Pflege im Wandel der Zeit

Einführung

Die Pfle­ge ist ein unver­zicht­ba­rer Bestand­teil jeder Gesell­schaft und hat sich über die Jahr­hun­der­te hin­weg tief­grei­fend ver­än­dert. Von den ers­ten For­men der fami­liä­ren Für­sor­ge in der Anti­ke bis hin zur hoch­tech­ni­sier­ten und pro­fes­sio­na­li­sier­ten Pfle­ge des 21. Jahr­hun­derts spie­gelt die Geschich­te der Pfle­ge die Ent­wick­lung von Medi­zin, Gesell­schaft und Tech­no­lo­gie wider. Die­ser Arti­kel beleuch­tet die wich­tigs­ten Sta­tio­nen die­ser Ent­wick­lung und wirft einen Blick auf aktu­el­le Trends und Her­aus­for­de­run­gen, die die Pfle­ge im Jahr 2025 prägen.

Antike: Die Wurzeln der Pflege

Die Ursprün­ge der Pfle­ge las­sen sich bis in die Früh­zeit der Mensch­heit zurück­ver­fol­gen, als die Ver­sor­gung von Kran­ken und Schwa­chen eine fami­liä­re oder gemein­schaft­li­che Auf­ga­be war. In anti­ken Hoch­kul­tu­ren wie Ägyp­ten, Grie­chen­land und Rom ent­wi­ckel­ten sich ers­te struk­tu­rier­te For­men der Pfle­ge. In Grie­chen­land war die Pfle­ge oft eine männ­li­che Auf­ga­be, die von medi­zi­ni­schen Stu­den­ten über­nom­men wur­de. Die­se führ­ten Tätig­kei­ten wie Füt­tern, Medi­ka­men­ten­ver­ga­be und Beob­ach­tung der Kran­ken durch, wie es im Cor­pus Hip­po­cra­ti­cum beschrie­ben wur­de. Es gab eine kla­re Hier­ar­chie, die Lai­en von pfle­ge­ri­schen Auf­ga­ben aus­schloss, und fort­ge­schrit­te­ne Stu­den­ten fun­gier­ten als „Kran­ken­auf­se­her“, die Ärz­te unter­stütz­ten (Geschich­te der Kran­ken­pfle­ge – Wiki­pe­dia).

Im Römi­schen Reich wur­de die Pfle­ge beson­ders in den Legio­nen pro­fes­sio­na­li­siert. Valetu­di­na­ri­en, spe­zi­el­le Ein­rich­tun­gen in der Nähe von Ther­men, dien­ten der Ver­sor­gung von Sol­da­ten und Skla­ven, um die Ein­satz­be­reit­schaft der Legio­nen zu gewähr­leis­ten. Die­se Ein­rich­tun­gen waren nur für heil­ba­re Pati­en­ten zugäng­lich, wäh­rend die Pfle­ge in städ­ti­schen Gebie­ten oft von Frau­en und geschul­ten Skla­ven über­nom­men wur­de. Die Römer über­nah­men medi­zi­ni­sches Wis­sen von den Grie­chen, und Ärz­te wie Galen präg­ten die medi­zi­ni­sche Theo­rie bis in die Neu­zeit (Geschich­te der Pfle­ge – Medi-Kar­rie­re).

Auch im frü­hen Chris­ten­tum spiel­te die Pfle­ge eine zen­tra­le Rol­le, geprägt von der Idee der Nächs­ten­lie­be (Kari­tas). Früh­christ­li­che Gemein­den küm­mer­ten sich um Kran­ke, Wit­wen und Wai­sen, und die ers­ten Hos­pi­tä­ler ent­stan­den im Ost­rö­mi­schen Reich, etwa durch Basi­li­us in Kap­pa­do­ki­en. Die Dia­ko­nis­se Fabio­la führ­te im 4. Jahr­hun­dert das Noso­ko­mei­on ein, eine frü­he Form des Kran­ken­hau­ses (Geschich­te der Kran­ken­pfle­ge – Wiki­pe­dia).

