Gesundheitspolitik der Parteien – Was planen SPD, Union, Grüne & Co. aus Patientensicht?

Gesund­heit und Pfle­ge gehen uns alle an – ob als Pati­en­tin, als pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger oder ein­fach als Bür­ger mit Inter­es­se an guter Ver­sor­gung. Im Jahr 2025 ste­hen Deutsch­lands Gesund­heits­sys­tem und die Pfle­ge vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen: lan­ge War­te­zei­ten auf Fach­arzt­ter­mi­ne, Ärz­te­man­gel auf dem Land, Fach­kräf­te­man­gel in Kli­ni­ken und Pfle­ge­hei­men, stei­gen­de Kos­ten für Ver­si­cher­te und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge. Die deut­schen Par­tei­en haben unter­schied­li­che Kon­zep­te, um die­se Pro­ble­me anzu­ge­hen. Die­ser Über­blick erläu­tert in bür­ger­na­her, ver­ständ­li­cher Spra­che, wel­che Ideen die wich­tigs­ten Par­tei­en (SPD, CDU/CSU, Bünd­nis 90/Die Grü­nen, FDP, Die Lin­ke und AfD) für Gesund­heit und Pfle­ge vor­schla­gen – aus der Per­spek­ti­ve von uns Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Das Ziel: klar und neu­tral die Unter­schie­de dar­zu­stel­len, damit Sie sich ein eige­nes Bild machen können.

Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern

War­te­zei­ten redu­zie­ren & Land­arzt­man­gel behe­ben: Pati­en­ten ken­nen das Pro­blem: Auf einen Ter­min beim Fach­arzt war­ten gesetz­lich Ver­si­cher­te oft wochen- oder mona­te­lang. Hier set­zen eini­ge Par­tei­en an. Die SPD will War­te­zei­ten spür­bar ver­kür­zen – unter ande­rem mit einer „Ter­min­ga­ran­tie“. Gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen und Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gun­gen sol­len ver­pflich­tet wer­den, allen Ver­si­cher­ten zeit­nah Ter­mi­ne zu ver­mit­teln. Gelingt das nicht, ver­spricht die SPD sogar einen Anspruch der Pati­en­ten auf Erstat­tung bzw. Bei­trags­re­du­zie­rung. Zudem will die SPD die Unter­schie­de zwi­schen Pri­vat- und Kas­sen­pa­ti­en­ten abbau­en. Ihr Kon­zept einer Bür­ger­ver­si­che­rung sieht vor, dass alle Bür­ger – unab­hän­gig vom Ein­kom­men – in einer ein­heit­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung sind. Damit wür­den die heu­ti­gen Pri­vi­le­gi­en, durch die Pri­vat­ver­si­cher­te oft schnel­ler Ter­mi­ne erhal­ten, ent­fal­len. Bünd­nis 90/Die Grü­nen ver­fol­gen ein ähn­li­ches Ziel: Auch sie möch­ten die „Zwei-Klas­sen-Medi­zin“ über­win­den und Pri­vat­ver­si­cher­te in das soli­da­ri­sche Sys­tem ein­be­zie­hen. Kurz­fris­tig for­dern die Grü­nen und die SPD, dass zumin­dest die pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen stär­ker zur Finan­zie­rung des Sys­tems bei­tra­gen und sich am gemein­sa­men Aus­gleichs­sys­tem der Kas­sen betei­li­gen. Die Lin­ke geht noch wei­ter und will pri­va­te Kran­ken­kas­sen ganz abschaf­fen. Aus ihrer Sicht ist der gleich­be­rech­tig­te Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung ein Men­schen­recht – War­te­zei­ten und Zugangs­un­ter­schie­de nach Ver­si­che­rungs­sta­tus sol­len voll­stän­dig ver­schwin­den. Auch eine Pflicht, dass alle – inklu­si­ve Gut­ver­die­nen­de und Kapi­tal­erträ­ge – in eine ein­heit­li­che Gesund­heits­ver­si­che­rung ein­zah­len, gehört zum lin­ken Konzept.

Haus­ärz­te stär­ken & Ver­sor­gung auf dem Land: Gera­de in länd­li­chen Regio­nen gibt es oft zu weni­ge Haus­ärz­te und Fach­ärz­te. CDU und CSU (die Uni­on) set­zen hier auf bewähr­te Rezep­te: Sie möch­ten die Land­arzt­quo­te wei­ter­füh­ren, bei der ein Teil der Medi­zin­stu­di­en­plät­ze an Bewer­ber ver­ge­ben wird, die sich ver­pflich­ten, spä­ter als Ärz­tin oder Arzt in unter­ver­sorg­ten Gegen­den zu arbei­ten. Zusätz­lich will die Uni­on mehr Anrei­ze für Ärz­te schaf­fen, sich auf dem Land nie­der­zu­las­sen – etwa durch För­der­pro­gram­me schon wäh­rend des Stu­di­ums. Auch FDP und Grü­ne beto­nen die Rol­le der Haus­ärz­te für eine wohn­ort­na­he Ver­sor­gung. Bei­de wol­len ein Pri­mär­arzt­sys­tem stär­ken, bei dem Haus- und Kin­der­ärz­te als ers­te Anlauf­stel­le fun­gie­ren und Pati­en­ten durch das Sys­tem lot­sen. Die FDP schlägt sogar vor, ein sol­ches Haus­arzt­sys­tem als Stan­dard ein­zu­füh­ren: Wer immer zuerst zum Haus­arzt geht, soll Vor­tei­le haben, wäh­rend wer direkt zum Fach­arzt will, gege­be­nen­falls einen Zusatz­bei­trag zah­len müss­te. Ziel ist es, Dop­pel­un­ter­su­chun­gen zu ver­mei­den und War­te­zei­ten zu ver­kür­zen. Die Grü­nen wol­len dar­über hin­aus regio­na­le Gesund­heits­zen­tren för­dern – in sol­chen Ver­sor­gungs­zen­tren arbei­ten Haus­ärz­te, Fach­ärz­te, Pfle­ge­kräf­te und The­ra­peu­ten unter einem Dach zusam­men. Das soll gera­de auf dem Land den Zugang zu medi­zi­ni­scher Hil­fe erleich­tern. SPD und Lin­ke unter­stüt­zen eben­falls die Idee kom­mu­na­ler medi­zi­ni­scher Ver­sor­gungs­zen­tren, ins­be­son­de­re in struk­tur­schwa­chen Regio­nen. Tele­me­di­zi­ni­sche Ange­bo­te – vom Online-Sprech­stun­de bis zur Fern­über­wa­chung chro­nisch Kran­ker – sol­len laut die­sen Par­tei­en flä­chen­de­ckend aus­ge­baut wer­den, um Distan­zen zu überbrücken.

