Gesundheitspolitik der Parteien – Was planen SPD, Union, Grüne & Co. aus Patientensicht?
Gesundheit und Pflege gehen uns alle an – ob als Patientin, als pflegender Angehöriger oder einfach als Bürger mit Interesse an guter Versorgung. Im Jahr 2025 stehen Deutschlands Gesundheitssystem und die Pflege vor großen Herausforderungen: lange Wartezeiten auf Facharzttermine, Ärztemangel auf dem Land, Fachkräftemangel in Kliniken und Pflegeheimen, steigende Kosten für Versicherte und Pflegebedürftige. Die deutschen Parteien haben unterschiedliche Konzepte, um diese Probleme anzugehen. Dieser Überblick erläutert in bürgernaher, verständlicher Sprache, welche Ideen die wichtigsten Parteien (SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und AfD) für Gesundheit und Pflege vorschlagen – aus der Perspektive von uns Patientinnen und Patienten. Das Ziel: klar und neutral die Unterschiede darzustellen, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.
Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern
Wartezeiten reduzieren & Landarztmangel beheben: Patienten kennen das Problem: Auf einen Termin beim Facharzt warten gesetzlich Versicherte oft wochen- oder monatelang. Hier setzen einige Parteien an. Die SPD will Wartezeiten spürbar verkürzen – unter anderem mit einer „Termingarantie“. Gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen sollen verpflichtet werden, allen Versicherten zeitnah Termine zu vermitteln. Gelingt das nicht, verspricht die SPD sogar einen Anspruch der Patienten auf Erstattung bzw. Beitragsreduzierung. Zudem will die SPD die Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten abbauen. Ihr Konzept einer Bürgerversicherung sieht vor, dass alle Bürger – unabhängig vom Einkommen – in einer einheitlichen Krankenversicherung sind. Damit würden die heutigen Privilegien, durch die Privatversicherte oft schneller Termine erhalten, entfallen. Bündnis 90/Die Grünen verfolgen ein ähnliches Ziel: Auch sie möchten die „Zwei-Klassen-Medizin“ überwinden und Privatversicherte in das solidarische System einbeziehen. Kurzfristig fordern die Grünen und die SPD, dass zumindest die privaten Krankenversicherungen stärker zur Finanzierung des Systems beitragen und sich am gemeinsamen Ausgleichssystem der Kassen beteiligen. Die Linke geht noch weiter und will private Krankenkassen ganz abschaffen. Aus ihrer Sicht ist der gleichberechtigte Zugang zur Gesundheitsversorgung ein Menschenrecht – Wartezeiten und Zugangsunterschiede nach Versicherungsstatus sollen vollständig verschwinden. Auch eine Pflicht, dass alle – inklusive Gutverdienende und Kapitalerträge – in eine einheitliche Gesundheitsversicherung einzahlen, gehört zum linken Konzept.
Hausärzte stärken & Versorgung auf dem Land: Gerade in ländlichen Regionen gibt es oft zu wenige Hausärzte und Fachärzte. CDU und CSU (die Union) setzen hier auf bewährte Rezepte: Sie möchten die Landarztquote weiterführen, bei der ein Teil der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben wird, die sich verpflichten, später als Ärztin oder Arzt in unterversorgten Gegenden zu arbeiten. Zusätzlich will die Union mehr Anreize für Ärzte schaffen, sich auf dem Land niederzulassen – etwa durch Förderprogramme schon während des Studiums. Auch FDP und Grüne betonen die Rolle der Hausärzte für eine wohnortnahe Versorgung. Beide wollen ein Primärarztsystem stärken, bei dem Haus- und Kinderärzte als erste Anlaufstelle fungieren und Patienten durch das System lotsen. Die FDP schlägt sogar vor, ein solches Hausarztsystem als Standard einzuführen: Wer immer zuerst zum Hausarzt geht, soll Vorteile haben, während wer direkt zum Facharzt will, gegebenenfalls einen Zusatzbeitrag zahlen müsste. Ziel ist es, Doppeluntersuchungen zu vermeiden und Wartezeiten zu verkürzen. Die Grünen wollen darüber hinaus regionale Gesundheitszentren fördern – in solchen Versorgungszentren arbeiten Hausärzte, Fachärzte, Pflegekräfte und Therapeuten unter einem Dach zusammen. Das soll gerade auf dem Land den Zugang zu medizinischer Hilfe erleichtern. SPD und Linke unterstützen ebenfalls die Idee kommunaler medizinischer Versorgungszentren, insbesondere in strukturschwachen Regionen. Telemedizinische Angebote – vom Online-Sprechstunde bis zur Fernüberwachung chronisch Kranker – sollen laut diesen Parteien flächendeckend ausgebaut werden, um Distanzen zu überbrücken.