Zeit­raumMerk­ma­le der Pfle­geWich­ti­ge Entwicklungen
Anti­kes GriechenlandMänn­li­che Pfle­ge durch medi­zi­ni­sche StudentenCor­pus Hip­po­cra­ti­cum, Hier­ar­chie in der Pflege
Römi­sches ReichPfle­ge in Valetu­di­na­ri­en für Sol­da­ten und SklavenÜber­nah­me grie­chi­schen Wis­sens, Galen
Frü­hes ChristentumPfle­ge durch NächstenliebeErs­te Hos­pi­tä­ler, Diakonat

Mittelalter: Die Rolle der Religion

Im Mit­tel­al­ter war die Pfle­ge stark von reli­giö­sen Insti­tu­tio­nen geprägt. Klös­ter und Ordens­ge­mein­schaf­ten über­nah­men die Ver­sor­gung von Kran­ken, Armen und Pil­gern, gelei­tet von der christ­li­chen Idee der Barm­her­zig­keit. Hos­pi­tä­ler wie das Hei­lig-Geist-Hos­pi­tal in Lübeck (1276) ent­stan­den, die sowohl spi­ri­tu­el­le als auch kör­per­li­che Hei­lung anstreb­ten (Die Geschich­te der Kran­ken­pfle­ge (chro­no­lo­gisch)).

Epi­de­mien wie die Pest (1347–1352) führ­ten zur Ein­rich­tung spe­zia­li­sier­ter Ein­rich­tun­gen wie Lepro­sen­häu­ser und Iso­lier­sta­tio­nen, die von reli­giö­sen und welt­li­chen Orden wie den Johan­ni­tern betreut wur­den. Frau­en­or­den wie die Fran­zis­ka­ne­rin­nen und Domi­ni­ka­ne­rin­nen began­nen, sich der Pfle­ge zu wid­men, obwohl sozia­le Bar­rie­ren ihre Betei­li­gung zunächst ein­schränk­ten. Die Begi­nen, reli­giö­se Frau­en­ge­mein­schaf­ten, spiel­ten eben­falls eine wich­ti­ge Rol­le, indem sie häus­li­che Pfle­ge und Gemein­de­hil­fe leis­te­ten (Geschich­te der Kran­ken­pfle­ge – Wiki­pe­dia).

Zeit­raumMerk­ma­le der Pfle­geWich­ti­ge Entwicklungen
Mit­tel­al­terReli­gi­ös gepräg­te Pfle­ge in KlösternHos­pi­tä­ler, Begi­nen, Pestepidemien

Renaissance und Frühe Neuzeit: Erste Ansätze zur Professionalisierung

Mit der Renais­sance und der wis­sen­schaft­li­chen Revo­lu­ti­on im 16. und 17. Jahr­hun­dert begann die Medi­zin, sich als eigen­stän­di­ge Dis­zi­plin zu eta­blie­ren, was auch die Pfle­ge beein­fluss­te. Reli­giö­se Orden wie die Barm­her­zi­gen Brü­der und die Kamil­lia­ner wid­me­ten sich der Pfle­ge, und Johan­nes von Gott grün­de­te um 1540 ein Kran­ken­haus für psy­chisch Kran­ke in Gra­na­da, wes­halb er als Schutz­pa­tron der Kran­ken und Pfle­ge­kräf­te gilt. Ein Mei­len­stein war die Ver­öf­fent­li­chung des ers­ten deut­schen Pfle­ge­text­buchs „Gründt­li­cher Bericht, Lehr unnd Ins­truc­tion von rech­tem und nutz­li­chem brauch der Arz­ney“ von Jakob Oetheus im Jahr 1574, das die Pfle­ge als eigen­stän­di­ges Berufs­feld aner­kann­te (Geschich­te der Kran­ken­pfle­ge – Wiki­pe­dia).

