Arti­kel erfah­ren Sie:

  • Was Pfle­ge­grad 2 bei Kin­dern bedeutet
  • Wel­che Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein müssen
  • Wel­che Leis­tun­gen Ihnen zustehen
  • Wie der Antrag funk­tio­niert und wor­auf Sie ach­ten sollten

Was bedeutet Pflegegrad 2 bei Kindern?

Pfle­ge­grad 2 wird ver­ge­ben, wenn eine erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Selbst­stän­dig­keit vor­liegt. Bei Kin­dern bedeu­tet das: Sie benö­ti­gen deut­lich mehr Hil­fe als ein gesun­des Kind des­sel­ben Alters.

Bei­spiel: Ein fünf­jäh­ri­ges Kind soll­te sich bereits weit­ge­hend allein anzie­hen und essen kön­nen. Braucht es hier­bei regel­mä­ßig Unter­stüt­zung auf­grund kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Ein­schrän­kun­gen, kann Pfle­ge­grad 2 infra­ge kommen.

👉 Pfle­ge­grad 2 beginnt ab 27 bis unter 47,5 Punk­ten im offi­zi­el­len Begutachtungssystem.

Voraussetzungen für Pflegegrad 2 bei Kindern

Damit Ihr Kind den Pfle­ge­grad 2 erhält, müs­sen fol­gen­de Kri­te­ri­en erfüllt sein:

  • Gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung mit einem Hil­fe­be­darf, der über das nor­ma­le Maß hinausgeht
  • Dau­er­haf­ter Unter­stüt­zungs­be­darf (min­des­tens sechs Monate)
  • Begut­ach­tung durch den Medi­zi­ni­schen Dienst (MD) oder Medic­pro­of (bei pri­va­ten Kassen)
  • Ver­gleich mit gesun­den Gleich­alt­ri­gen als Bewertungsgrundlage

Wich­tig: Die Ein­schät­zung erfolgt auf Basis von sechs Bewer­tungs­mo­du­len (u. a. Mobi­li­tät, kogni­ti­ve Fähig­kei­ten, Selbstversorgung).

Leistungen bei Pflegegrad 2 für Kinder

Mit Pfle­ge­grad 2 ste­hen Fami­li­en erst­mals mone­tä­re Leis­tun­gen zu – dar­un­ter Pfle­ge­geld und Sachleistungen.

Übersicht: Pflegeleistungen bei Pflegegrad 2

Leis­tungBetrag/Leistungsumfang
Pfle­ge­geld (bei häus­li­cher Pflege)347 € monatlich
Pfle­ge­sach­leis­tun­gen (ambu­lan­te Dienste)bis zu 796 € monatlich
Ent­las­tungs­be­trag131€ monat­lich (z. B. für Haushaltshilfe)
Pfle­ge­hilfs­mit­tel42 € monat­lich für z. B. Hand­schu­he, Desinfektion
Wohn­raum­an­pas­sungbis zu 4.180 € für Umbau­ten (z. B. bar­rie­re­frei­es Bad)
Tages- und Nachtpflegebis zu 721 € monatlich
Gemein­sa­mer Jah­res­be­trag (§ 42a)

- Kurz­zeit­pfle­ge (§ 42)
- Ver­hin­de­rungs­pfle­ge (§ 39)

3.539 €

Tipp: Vie­le Leis­tun­gen las­sen sich kom­bi­nie­ren oder ergän­zen – Pfle­ge­be­ra­tung hilft hier weiter.

So beantragen Sie Pflegegrad 2 für Ihr Kind

  1. Pfle­ge­grad bei der Pfle­ge­kas­se bean­tra­gen: Ein ein­fa­ches Schrei­ben oder Online-Antrag reicht.
  2. Begut­ach­tung vor­be­rei­ten: Füh­ren Sie ein Pfle­ge­ta­ge­buch und berei­ten Sie Arztbriefe/Schulberichte vor.
  3. Haus­be­such des Medi­zi­ni­schen Diens­tes: Die Begut­ach­tung erfolgt in der Regel im häus­li­chen Umfeld.
  4. Pfle­ge­grad­be­scheid erhal­ten: Die­ser kommt in der Regel weni­ge Wochen nach dem Termin.
  5. Wider­spruch ein­le­gen (wenn nötig): Inner­halb von 4 Wochen mög­lich, wenn der Pfle­ge­grad abge­lehnt oder zu nied­rig ist.

Besonderheiten: Pflegegrad 2 bei seelischen oder kognitiven Einschränkungen

Nicht nur kör­per­li­che Behin­de­run­gen füh­ren zu einem Pfle­ge­grad. Auch psy­chi­sche Erkran­kun­gen wie:

  • Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen
  • ADHS mit star­kem Betreuungsbedarf
  • Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen
  • Früh­kind­li­che Traumatisierungen

… kön­nen je nach Aus­maß zu einer Ein­stu­fung ab Pfle­ge­grad 2 führen.

Tipps für betroffene Familien

Pfle­ge­ta­ge­buch füh­ren: Hal­ten Sie täg­li­che Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen schrift­lich fest.
Pfle­ge­be­ra­tung nut­zen: Die­se ist kos­ten­los und hilft bei Antrag, Wider­spruch und Leis­tungs­nut­zung.
Schu­le & Kita ein­bin­den: Pfle­ge­grad-Leis­tun­gen kön­nen auch den Besuch in inklu­si­ven Ein­rich­tun­gen unter­stüt­zen.
Regel­mä­ßi­ge Neu­be­gut­ach­tung prü­fen: Kin­der ent­wi­ckeln sich – ggf. ist eine Höher­stu­fung möglich.

Fazit: Pflegegrad 2 ist ein wertvoller Schritt zur Entlastung

Ein Pfle­ge­grad bringt nicht nur finan­zi­el­le Ent­las­tung, son­dern auch Aner­ken­nung und Zugang zu wich­ti­gen Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­ten. Pfle­ge­grad 2 bei Kin­dern ist dabei oft der ers­te Schritt für Fami­li­en, um pro­fes­sio­nel­le Hil­fe zu orga­ni­sie­ren, Pfle­ge­zei­ten zu struk­tu­rie­ren und All­tags­sor­gen zu mildern.

Zögern Sie nicht, Ihre Ansprü­che gel­tend zu machen – denn Ihr Kind hat ein Recht auf Unterstützung.

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