Unterschiedliche Wege zur Terminvergabe: Während SPD und Linke möglichst gleichen Zugang für alle schaffen wollen (etwa durch Terminservicestellen und Bürgerversicherung), setzen CDU/CSU und FDP eher auf bessere Steuerung der Patientenströme. Die Union möchte Haus- und Kinderärzte stärker als „Lotse“ einsetzen, damit Patientinnen und Patienten schneller an die richtige Stelle gelangen. So erhofft man sich, Wartezeiten auf Fachärzte zu reduzieren, ohne das Versicherungssystem grundlegend umzubauen. Außerdem plant die Union, das ambulante Angebot in unterversorgten Gebieten auszubauen und mit den Krankenhäusern zu verzahnen – sodass etwa Fachärzte aus Kliniken regelmäßig Sprechstunden im Umland anbieten. Die AfD betont ebenfalls die ländliche Versorgung: Sie will bürokratische Hürden abbauen und gezielte finanzielle Anreize schaffen, damit Ärzte sich verstärkt auf dem Land niederlassen. Insgesamt versprechen alle Parteien, dass niemand aus geografischen Gründen schlechter versorgt sein soll – die Ansätze reichen von klassischen Förderinstrumenten (Landarztquote, Zuschüsse) bis zu modernen Lösungen wie Telemedizin und mobilen Gesundheitsangeboten (“Ärzte auf Rädern”, wie die Grünen es nennen).
Qualität und Sicherheit in der Pflege
Pflege darf kein Risiko sein – in keiner Hinsicht: Menschen, die gepflegt werden müssen – sei es im Alter, bei Krankheit oder Behinderung – sollen sich auf sichere, gute Pflege verlassen können. Hierunter fällt sowohl die Qualität der pflegerischen Versorgung als auch die finanzielle Sicherheit für Pflegebedürftige und Angehörige. SPD, Grüne und Union betonen unisono: Pflege darf nicht zum Armutsrisiko werden. Konkret möchte die SPD ein solidarisches Pflegesystem, das niemanden überfordert. Sie plant, die privaten Pflegeversicherungen (bisher separat für Beamte und Gutverdiener) in den gemeinsamen Ausgleich einzubeziehen – also analog zur Bürgerversicherung im Gesundheitsbereich auch eine Art „Pflege-Bürgerversicherung“. Die Grünen unterstützen diesen Weg und wollen Schritt für Schritt gesetzlich und privat Versicherte auch in der Pflege gleichstellen. Beide möchten zudem verhindern, dass die Eigenanteile in der stationären Pflege weiter steigen: Die SPD schlägt vor, den Eigenanteil für ein Pflegeheimplatz auf maximal 1.000 Euro im Monat zu begrenzen. Auch zu Hause Pflegende sollen entlastet werden – etwa durch ein Pflegebudget oder verbesserte Leistungen der Pflegeversicherung. Die Union (CDU/CSU) lehnt eine vollständige Vereinheitlichung zwar ab, betont aber ebenfalls die Verantwortung des Staates, Pflege bezahlbar zu halten. Ihr Ansatz für nachhaltige Finanzierung ist ein Mix aus gesetzlicher Versicherung, betrieblicher Mitfinanzierung, Steuermitteln und privater Vorsorge. So könnten z. B. freiwillige Pflegezusatzversicherungen gefördert werden, um Lücken zu schließen. Wichtig ist der Union, dass Pflegebedürftige und Angehörige nicht allein gelassen werden: Häusliche Pflege steht für sie im Mittelpunkt, und sie möchte ein flexibles Pflegebudget einführen, mit dem Familien je nach Bedarf Leistungen einkaufen können (z. B. für Tagespflege, Kurzzeitpflege oder Haushaltshilfen).