Unter­schied­li­che Wege zur Ter­min­ver­ga­be: Wäh­rend SPD und Lin­ke mög­lichst glei­chen Zugang für alle schaf­fen wol­len (etwa durch Ter­min­ser­vice­stel­len und Bür­ger­ver­si­che­rung), set­zen CDU/CSU und FDP eher auf bes­se­re Steue­rung der Pati­en­ten­strö­me. Die Uni­on möch­te Haus- und Kin­der­ärz­te stär­ker als „Lot­se“ ein­set­zen, damit Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten schnel­ler an die rich­ti­ge Stel­le gelan­gen. So erhofft man sich, War­te­zei­ten auf Fach­ärz­te zu redu­zie­ren, ohne das Ver­si­che­rungs­sys­tem grund­le­gend umzu­bau­en. Außer­dem plant die Uni­on, das ambu­lan­te Ange­bot in unter­ver­sorg­ten Gebie­ten aus­zu­bau­en und mit den Kran­ken­häu­sern zu ver­zah­nen – sodass etwa Fach­ärz­te aus Kli­ni­ken regel­mä­ßig Sprech­stun­den im Umland anbie­ten. Die AfD betont eben­falls die länd­li­che Ver­sor­gung: Sie will büro­kra­ti­sche Hür­den abbau­en und geziel­te finan­zi­el­le Anrei­ze schaf­fen, damit Ärz­te sich ver­stärkt auf dem Land nie­der­las­sen. Ins­ge­samt ver­spre­chen alle Par­tei­en, dass nie­mand aus geo­gra­fi­schen Grün­den schlech­ter ver­sorgt sein soll – die Ansät­ze rei­chen von klas­si­schen För­der­instru­men­ten (Land­arzt­quo­te, Zuschüs­se) bis zu moder­nen Lösun­gen wie Tele­me­di­zin und mobi­len Gesund­heits­an­ge­bo­ten (“Ärz­te auf Rädern”, wie die Grü­nen es nennen).

Qualität und Sicherheit in der Pflege

Pfle­ge darf kein Risi­ko sein – in kei­ner Hin­sicht: Men­schen, die gepflegt wer­den müs­sen – sei es im Alter, bei Krank­heit oder Behin­de­rung – sol­len sich auf siche­re, gute Pfle­ge ver­las­sen kön­nen. Hier­un­ter fällt sowohl die Qua­li­tät der pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gung als auch die finan­zi­el­le Sicher­heit für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Ange­hö­ri­ge. SPD, Grü­ne und Uni­on beto­nen uni­so­no: Pfle­ge darf nicht zum Armuts­ri­si­ko wer­den. Kon­kret möch­te die SPD ein soli­da­ri­sches Pfle­ge­sys­tem, das nie­man­den über­for­dert. Sie plant, die pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­run­gen (bis­her sepa­rat für Beam­te und Gut­ver­die­ner) in den gemein­sa­men Aus­gleich ein­zu­be­zie­hen – also ana­log zur Bür­ger­ver­si­che­rung im Gesund­heits­be­reich auch eine Art „Pfle­ge-Bür­ger­ver­si­che­rung“. Die Grü­nen unter­stüt­zen die­sen Weg und wol­len Schritt für Schritt gesetz­lich und pri­vat Ver­si­cher­te auch in der Pfle­ge gleich­stel­len. Bei­de möch­ten zudem ver­hin­dern, dass die Eigen­an­tei­le in der sta­tio­nä­ren Pfle­ge wei­ter stei­gen: Die SPD schlägt vor, den Eigen­an­teil für ein Pfle­ge­heim­platz auf maxi­mal 1.000 Euro im Monat zu begren­zen. Auch zu Hau­se Pfle­gen­de sol­len ent­las­tet wer­den – etwa durch ein Pfle­ge­bud­get oder ver­bes­ser­te Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung. Die Uni­on (CDU/CSU) lehnt eine voll­stän­di­ge Ver­ein­heit­li­chung zwar ab, betont aber eben­falls die Ver­ant­wor­tung des Staa­tes, Pfle­ge bezahl­bar zu hal­ten. Ihr Ansatz für nach­hal­ti­ge Finan­zie­rung ist ein Mix aus gesetz­li­cher Ver­si­che­rung, betrieb­li­cher Mit­fi­nan­zie­rung, Steu­er­mit­teln und pri­va­ter Vor­sor­ge. So könn­ten z. B. frei­wil­li­ge Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­run­gen geför­dert wer­den, um Lücken zu schlie­ßen. Wich­tig ist der Uni­on, dass Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Ange­hö­ri­ge nicht allein gelas­sen wer­den: Häus­li­che Pfle­ge steht für sie im Mit­tel­punkt, und sie möch­te ein fle­xi­bles Pfle­ge­bud­get ein­füh­ren, mit dem Fami­li­en je nach Bedarf Leis­tun­gen ein­kau­fen kön­nen (z. B. für Tages­pfle­ge, Kurz­zeit­pfle­ge oder Haushaltshilfen).