Die Tren­nung von Medi­zin und Pfle­ge wur­de durch die Grün­dung der ers­ten Uni­ver­si­tä­ten im Mit­tel­al­ter zemen­tiert, wobei Pfle­ge­kräf­te, ins­be­son­de­re Frau­en, oft eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le ein­nah­men (Tren­nung von Medi­zin und Pfle­ge). Den­noch leg­te die Renais­sance den Grund­stein für eine struk­tu­rier­te­re Pfle­ge­aus­bil­dung und ‑orga­ni­sa­ti­on.

Zeit­raumMerk­ma­le der Pfle­geWich­ti­ge Entwicklungen
Renais­sanceReli­giö­se Orden, ers­te PflegetextbücherJohan­nes von Gott, Jakob Oetheus

19. Jahrhundert: Die Geburt der modernen Pflege

Das 19. Jahr­hun­dert mar­kiert den Beginn der moder­nen Pfle­ge, maß­geb­lich geprägt durch Flo­rence Night­in­gale (1820–1910). Wäh­rend des Krim­kriegs (1853–1856) orga­ni­sier­te sie die Pfle­ge ver­wun­de­ter Sol­da­ten, redu­zier­te die Sterb­lich­keits­ra­te von 42 % auf 2 % durch ver­bes­ser­te Hygie­ne und Orga­ni­sa­ti­on und grün­de­te 1860 die ers­te kon­fes­sio­nell unab­hän­gi­ge Kran­ken­pfle­ge­schu­le in Lon­don (Pfle­ge im Wan­del: Geschich­te und Mei­len­stei­ne).

Hen­ry Dun­ant grün­de­te 1863 das Rote Kreuz, das neue beruf­li­che Mög­lich­kei­ten für Frau­en in der Pfle­ge schuf. In Deutsch­land setz­te sich Agnes Karll (1868–1927) für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und eine drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung ein und grün­de­te 1903 die Berufs­or­ga­ni­sa­ti­on der Kran­ken­pfle­ge­rin­nen Deutsch­lands, den Vor­läu­fer des Deut­schen Berufs­ver­bands für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) (Kran­ken­pfle­ge im Wan­del).

Zeit­raumMerk­ma­le der Pfle­geWich­ti­ge Entwicklungen
19. Jahr­hun­dertPro­fes­sio­na­li­sie­rung, HygieneFlo­rence Night­in­gale, Rotes Kreuz, Agnes Karll

20. Jahrhundert: Professionalisierung und Spezialisierung

Das 20. Jahr­hun­dert brach­te eine wei­te­re Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Pfle­ge. Die Welt­krie­ge erhöh­ten den Bedarf an qua­li­fi­zier­ten Pfle­ge­kräf­ten, und die Pfle­ge kon­zen­trier­te sich zeit­wei­se auf die Ver­sor­gung von Kriegs­ver­sehr­ten. In Deutsch­land wur­de 1965 die drei­jäh­ri­ge Kran­ken­pfle­ge­aus­bil­dung ein­ge­führt, und 1969 ent­stand das Berufs­bild des Alten­pfle­gers (Kran­ken­pfle­ge im Wan­del).

Lilia­ne Juch­li (1933–2020) ent­wi­ckel­te in den 1960er Jah­ren die Pfle­ge­aus­bil­dung wei­ter und ver­fass­te das ers­te umfas­sen­de Pfle­ge­lehr­buch, das ganz­heit­li­che Pfle­ge beton­te. Das Kran­ken­pfle­ge­ge­setz von 1985 schrieb eine offi­zi­el­le Aus­bil­dung für den Beruf der Kran­ken­schwes­ter vor, und das Kran­ken­pfle­ge­ge­setz (KrPflG) von 2004 leg­te zusätz­li­che Stan­dards fest, ein­schließ­lich Sprach­kennt­nis­sen und Qua­li­täts­ma­nage­ment. Das Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz von 2020 ver­ein­heit­lich­te die Aus­bil­dung mit einer zwei­jäh­ri­gen all­ge­mei­nen Aus­bil­dung und einem drit­ten Jahr für Spe­zia­li­sie­run­gen (Pfle­ge im Wan­del: Geschich­te und Mei­len­stei­ne).