Schutz und Qualität in Pflegeeinrichtungen: Alle Parteien wollen die Qualität in Pflegeheimen und durch Pflegedienste hochhalten – die Wege unterscheiden sich. CDU/CSU schlägt vor, die Kontrollinstanzen zu optimieren: So könne man prüfen, ob der Medizinische Dienst der Kassen und die Heimaufsichtsbehörden besser zusammenarbeiten oder sogar zusammengelegt werden, um effizienter zu überwachen, dass Pflegestandards eingehalten werden. FDP und AfD hingegen mahnen, man dürfe Einrichtungen nicht mit Bürokratie überfrachten – doppelte Prüfungen ohne Mehrwert und überbordende Dokumentationspflichten wollen sie abbauen. Die FDP glaubt, dass weniger Bürokratie den Pflegekräften mehr Zeit für die eigentliche Pflege lässt, was letztlich die Qualität hebt. Die Linke legt den Fokus vor allem darauf, Profitdenken aus der Pflege herauszuhalten: Pflegeheime und ‑dienste sollen sich am Bedarf orientieren statt an Gewinnen. Private Gewinne in diesem Sektor sieht sie kritisch, da diese oft auf Kosten der Versorgungsqualität gingen. Deshalb fordert die Linke, dass keine weiteren Privatisierungen von Kliniken und Pflegeeinrichtungen erfolgen – ein Punkt, in dem übrigens auch die AfD zustimmt, die sich ebenfalls gegen weitere Privatisierungen von Krankenhäusern ausspricht. In linken Konzepten würden Pflegeeinrichtungen stärker öffentlich und gemeinnützig finanziert, und Schließungen – insbesondere im ländlichen Raum – verhindert. Insgesamt soll jeder Mensch in Deutschland sicher sein können, im Pflegefall gut und menschenwürdig versorgt zu werden, ohne in finanzielle Not zu geraten.
Digitalisierung des Gesundheitswesens
Telemedizin und ePA für moderne Versorgung: Die Digitalisierung soll Patientinnen und Patienten das Leben leichter machen – darin sind sich eigentlich alle Parteien einig. Unterschiede bestehen eher in Tempo und Detail. SPD und Grüne möchten die elektronische Patientenakte (ePA) so schnell wie möglich für alle einführen. Die SPD hat das Ziel formuliert, die ePA flächendeckend nutzbar zu machen und perspektivisch zu einem persönlichen Gesundheitsberater weiterzuentwickeln. Das heißt, die digitale Akte soll nicht nur Daten speichern, sondern den Versicherten auch Hinweise geben können, wie sie ihre Gesundheit fördern können (etwa Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen oder individuelle Präventionstipps). CDU/CSU begrüßen die Einführung der ePA ebenfalls ausdrücklich – aus ihrer Sicht steckt großes Potenzial in digitalen Gesundheitsanwendungen (Apps auf Rezept, Telemonitoring usw.) und sogar im Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Diagnose und Therapie. Die Union legt Wert darauf, dass Patientendaten sicher genutzt werden: Sie schlägt z. B. vor, dass freiwillige Datenspenden aus der ePA für Forschungszwecke erleichtert werden – sprich: Wenn ein Patient zustimmt, sollen seine anonymisierten Gesundheitsdaten zur Forschung (etwa klinischen Studien) beitragen dürfen. Bündnis 90/Die Grünen unterstützen die Digitalisierung grundsätzlich, wollen aber den Datenschutz gewahrt sehen. Sie fordern, dass digitale Lösungen den Menschen dienen und nicht in erster Linie den Konzernen – etwa indem öffentliche Gesundheits-IT und Open-Source-Lösungen gefördert werden. Außerdem betonen die Grünen die Teilhabe aller: Auch Ältere und Menschen ohne Smartphone müssen vom digitalen Fortschritt profitieren können, z. B. durch Telemedizin via wohnortnahe Anlaufstellen.