Schutz und Qua­li­tät in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen: Alle Par­tei­en wol­len die Qua­li­tät in Pfle­ge­hei­men und durch Pfle­ge­diens­te hoch­hal­ten – die Wege unter­schei­den sich. CDU/CSU schlägt vor, die Kon­troll­in­stan­zen zu opti­mie­ren: So kön­ne man prü­fen, ob der Medi­zi­ni­sche Dienst der Kas­sen und die Heim­auf­sichts­be­hör­den bes­ser zusam­men­ar­bei­ten oder sogar zusam­men­ge­legt wer­den, um effi­zi­en­ter zu über­wa­chen, dass Pfle­ge­stan­dards ein­ge­hal­ten wer­den. FDP und AfD hin­ge­gen mah­nen, man dür­fe Ein­rich­tun­gen nicht mit Büro­kra­tie über­frach­ten – dop­pel­te Prü­fun­gen ohne Mehr­wert und über­bor­den­de Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten wol­len sie abbau­en. Die FDP glaubt, dass weni­ger Büro­kra­tie den Pfle­ge­kräf­ten mehr Zeit für die eigent­li­che Pfle­ge lässt, was letzt­lich die Qua­li­tät hebt. Die Lin­ke legt den Fokus vor allem dar­auf, Pro­fit­den­ken aus der Pfle­ge her­aus­zu­hal­ten: Pfle­ge­hei­me und ‑diens­te sol­len sich am Bedarf ori­en­tie­ren statt an Gewin­nen. Pri­va­te Gewin­ne in die­sem Sek­tor sieht sie kri­tisch, da die­se oft auf Kos­ten der Ver­sor­gungs­qua­li­tät gin­gen. Des­halb for­dert die Lin­ke, dass kei­ne wei­te­ren Pri­va­ti­sie­run­gen von Kli­ni­ken und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen erfol­gen – ein Punkt, in dem übri­gens auch die AfD zustimmt, die sich eben­falls gegen wei­te­re Pri­va­ti­sie­run­gen von Kran­ken­häu­sern aus­spricht. In lin­ken Kon­zep­ten wür­den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen stär­ker öffent­lich und gemein­nüt­zig finan­ziert, und Schlie­ßun­gen – ins­be­son­de­re im länd­li­chen Raum – ver­hin­dert. Ins­ge­samt soll jeder Mensch in Deutsch­land sicher sein kön­nen, im Pfle­ge­fall gut und men­schen­wür­dig ver­sorgt zu wer­den, ohne in finan­zi­el­le Not zu geraten.

Digitalisierung des Gesundheitswesens

Tele­me­di­zin und ePA für moder­ne Ver­sor­gung: Die Digi­ta­li­sie­rung soll Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten das Leben leich­ter machen – dar­in sind sich eigent­lich alle Par­tei­en einig. Unter­schie­de bestehen eher in Tem­po und Detail. SPD und Grü­ne möch­ten die elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­ak­te (ePA) so schnell wie mög­lich für alle ein­füh­ren. Die SPD hat das Ziel for­mu­liert, die ePA flä­chen­de­ckend nutz­bar zu machen und per­spek­ti­visch zu einem per­sön­li­chen Gesund­heits­be­ra­ter wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Das heißt, die digi­ta­le Akte soll nicht nur Daten spei­chern, son­dern den Ver­si­cher­ten auch Hin­wei­se geben kön­nen, wie sie ihre Gesund­heit för­dern kön­nen (etwa Erin­ne­run­gen an Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen oder indi­vi­du­el­le Prä­ven­ti­ons­tipps). CDU/CSU begrü­ßen die Ein­füh­rung der ePA eben­falls aus­drück­lich – aus ihrer Sicht steckt gro­ßes Poten­zi­al in digi­ta­len Gesund­heits­an­wen­dun­gen (Apps auf Rezept, Tele­mo­ni­to­ring usw.) und sogar im Ein­satz von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI) in Dia­gno­se und The­ra­pie. Die Uni­on legt Wert dar­auf, dass Pati­en­ten­da­ten sicher genutzt wer­den: Sie schlägt z. B. vor, dass frei­wil­li­ge Daten­spen­den aus der ePA für For­schungs­zwe­cke erleich­tert wer­den – sprich: Wenn ein Pati­ent zustimmt, sol­len sei­ne anony­mi­sier­ten Gesund­heits­da­ten zur For­schung (etwa kli­ni­schen Stu­di­en) bei­tra­gen dür­fen. Bünd­nis 90/Die Grü­nen unter­stüt­zen die Digi­ta­li­sie­rung grund­sätz­lich, wol­len aber den Daten­schutz gewahrt sehen. Sie for­dern, dass digi­ta­le Lösun­gen den Men­schen die­nen und nicht in ers­ter Linie den Kon­zer­nen – etwa indem öffent­li­che Gesund­heits-IT und Open-Source-Lösun­gen geför­dert wer­den. Außer­dem beto­nen die Grü­nen die Teil­ha­be aller: Auch Älte­re und Men­schen ohne Smart­phone müs­sen vom digi­ta­len Fort­schritt pro­fi­tie­ren kön­nen, z. B. durch Tele­me­di­zin via wohn­ort­na­he Anlaufstellen.