Zeit­raumMerk­ma­le der gesetz­li­chen Rege­lun­genWich­ti­ge Entwicklungen
20. Jahr­hun­dertEin­füh­rung der drei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung (1965), Alten­pfle­ger (1969)Welt­krie­ge, Lilia­ne Juch­li, Kran­ken­pfle­ge­ge­setz (1985, 2004), Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz (2020)

21. Jahrhundert: Digitalisierung und Herausforderungen

Im Jahr 2025 steht die Pfle­ge vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen. Der demo­gra­fi­sche Wan­del führt zu einem Anstieg der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen um etwa 50 % bis 2030, wäh­rend die Zahl der Pfle­ge­kräf­te sinkt, was zu einem pro­gnos­ti­zier­ten Man­gel von bis zu 280.000 Pfle­ge­kräf­ten bis 2049 führt (Pfle­ge­kräf­te­be­darf 2049 – Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt).

Die Digi­ta­li­sie­rung spielt eine zen­tra­le Rol­le, mit Tech­no­lo­gien wie künst­li­cher Intel­li­genz (KI) und Robo­tik, die die Effi­zi­enz und Qua­li­tät der Pfle­ge ver­bes­sern sol­len. Laut der myne­va-Trend­stu­die „Pfle­ge 2024“ sehen Pfle­ge­fach­kräf­te in der Digi­ta­li­sie­rung eine Mög­lich­keit, den Druck zu redu­zie­ren und die Nach­hal­tig­keit zu för­dern, obwohl finan­zi­el­le und regu­la­to­ri­sche Hür­den bestehen (Trend­stu­die „Pfle­ge 2024“).

Wei­te­re Trends umfas­sen die Ambu­lan­ti­sie­rung, also die Ver­schie­bung der Pfle­ge in die häus­li­che Umge­bung, und die Fokus­sie­rung auf das Kern­ge­schäft, wie die Über­nah­me der Katha­ri­nen­hof-Grup­pe zeigt (Trends Pfle­ge­markt 2024). Neue Arbeits­mo­del­le, ver­bes­ser­te Ent­gel­te und geför­der­te Wei­ter­bil­dun­gen bie­ten Chan­cen, den Fach­kräf­te­man­gel zu bekämp­fen (Arbeits­markt Pfle­ge – Bun­des­agen­tur für Arbeit).

Zeit­raumMerk­ma­le der Pfle­geWich­ti­ge Entwicklungen
21. Jahr­hun­dertDigi­ta­li­sie­rung, FachkräftemangelKI, Robo­tik, Pfle­ge­re­form, Ambulantisierung

Schlussfolgerung

Die Geschich­te der Pfle­ge ist eine Geschich­te des Wan­dels, geprägt von gesell­schaft­li­chen, tech­no­lo­gi­schen und poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Von den fami­liä­ren Anfän­gen in der Anti­ke über die reli­gi­ös gepräg­te Pfle­ge im Mit­tel­al­ter bis hin zur moder­nen, digi­ta­li­sier­ten Pfle­ge des 21. Jahr­hun­derts hat sich die Pfle­ge ste­tig an die Bedürf­nis­se der Gesell­schaft ange­passt. Heu­te steht die Pfle­ge vor Her­aus­for­de­run­gen wie dem Fach­kräf­te­man­gel und dem demo­gra­fi­schen Wan­del, doch tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen und ver­bes­ser­te Arbeits­be­din­gun­gen bie­ten Hoff­nung für eine nach­hal­ti­ge Zukunft. Die Pfle­ge bleibt ein zen­tra­ler Pfei­ler der Gesell­schaft, der Empa­thie, Pro­fes­sio­na­li­tät und Inno­va­ti­on vereint.

Quellen

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