Unterschiedliche Akzente: Die FDP gilt als technologie-freundliche Partei: Sie möchte digitale Innovationen im Gesundheitswesen vehement vorantreiben. Telemedizin, Gesundheits-Apps, tragbare Wearables – all das soll laut FDP offensiv genutzt werden, gerade auch für Prävention. Ein Vorschlag der FDP: Versicherte könnten finanzielle Vorteile (z. B. einen reduzierten Zusatzbeitrag) erhalten, wenn sie an digitalen Präventionsprogrammen teilnehmen oder Gesundheits-Apps nutzen, die nachweislich ihre Gesundheit fördern. Gleichzeitig will die FDP den Zugang zu innovativen Medikamenten beschleunigen – digitale Vernetzung der Behörden und vereinfachte Zulassungsverfahren sollen dazu beitragen, dass neue Therapien schneller bei den Patienten ankommen. Die Linke sieht Digitalisierung eher sachlich-nüchtern: Sie erkennt den Nutzen von Telemedizin vor allem dort, wo Ärzte fehlen (also als Ergänzung zur Versorgung vor Ort), mahnt jedoch, dass Technik nicht zu Lasten der Menschlichkeit gehen dürfe. Pflegebedürftige bräuchten vor allem menschliche Zuwendung – digitale Technik könne unterstützen, aber kein Personal ersetzen. Wichtig ist der Linken zudem, dass digitale Gesundheitsdaten nicht kommerziell ausgeschlachtet werden: Weder Big Tech noch Versicherungen sollen Daten missbrauchen dürfen, und die Patienten müssen letztlich die Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten behalten. Die AfD wiederum tritt beim Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens etwas auf die Bremse: Sie lehnt beispielsweise die derzeit geplante Einführung des E‑Rezepts über die Telematik-Infrastruktur ab, da sie hierin eine unnötige Zentralisierung sieht. Generell steht die AfD digitalen Lösungen skeptischer gegenüber, vor allem wenn sie mit staatlichen oder internationalen Vorgaben einhergehen. Dennoch spricht sich auch die AfD für effizientere Prozesse durch Digitalisierung im Verwaltungsbereich aus – etwa, um Bürokratie im Gesundheitswesen abzubauen. Insgesamt gilt: Von der Videosprechstunde bis zur elektronischen Akte – die meisten Parteien wollen diese Angebote ausbauen, unterscheiden sich aber bei der Frage, wie freiwillig oder verpflichtend die Nutzung sein sollte und wie man Datenschutz gegen Nutzen abwägt.
Finanzierung: Bürgerversicherung oder duales System?
Gesetzliche und private Krankenkassen – zusammenführen oder getrennt behalten? Seit Jahren wird diskutiert, wie gerecht und nachhaltig unser Krankenversicherungssystem ist. Aktuell gibt es die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für die Mehrheit und die private Krankenversicherung (PKV) für Beamte, Selbstständige und Gutverdiener – mit unterschiedlichen Beitrags- und Leistungsmodellen. SPD, Grüne und Linke sehen hierin ein Gerechtigkeitsproblem und wollen langfristig eine Bürgerversicherung einführen. In diesem einheitlichen System würden alle Bürgerinnen und Bürger entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit einzahlen und hätten Anspruch auf die gleichen Leistungen. Die SPD argumentiert, so könne man die Finanzierung breiter und gerechter aufstellen – höhere Einkommen und auch Einnahmen aus Kapital würden stärker beitragen. Außerdem würde das Kassen-System vereinfacht und der Wettbewerb um „gute Risiken“ (gesunde, junge Versicherte) eingedämmt. Bündnis 90/Die Grünen schließen sich dem an: Sie fordern ebenfalls, private Vollversicherungen perspektivisch abzuschaffen. Als Übergangsschritt wollen sie zumindest erreichen, dass Privatversicherte sich solidarisch am Finanzausgleich im Gesundheitssystem beteiligen. Die Linke geht am weitesten: In ihrem Modell einer solidarischen Gesundheits- und Pflegevollversicherung zahlen alle ein, und alle Gesundheitsleistungen würden komplett von der Kasse übernommen – Zuzahlungen oder Zusatzbeiträge möchte die Linke möglichst eliminieren, indem z. B. auch Steuermittel stärker eingesetzt werden. Finanziell verspricht sich die Linke davon sogar sinkende Beiträge für die meisten, da die Reichen und Konzerne mehr einzahlen würden.