Unter­schied­li­che Akzen­te: Die FDP gilt als tech­no­lo­gie-freund­li­che Par­tei: Sie möch­te digi­ta­le Inno­va­tio­nen im Gesund­heits­we­sen vehe­ment vor­an­trei­ben. Tele­me­di­zin, Gesund­heits-Apps, trag­ba­re Weara­bles – all das soll laut FDP offen­siv genutzt wer­den, gera­de auch für Prä­ven­ti­on. Ein Vor­schlag der FDP: Ver­si­cher­te könn­ten finan­zi­el­le Vor­tei­le (z. B. einen redu­zier­ten Zusatz­bei­trag) erhal­ten, wenn sie an digi­ta­len Prä­ven­ti­ons­pro­gram­men teil­neh­men oder Gesund­heits-Apps nut­zen, die nach­weis­lich ihre Gesund­heit för­dern. Gleich­zei­tig will die FDP den Zugang zu inno­va­ti­ven Medi­ka­men­ten beschleu­ni­gen – digi­ta­le Ver­net­zung der Behör­den und ver­ein­fach­te Zulas­sungs­ver­fah­ren sol­len dazu bei­tra­gen, dass neue The­ra­pien schnel­ler bei den Pati­en­ten ankom­men. Die Lin­ke sieht Digi­ta­li­sie­rung eher sach­lich-nüch­tern: Sie erkennt den Nut­zen von Tele­me­di­zin vor allem dort, wo Ärz­te feh­len (also als Ergän­zung zur Ver­sor­gung vor Ort), mahnt jedoch, dass Tech­nik nicht zu Las­ten der Mensch­lich­keit gehen dür­fe. Pfle­ge­be­dürf­ti­ge bräuch­ten vor allem mensch­li­che Zuwen­dung – digi­ta­le Tech­nik kön­ne unter­stüt­zen, aber kein Per­so­nal erset­zen. Wich­tig ist der Lin­ken zudem, dass digi­ta­le Gesund­heits­da­ten nicht kom­mer­zi­ell aus­ge­schlach­tet wer­den: Weder Big Tech noch Ver­si­che­run­gen sol­len Daten miss­brau­chen dür­fen, und die Pati­en­ten müs­sen letzt­lich die Kon­trol­le über ihre Gesund­heits­da­ten behal­ten. Die AfD wie­der­um tritt beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens etwas auf die Brem­se: Sie lehnt bei­spiels­wei­se die der­zeit geplan­te Ein­füh­rung des E‑Rezepts über die Tele­ma­tik-Infra­struk­tur ab, da sie hier­in eine unnö­ti­ge Zen­tra­li­sie­rung sieht. Gene­rell steht die AfD digi­ta­len Lösun­gen skep­ti­scher gegen­über, vor allem wenn sie mit staat­li­chen oder inter­na­tio­na­len Vor­ga­ben ein­her­ge­hen. Den­noch spricht sich auch die AfD für effi­zi­en­te­re Pro­zes­se durch Digi­ta­li­sie­rung im Ver­wal­tungs­be­reich aus – etwa, um Büro­kra­tie im Gesund­heits­we­sen abzu­bau­en. Ins­ge­samt gilt: Von der Video­sprech­stun­de bis zur elek­tro­ni­schen Akte – die meis­ten Par­tei­en wol­len die­se Ange­bo­te aus­bau­en, unter­schei­den sich aber bei der Fra­ge, wie frei­wil­lig oder ver­pflich­tend die Nut­zung sein soll­te und wie man Daten­schutz gegen Nut­zen abwägt.

Finanzierung: Bürgerversicherung oder duales System?

Gesetz­li­che und pri­va­te Kran­ken­kas­sen – zusam­men­füh­ren oder getrennt behal­ten? Seit Jah­ren wird dis­ku­tiert, wie gerecht und nach­hal­tig unser Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tem ist. Aktu­ell gibt es die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) für die Mehr­heit und die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) für Beam­te, Selbst­stän­di­ge und Gut­ver­die­ner – mit unter­schied­li­chen Bei­trags- und Leis­tungs­mo­del­len. SPD, Grü­ne und Lin­ke sehen hier­in ein Gerech­tig­keits­pro­blem und wol­len lang­fris­tig eine Bür­ger­ver­si­che­rung ein­füh­ren. In die­sem ein­heit­li­chen Sys­tem wür­den alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ent­spre­chend ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit ein­zah­len und hät­ten Anspruch auf die glei­chen Leis­tun­gen. Die SPD argu­men­tiert, so kön­ne man die Finan­zie­rung brei­ter und gerech­ter auf­stel­len – höhe­re Ein­kom­men und auch Ein­nah­men aus Kapi­tal wür­den stär­ker bei­tra­gen. Außer­dem wür­de das Kas­sen-Sys­tem ver­ein­facht und der Wett­be­werb um „gute Risi­ken“ (gesun­de, jun­ge Ver­si­cher­te) ein­ge­dämmt. Bünd­nis 90/Die Grü­nen schlie­ßen sich dem an: Sie for­dern eben­falls, pri­va­te Voll­ver­si­che­run­gen per­spek­ti­visch abzu­schaf­fen. Als Über­gangs­schritt wol­len sie zumin­dest errei­chen, dass Pri­vat­ver­si­cher­te sich soli­da­risch am Finanz­aus­gleich im Gesund­heits­sys­tem betei­li­gen. Die Lin­ke geht am wei­tes­ten: In ihrem Modell einer soli­da­ri­schen Gesund­heits- und Pfle­ge­voll­ver­si­che­rung zah­len alle ein, und alle Gesund­heits­leis­tun­gen wür­den kom­plett von der Kas­se über­nom­men – Zuzah­lun­gen oder Zusatz­bei­trä­ge möch­te die Lin­ke mög­lichst eli­mi­nie­ren, indem z. B. auch Steu­er­mit­tel stär­ker ein­ge­setzt wer­den. Finan­zi­ell ver­spricht sich die Lin­ke davon sogar sin­ken­de Bei­trä­ge für die meis­ten, da die Rei­chen und Kon­zer­ne mehr ein­zah­len würden.

CDU/CSU und FDP hin­ge­gen wol­len am dua­len Sys­tem fest­hal­ten. Die Uni­on betont die Vor­tei­le der bis­he­ri­gen Ord­nung: Ihrer Ansicht nach hat sich das Neben­ein­an­der von GKV und PKV bewährt, auch weil es Wahl­frei­heit und Wett­be­werb schafft. Anstatt das Sys­tem umzu­stür­zen, setzt die Uni­on auf Effi­zi­enz­stei­ge­rung und Wett­be­werb inner­halb des bestehen­den Sys­tems. Kon­kret heißt das: Kran­ken­kas­sen sol­len spar­sa­mer wirt­schaf­ten, Ver­wal­tungs­kos­ten sen­ken und inno­va­ti­ve Ver­sor­gungs­mo­del­le anbie­ten, um Ver­si­cher­te zu über­zeu­gen. Außer­dem pocht die Uni­on auf das Prin­zip der Selbst­ver­wal­tung – Ärz­te, Kas­sen und wei­te­re Akteu­re regeln vie­les gemein­sam, ohne dass der Staat jede Klei­nig­keit vor­gibt. Die­ses Prin­zip soll auch bei Refor­men erhal­ten blei­ben. Die FDP sieht das ähn­lich: Sie lehnt eine „Ein­heits­kas­se“ ent­schie­den ab. Aus ihrer Sicht bringt Wett­be­werb zwi­schen ver­schie­de­nen Kas­sen bes­se­re Ange­bo­te her­vor und ermög­licht den Ver­si­cher­ten, frei zu wäh­len. Aller­dings will die FDP die Wech­sel­mög­lich­kei­ten ver­bes­sern – zum Bei­spiel sol­len Ver­si­cher­te leich­ter zwi­schen GKV und PKV wech­seln oder ihren Anbie­ter wech­seln kön­nen, damit die Kas­sen sich mehr anstren­gen müs­sen. Auch spricht sich die FDP dafür aus, kos­ten­be­wuss­tes Ver­hal­ten der Ver­si­cher­ten zu beloh­nen (etwa mit Prä­mi­en oder gerin­ge­ren Bei­trä­gen, wenn man Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen wahr­nimmt oder auf unnö­ti­ge Leis­tun­gen ver­zich­tet). Die AfD hat in die­ser Fra­ge kei­nen radi­ka­len Kurs­wech­sel im Pro­gramm ste­hen – sie erwähnt eine Bür­ger­ver­si­che­rung nicht und wür­de das dua­le Sys­tem wohl bestehen las­sen. Ihr Fokus liegt eher dar­auf, Ver­schwen­dung und Büro­kra­tie zu bekämp­fen, um die Bei­trags­gel­der effi­zi­en­ter ein­zu­set­zen. So for­dert sie etwa, ver­si­che­rungs­frem­de Leis­tun­gen (wie fami­li­en­po­li­ti­sche Leis­tun­gen oder bestimm­te Reser­ven) aus den Bei­trä­gen her­aus­zu­neh­men und ggf. über Steu­ern zu finan­zie­ren, damit die Kran­ken­kas­sen finan­zi­ell ent­las­tet wer­den. Gemein­sam ist allen bür­ger­li­chen Par­tei­en (Uni­on, FDP, auch AfD), dass sie Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen behal­ten wol­len – teils aus Über­zeu­gung, teils weil sie vor den Umstel­lungs­kos­ten eines neu­en Sys­tems war­nen. Die lin­ken Par­tei­en (SPD, Grü­ne, Lin­ke) ent­geg­nen, die lang­fris­ti­gen Vor­tei­le einer Bür­ger­ver­si­che­rung – vor allem mehr Gerech­tig­keit und Soli­di­tät – wür­den die Umstel­lung rechtfertigen.