CDU/CSU und FDP hingegen wollen am dualen System festhalten. Die Union betont die Vorteile der bisherigen Ordnung: Ihrer Ansicht nach hat sich das Nebeneinander von GKV und PKV bewährt, auch weil es Wahlfreiheit und Wettbewerb schafft. Anstatt das System umzustürzen, setzt die Union auf Effizienzsteigerung und Wettbewerb innerhalb des bestehenden Systems. Konkret heißt das: Krankenkassen sollen sparsamer wirtschaften, Verwaltungskosten senken und innovative Versorgungsmodelle anbieten, um Versicherte zu überzeugen. Außerdem pocht die Union auf das Prinzip der Selbstverwaltung – Ärzte, Kassen und weitere Akteure regeln vieles gemeinsam, ohne dass der Staat jede Kleinigkeit vorgibt. Dieses Prinzip soll auch bei Reformen erhalten bleiben. Die FDP sieht das ähnlich: Sie lehnt eine „Einheitskasse“ entschieden ab. Aus ihrer Sicht bringt Wettbewerb zwischen verschiedenen Kassen bessere Angebote hervor und ermöglicht den Versicherten, frei zu wählen. Allerdings will die FDP die Wechselmöglichkeiten verbessern – zum Beispiel sollen Versicherte leichter zwischen GKV und PKV wechseln oder ihren Anbieter wechseln können, damit die Kassen sich mehr anstrengen müssen. Auch spricht sich die FDP dafür aus, kostenbewusstes Verhalten der Versicherten zu belohnen (etwa mit Prämien oder geringeren Beiträgen, wenn man Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt oder auf unnötige Leistungen verzichtet). Die AfD hat in dieser Frage keinen radikalen Kurswechsel im Programm stehen – sie erwähnt eine Bürgerversicherung nicht und würde das duale System wohl bestehen lassen. Ihr Fokus liegt eher darauf, Verschwendung und Bürokratie zu bekämpfen, um die Beitragsgelder effizienter einzusetzen. So fordert sie etwa, versicherungsfremde Leistungen (wie familienpolitische Leistungen oder bestimmte Reserven) aus den Beiträgen herauszunehmen und ggf. über Steuern zu finanzieren, damit die Krankenkassen finanziell entlastet werden. Gemeinsam ist allen bürgerlichen Parteien (Union, FDP, auch AfD), dass sie Private Krankenversicherungen behalten wollen – teils aus Überzeugung, teils weil sie vor den Umstellungskosten eines neuen Systems warnen. Die linken Parteien (SPD, Grüne, Linke) entgegnen, die langfristigen Vorteile einer Bürgerversicherung – vor allem mehr Gerechtigkeit und Solidität – würden die Umstellung rechtfertigen.
Patientenrechte und Mitbestimmung
Der Patient im Mittelpunkt: Alle Parteien versprechen, dass die Interessen der Patientinnen und Patienten oberste Priorität haben. Natürlich füllen sie diesen Anspruch mit unterschiedlichem Inhalt. Für die SPD bedeutet es vor allem, gleich gute Behandlung für alle zu gewährleisten – unabhängig von Wohnort oder Geldbeutel. „Die Patientinnen und Patienten stehen im Mittelpunkt unserer Gesundheitspolitik“, betont die SPD, und lehnt jegliche Leistungskürzungen ab. In der Praxis heißt das: Bessere Erreichbarkeit von Ärzten, eine verlässliche Versorgung immer dann, wenn sie benötigt wird, und keine Diskriminierung von Kassenpatienten. Die Union (CDU/CSU) hebt besonders das Recht auf freie Arztwahl hervor – Patienten sollen selbst entscheiden, zu welchem Arzt oder Krankenhaus sie gehen, ohne staatliche Lenkung. Auch die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen sieht die Union als wichtig an, weil dort indirekt auch Patientenvertreter mitwirken können. Gleichzeitig will die Union durch bessere Koordination (Stichwort Hausarzt-Steuerung) erreichen, dass Patienten schneller die richtige Behandlung bekommen – also weniger „Herumirren“ im System. Die FDP betont den Aspekt der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung von Patienten. Dazu zählt zum Beispiel das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende: Die FDP spricht sich dafür aus, dass mündige Patienten im Rahmen strenger Regeln Zugang zu assistierter Sterbehilfe haben können, wenn sie es wünschen. Auch bei Organspenden will die FDP eher auf Freiwilligkeit und Aufklärung setzen, statt – wie diskutiert – eine Widerspruchslösung gesetzlich festzulegen. Patientenrechte bedeuten für die Liberalen zudem Transparenz und Wahlmöglichkeiten: Jeder soll einfach die Kasse wechseln können, Zweitmeinungen einholen dürfen und Zugriff auf alle relevanten Informationen haben, um informierte Entscheidungen zu treffen.
Mitbestimmung und Beteiligung: Bündnis 90/Die Grünen legen Wert darauf, dass Patienten auch in Prävention und Entscheidungsprozessen einbezogen werden. Sie möchten die Gesundheitskompetenz der Bürger stärken – etwa durch bessere Aufklärung über gesunde Lebensweise, aber auch durch Beteiligungsformate. So könnten beispielsweise PatientInnen und Selbsthilfegruppen in kommunalen Gesundheitskonferenzen oder bei Krankenhausplanungen mitreden. Die Grünen sehen informierte, aufgeklärte Patienten als Partner im Gesundheitswesen. Die Linke fordert sogar, das Gesundheitssystem demokratischer zu gestalten: Patienten und Beschäftigte sollten aus ihrer Sicht mehr Mitspracherechte in den Gremien haben, die über Versorgung und Finanzierungen entscheiden. Außerdem setzt Die Linke sich für starke Patientenrechte ein, indem sie z. B. vorschlägt, unabhängige Patientenberatungsstellen auszubauen und Klagerechte bei Behandlungsfehlern zu verbessern. SPD und Grüne planen ebenfalls, die Unabhängige Patientenberatung finanziell abzusichern, damit Patientinnen und Patienten bei Fragen oder Problemen kompetente Hilfe erhalten, ohne auf kommerzielle Anbieter angewiesen zu sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt: die Sicherheit der Patienten. Hierunter fallen z. B. Maßnahmen gegen Behandlungsfehler, Infektionen im Krankenhaus oder Medikationsfehler. Alle demokratischen Parteien wollen Programme fördern, die Patientensicherheit erhöhen – sei es durch Melde- und Lernsysteme für Fehler (CIRS), mehr Personal (denn überlastete Pflegekräfte machen eher Fehler) oder Initiativen wie einen nationalen Patientensicherheitsplan. AfD sieht Patientenrechte vor allem im Kontext staatlicher Eingriffe: Sie lehnt zum Beispiel jegliche Impfpflicht ab und fordert im Nachgang der Corona-Pandemie eine Überprüfung aller Maßnahmen auf ihre Rechtmäßigkeit. Aus AfD-Sicht sollen Bürger in Gesundheitsfragen möglichst selbst entscheiden können, ohne Druck von internationalen Organisationen oder der Regierung – das zeigen ihr Widerstand gegen die WHO-Empfehlungen oder gegen verbindliche Corona-Maßnahmen. Allerdings warnt ADEXA, die Apothekergewerkschaft, im Kontext der Patienteninteressen ausdrücklich davor, extrem rechte Positionen zu unterstützen – ein Hinweis, der übergreifend verdeutlicht, dass Patientenschutz auch den Erhalt eines wissenschaftsbasierten, solidarischen Gesundheitssystems umfasst.