Patientenrechte und Mitbestimmung

Der Pati­ent im Mit­tel­punkt: Alle Par­tei­en ver­spre­chen, dass die Inter­es­sen der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten obers­te Prio­ri­tät haben. Natür­lich fül­len sie die­sen Anspruch mit unter­schied­li­chem Inhalt. Für die SPD bedeu­tet es vor allem, gleich gute Behand­lung für alle zu gewähr­leis­ten – unab­hän­gig von Wohn­ort oder Geld­beu­tel. „Die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ste­hen im Mit­tel­punkt unse­rer Gesund­heits­po­li­tik“, betont die SPD, und lehnt jeg­li­che Leis­tungs­kür­zun­gen ab. In der Pra­xis heißt das: Bes­se­re Erreich­bar­keit von Ärz­ten, eine ver­läss­li­che Ver­sor­gung immer dann, wenn sie benö­tigt wird, und kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Kas­sen­pa­ti­en­ten. Die Uni­on (CDU/CSU) hebt beson­ders das Recht auf freie Arzt­wahl her­vor – Pati­en­ten sol­len selbst ent­schei­den, zu wel­chem Arzt oder Kran­ken­haus sie gehen, ohne staat­li­che Len­kung. Auch die Selbst­ver­wal­tung im Gesund­heits­we­sen sieht die Uni­on als wich­tig an, weil dort indi­rekt auch Pati­en­ten­ver­tre­ter mit­wir­ken kön­nen. Gleich­zei­tig will die Uni­on durch bes­se­re Koor­di­na­ti­on (Stich­wort Haus­arzt-Steue­rung) errei­chen, dass Pati­en­ten schnel­ler die rich­ti­ge Behand­lung bekom­men – also weni­ger „Her­um­ir­ren“ im Sys­tem. Die FDP betont den Aspekt der per­sön­li­chen Frei­heit und Selbst­be­stim­mung von Pati­en­ten. Dazu zählt zum Bei­spiel das Recht auf ein selbst­be­stimm­tes Lebens­en­de: Die FDP spricht sich dafür aus, dass mün­di­ge Pati­en­ten im Rah­men stren­ger Regeln Zugang zu assis­tier­ter Ster­be­hil­fe haben kön­nen, wenn sie es wün­schen. Auch bei Organ­spen­den will die FDP eher auf Frei­wil­lig­keit und Auf­klä­rung set­zen, statt – wie dis­ku­tiert – eine Wider­spruchs­lö­sung gesetz­lich fest­zu­le­gen. Pati­en­ten­rech­te bedeu­ten für die Libe­ra­len zudem Trans­pa­renz und Wahl­mög­lich­kei­ten: Jeder soll ein­fach die Kas­se wech­seln kön­nen, Zweit­mei­nun­gen ein­ho­len dür­fen und Zugriff auf alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen haben, um infor­mier­te Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Mit­be­stim­mung und Betei­li­gung: Bünd­nis 90/Die Grü­nen legen Wert dar­auf, dass Pati­en­ten auch in Prä­ven­ti­on und Ent­schei­dungs­pro­zes­sen ein­be­zo­gen wer­den. Sie möch­ten die Gesund­heits­kom­pe­tenz der Bür­ger stär­ken – etwa durch bes­se­re Auf­klä­rung über gesun­de Lebens­wei­se, aber auch durch Betei­li­gungs­for­ma­te. So könn­ten bei­spiels­wei­se Pati­en­tIn­nen und Selbst­hil­fe­grup­pen in kom­mu­na­len Gesund­heits­kon­fe­ren­zen oder bei Kran­ken­haus­pla­nun­gen mit­re­den. Die Grü­nen sehen infor­mier­te, auf­ge­klär­te Pati­en­ten als Part­ner im Gesund­heits­we­sen. Die Lin­ke for­dert sogar, das Gesund­heits­sys­tem demo­kra­ti­scher zu gestal­ten: Pati­en­ten und Beschäf­tig­te soll­ten aus ihrer Sicht mehr Mit­spra­che­rech­te in den Gre­mi­en haben, die über Ver­sor­gung und Finan­zie­run­gen ent­schei­den. Außer­dem setzt Die Lin­ke sich für star­ke Pati­en­ten­rech­te ein, indem sie z. B. vor­schlägt, unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tungs­stel­len aus­zu­bau­en und Kla­ge­rech­te bei Behand­lungs­feh­lern zu ver­bes­sern. SPD und Grü­ne pla­nen eben­falls, die Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung finan­zi­ell abzu­si­chern, damit Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten bei Fra­gen oder Pro­ble­men kom­pe­ten­te Hil­fe erhal­ten, ohne auf kom­mer­zi­el­le Anbie­ter ange­wie­sen zu sein. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt: die Sicher­heit der Pati­en­ten. Hier­un­ter fal­len z. B. Maß­nah­men gegen Behand­lungs­feh­ler, Infek­tio­nen im Kran­ken­haus oder Medi­ka­ti­ons­feh­ler. Alle demo­kra­ti­schen Par­tei­en wol­len Pro­gram­me för­dern, die Pati­en­ten­si­cher­heit erhö­hen – sei es durch Mel­de- und Lern­sys­te­me für Feh­ler (CIRS), mehr Per­so­nal (denn über­las­te­te Pfle­ge­kräf­te machen eher Feh­ler) oder Initia­ti­ven wie einen natio­na­len Pati­en­ten­si­cher­heits­plan. AfD sieht Pati­en­ten­rech­te vor allem im Kon­text staat­li­cher Ein­grif­fe: Sie lehnt zum Bei­spiel jeg­li­che Impf­pflicht ab und for­dert im Nach­gang der Coro­na-Pan­de­mie eine Über­prü­fung aller Maß­nah­men auf ihre Recht­mä­ßig­keit. Aus AfD-Sicht sol­len Bür­ger in Gesund­heits­fra­gen mög­lichst selbst ent­schei­den kön­nen, ohne Druck von inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen oder der Regie­rung – das zei­gen ihr Wider­stand gegen die WHO-Emp­feh­lun­gen oder gegen ver­bind­li­che Coro­na-Maß­nah­men. Aller­dings warnt ADEXA, die Apo­the­ker­ge­werk­schaft, im Kon­text der Pati­en­ten­in­ter­es­sen aus­drück­lich davor, extrem rech­te Posi­tio­nen zu unter­stüt­zen – ein Hin­weis, der über­grei­fend ver­deut­licht, dass Pati­en­ten­schutz auch den Erhalt eines wis­sen­schafts­ba­sier­ten, soli­da­ri­schen Gesund­heits­sys­tems umfasst.