Pflegepersonal und Versorgungsqualität
Lösungen gegen den Pflegenotstand: Eine qualitativ hochwertige Versorgung ist ohne ausreichend Personal nicht möglich. Fast alle Parteien erkennen den Pflegenotstand – also den Mangel an Pflegekräften in Krankenhäusern und Pflegeheimen – als zentrales Problem an und versprechen Gegenmaßnahmen. Die Linke macht hier die ambitioniertesten Ansagen: Sie will 100.000 zusätzliche Pflegekräfte einstellen und verbindliche Personalbemessungsgrenzen (Mindestpersonalschlüssel) gesetzlich vorschreiben. Außerdem fordert sie deutlich höhere Löhne in Pflegeberufen, finanziert aus den Kassen und öffentlichen Mitteln. Die Linke argumentiert, dass nur mit genug Personal die Versorgungsqualität und Sicherheit der Patienten garantiert werden kann – überlastete Pflegekräfte seien ein Risiko für alle. SPD und Grüne möchten ebenfalls mehr Pflegestellen schaffen und den Beruf attraktiver machen. Konkrete Zahlen nennen sie zwar nicht, aber der Pflegeberuf soll durch bessere Bezahlung, verlässliche Arbeitszeiten und erweiterte Kompetenzen attraktiver werden. So plant die SPD, Pflegekräften mehr Verantwortung zu übertragen (etwa bestimmte einfachere medizinische Tätigkeiten selbst durchführen zu dürfen), was den Beruf aufwerten könnte. Die Grünen schlagen vor, Gemeindegesundheitspflege auszubauen – also spezialisierte Pflegekräfte, die in Gemeinden präventiv und beratend tätig sind, um frühzeitig Gesundheitsprobleme zu erkennen und zu begegnen. Beide wollen zudem die Ausbildung in Pflegeberufen fördern und Umschulungen erleichtern.
Arbeitsbedingungen verbessern: CDU/CSU setzen darauf, Pflegeberufe durch bessere Arbeitsbedingungen und gezielte Anwerbung im Ausland zu stärken. Die Union sieht international rekrutierte Fachkräfte als Teil der Lösung, um genügend Personal zu haben – allerdings kombiniert mit Sprachförderung und schneller Anerkennung, damit diese Kräfte auch wirklich ankommen. Gleichzeitig möchte die CDU/CSU Bürokratie in Pflegeheimen abbauen (ähnlich wie FDP und AfD), damit Pflegende mehr Zeit für Menschen haben. FDP betont ebenfalls die Entlastung des Personals: Viele Pflegekräfte verlassen den Beruf wegen Überdokumentation und starrer Vorgaben. Die FDP will daher Doppelprüfungen und unnötige Nachweispflichten streichen. Auch digitale Dokumentation (Stichwort: Pflege-App statt Papierakten) soll gefördert werden, um den Alltag auf Station zu erleichtern. Zudem will die FDP die Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegekräfte drastisch beschleunigen – wer aus dem Ausland kommt und in der Pflege arbeiten will, soll nicht monatelang in Bürokratie festhängen. AfD stimmt zu, dass weniger Verwaltungsaufwand nötig ist, und würde ebenfalls Bürokratie abbauen. Interessant ist: Trotz ihrer ansonsten migrationskritischen Haltung hat die AfD im Gesundheitsbereich hauptsächlich betont, dass Landärzte und Pflegekräfte in ländlichen Regionen gefördert werden müssen. Wie diese Pflegekräfte gewonnen werden sollen, bleibt bei der AfD vage – vermutlich setzt sie eher auf inländische Ausbildung und darauf, dass durch bessere Bedingungen ehemalige Pflegekräfte zurückkehren.