Pflegepersonal und Versorgungsqualität

Lösun­gen gegen den Pfle­ge­not­stand: Eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung ist ohne aus­rei­chend Per­so­nal nicht mög­lich. Fast alle Par­tei­en erken­nen den Pfle­ge­not­stand – also den Man­gel an Pfle­ge­kräf­ten in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men – als zen­tra­les Pro­blem an und ver­spre­chen Gegen­maß­nah­men. Die Lin­ke macht hier die ambi­tio­nier­tes­ten Ansa­gen: Sie will 100.000 zusätz­li­che Pfle­ge­kräf­te ein­stel­len und ver­bind­li­che Per­so­nal­be­mes­sungs­gren­zen (Min­dest­per­so­nal­schlüs­sel) gesetz­lich vor­schrei­ben. Außer­dem for­dert sie deut­lich höhe­re Löh­ne in Pfle­ge­be­ru­fen, finan­ziert aus den Kas­sen und öffent­li­chen Mit­teln. Die Lin­ke argu­men­tiert, dass nur mit genug Per­so­nal die Ver­sor­gungs­qua­li­tät und Sicher­heit der Pati­en­ten garan­tiert wer­den kann – über­las­te­te Pfle­ge­kräf­te sei­en ein Risi­ko für alle. SPD und Grü­ne möch­ten eben­falls mehr Pfle­ge­stel­len schaf­fen und den Beruf attrak­ti­ver machen. Kon­kre­te Zah­len nen­nen sie zwar nicht, aber der Pfle­ge­be­ruf soll durch bes­se­re Bezah­lung, ver­läss­li­che Arbeits­zei­ten und erwei­ter­te Kom­pe­ten­zen attrak­ti­ver wer­den. So plant die SPD, Pfle­ge­kräf­ten mehr Ver­ant­wor­tung zu über­tra­gen (etwa bestimm­te ein­fa­che­re medi­zi­ni­sche Tätig­kei­ten selbst durch­füh­ren zu dür­fen), was den Beruf auf­wer­ten könn­te. Die Grü­nen schla­gen vor, Gemein­de­ge­sund­heits­pfle­ge aus­zu­bau­en – also spe­zia­li­sier­te Pfle­ge­kräf­te, die in Gemein­den prä­ven­tiv und bera­tend tätig sind, um früh­zei­tig Gesund­heits­pro­ble­me zu erken­nen und zu begeg­nen. Bei­de wol­len zudem die Aus­bil­dung in Pfle­ge­be­ru­fen för­dern und Umschu­lun­gen erleichtern.

Arbeits­be­din­gun­gen ver­bes­sern: CDU/CSU set­zen dar­auf, Pfle­ge­be­ru­fe durch bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und geziel­te Anwer­bung im Aus­land zu stär­ken. Die Uni­on sieht inter­na­tio­nal rekru­tier­te Fach­kräf­te als Teil der Lösung, um genü­gend Per­so­nal zu haben – aller­dings kom­bi­niert mit Sprach­för­de­rung und schnel­ler Aner­ken­nung, damit die­se Kräf­te auch wirk­lich ankom­men. Gleich­zei­tig möch­te die CDU/CSU Büro­kra­tie in Pfle­ge­hei­men abbau­en (ähn­lich wie FDP und AfD), damit Pfle­gen­de mehr Zeit für Men­schen haben. FDP betont eben­falls die Ent­las­tung des Per­so­nals: Vie­le Pfle­ge­kräf­te ver­las­sen den Beruf wegen Über­do­ku­men­ta­ti­on und star­rer Vor­ga­ben. Die FDP will daher Dop­pel­prü­fun­gen und unnö­ti­ge Nach­weis­pflich­ten strei­chen. Auch digi­ta­le Doku­men­ta­ti­on (Stich­wort: Pfle­ge-App statt Papier­ak­ten) soll geför­dert wer­den, um den All­tag auf Sta­ti­on zu erleich­tern. Zudem will die FDP die Aner­ken­nungs­ver­fah­ren für aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te dras­tisch beschleu­ni­gen – wer aus dem Aus­land kommt und in der Pfle­ge arbei­ten will, soll nicht mona­te­lang in Büro­kra­tie fest­hän­gen. AfD stimmt zu, dass weni­ger Ver­wal­tungs­auf­wand nötig ist, und wür­de eben­falls Büro­kra­tie abbau­en. Inter­es­sant ist: Trotz ihrer ansons­ten migra­ti­ons­kri­ti­schen Hal­tung hat die AfD im Gesund­heits­be­reich haupt­säch­lich betont, dass Land­ärz­te und Pfle­ge­kräf­te in länd­li­chen Regio­nen geför­dert wer­den müs­sen. Wie die­se Pfle­ge­kräf­te gewon­nen wer­den sol­len, bleibt bei der AfD vage – ver­mut­lich setzt sie eher auf inlän­di­sche Aus­bil­dung und dar­auf, dass durch bes­se­re Bedin­gun­gen ehe­ma­li­ge Pfle­ge­kräf­te zurückkehren.