Auswirkungen auf die Versorgungsqualität: Mehr Personal und gute Bedingungen sollen natürlich direkt der Patientinnenversorgung zugutekommen. SPD, Grüne und Linke argumentieren, dass öffentliche Gelder – Beiträge und Steuern – vor allem in die Versorgung fließen müssen, nicht in Gewinne oder Verwaltungsaufblähung. Deshalb fordern sie zum Beispiel, Fallpauschalen (DRG) im Krankenhaus neu zu gestalten oder abzuschaffen (insbesondere die Linke und AfD), weil dieses Bezahlsystem Krankenhäuser unter Druck setzt, Personal einzusparen und lukrative Eingriffe zu priorisieren. Stattdessen soll bedarfsgerecht finanziert werden: Kleine Kliniken mit wichtigen Grundversorgungsabteilungen sollen finanzielle Unterstützung bekommen (Stichwort Vorhaltepauschalen), damit sie nicht schließen müssen. CDU/CSU und FDP stimmen insofern zu, als dass auch sie inzwischen Vorhaltepauschalen für sinnvoll halten – sprich: Krankenhäuser bekommen Geld dafür, dass sie Betten und Personal für Notfälle bereithalten, auch wenn diese gerade nicht voll ausgelastet sind. Dadurch kann man gewährleisten, dass im Notfall oder bei Pandemien genügend Kapazität da ist und ländliche Regionen nicht „ausgedünnt“ werden. Insgesamt erkennen alle etablierten Parteien an, dass Versorgungsqualität* nicht allein durch brillante Spitzenmedizin definiert ist, sondern durch verlässliche, wohnortnahe Angebote und menschliche Zuwendung. Die Rezepte unterscheiden sich lediglich in Nuancen: Mehr Geld ins System pumpen oder vorhandenes Geld effizienter nutzen? Mehr Staat und Gemeinwohlorientierung (SPD/Grüne/Linke) oder mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung (Union/FDP)? Diese Grundhaltungen spiegeln sich in fast allen genannten Bereiche wider – und so auch darin, wie die Parteien die Zukunft von Gesundheit und Pflege gestalten wollen.
Fazit: Für uns Patientinnen und Patienten stehen oft sehr konkrete Fragen im Vordergrund: Bekomme ich schnell einen Arzttermin, wenn es mir schlecht geht? Ist im Notfall das nächste Krankenhaus in Reichweite? Kann ich mir die Pflege meiner Eltern leisten, ohne selbst arm zu werden? – Die Parteien beantworten diese Fragen mit unterschiedlichen Konzepten. Dieser Überblick hat versucht, die wichtigsten Unterschiede in den Bereichen Zugang, Pflegequalität, Digitalisierung, Finanzierung, Patientenrechte und Personal darzustellen. Bei aller Differenz eint die meisten Parteien das Ziel, ein hochwertiges Gesundheitswesen für alle zu erhalten. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, darüber entscheiden letztlich wir Bürgerinnen und Bürger mit unserer Stimme – im vollen Bewusstsein, was auf dem Spiel steht: unsere Gesundheit.
Quellenverzeichnis (Auszüge aus den Wahlprogrammen 2025):
- SPD – “Mehr für Dich. Besser für Deutschland.”, Regierungsprogramm der SPD zur Bundestagswahl 2025 [1][2]
- CDU/CSU – “Politikwechsel für Deutschland”, Wahlprogramm von CDU und CSU zur Bundestagswahl 2025 [3][4]
- Bündnis 90/Die Grünen – “Zusammen wachsen: Unser Regierungsprogramm”, Wahlprogramm der Grünen zur Bundestagswahl 2025 [5][6]
- FDP – “Alles lässt sich ändern”, Wahlprogramm der Freien Demokraten zur Bundestagswahl 2025 [7][8]
- Die Linke – “Alle wollen regieren. Wir wollen verändern. Reichtum teilen. Preise senken. Füreinander.”, Wahlprogramm der Linken zur Bundestagswahl 2025 [9][10]
- AfD – “Zeit für Deutschland”, Programm der Alternative für Deutschland zur Wahl des 21. Deutschen Bundestages 2025 [11][12]
[1] [2] [9] [10] [11] [12] Gesundheitspolitik: Das wollen die Parteien | Apotheken Umschau
[3] [4] [5] [6] [7] [8] Pläne der Parteien für Gesundheit und Pflege | G+G
https://www.aok.de/pp/gg/bundestagswahl-2025/plaene-der-parteien-fuer-gesundheit-und-pflege