Aus­wir­kun­gen auf die Ver­sor­gungs­qua­li­tät: Mehr Per­so­nal und gute Bedin­gun­gen sol­len natür­lich direkt der Pati­entinnen­ver­sor­gung zugu­te­kom­men. SPD, Grü­ne und Lin­ke argu­men­tie­ren, dass öffent­li­che Gel­der – Bei­trä­ge und Steu­ern – vor allem in die Ver­sor­gung flie­ßen müs­sen, nicht in Gewin­ne oder Ver­wal­tungs­auf­blä­hung. Des­halb for­dern sie zum Bei­spiel, Fall­pau­scha­len (DRG) im Kran­ken­haus neu zu gestal­ten oder abzu­schaf­fen (ins­be­son­de­re die Lin­ke und AfD), weil die­ses Bezahl­sys­tem Kran­ken­häu­ser unter Druck setzt, Per­so­nal ein­zu­spa­ren und lukra­ti­ve Ein­grif­fe zu prio­ri­sie­ren. Statt­des­sen soll bedarfs­ge­recht finan­ziert wer­den: Klei­ne Kli­ni­ken mit wich­ti­gen Grund­ver­sor­gungs­ab­tei­lun­gen sol­len finan­zi­el­le Unter­stüt­zung bekom­men (Stich­wort Vor­hal­te­pau­scha­len), damit sie nicht schlie­ßen müs­sen. CDU/CSU und FDP stim­men inso­fern zu, als dass auch sie inzwi­schen Vor­hal­te­pau­scha­len für sinn­voll hal­ten – sprich: Kran­ken­häu­ser bekom­men Geld dafür, dass sie Bet­ten und Per­so­nal für Not­fäl­le bereit­hal­ten, auch wenn die­se gera­de nicht voll aus­ge­las­tet sind. Dadurch kann man gewähr­leis­ten, dass im Not­fall oder bei Pan­de­mien genü­gend Kapa­zi­tät da ist und länd­li­che Regio­nen nicht „aus­ge­dünnt“ wer­den. Ins­ge­samt erken­nen alle eta­blier­ten Par­tei­en an, dass Ver­sor­gungs­qua­li­tät* nicht allein durch bril­lan­te Spit­zen­me­di­zin defi­niert ist, son­dern durch ver­läss­li­che, wohn­ort­na­he Ange­bo­te und mensch­li­che Zuwen­dung. Die Rezep­te unter­schei­den sich ledig­lich in Nuan­cen: Mehr Geld ins Sys­tem pum­pen oder vor­han­de­nes Geld effi­zi­en­ter nut­zen? Mehr Staat und Gemein­wohl­ori­en­tie­rung (SPD/Grüne/Linke) oder mehr Wett­be­werb und Eigen­ver­ant­wor­tung (Union/FDP)? Die­se Grund­hal­tun­gen spie­geln sich in fast allen genann­ten Berei­che wider – und so auch dar­in, wie die Par­tei­en die Zukunft von Gesund­heit und Pfle­ge gestal­ten wollen.

Fazit: Für uns Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ste­hen oft sehr kon­kre­te Fra­gen im Vor­der­grund: Bekom­me ich schnell einen Arzt­ter­min, wenn es mir schlecht geht? Ist im Not­fall das nächs­te Kran­ken­haus in Reich­wei­te? Kann ich mir die Pfle­ge mei­ner Eltern leis­ten, ohne selbst arm zu wer­den? – Die Par­tei­en beant­wor­ten die­se Fra­gen mit unter­schied­li­chen Kon­zep­ten. Die­ser Über­blick hat ver­sucht, die wich­tigs­ten Unter­schie­de in den Berei­chen Zugang, Pfle­ge­qua­li­tät, Digi­ta­li­sie­rung, Finan­zie­rung, Pati­en­ten­rech­te und Per­so­nal dar­zu­stel­len. Bei aller Dif­fe­renz eint die meis­ten Par­tei­en das Ziel, ein hoch­wer­ti­ges Gesund­heits­we­sen für alle zu erhal­ten. Wie die­ses Ziel erreicht wer­den soll, dar­über ent­schei­den letzt­lich wir Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mit unse­rer Stim­me – im vol­len Bewusst­sein, was auf dem Spiel steht: unse­re Gesundheit.

Quel­len­ver­zeich­nis (Aus­zü­ge aus den Wahl­pro­gram­men 2025):

  • SPD“Mehr für Dich. Bes­ser für Deutsch­land.”, Regie­rungs­pro­gramm der SPD zur Bun­des­tags­wahl 2025 [1][2]
  • CDU/CSU“Poli­tik­wech­sel für Deutsch­land”, Wahl­pro­gramm von CDU und CSU zur Bun­des­tags­wahl 2025 [3][4]
  • Bünd­nis 90/Die Grü­nen“Zusam­men wach­sen: Unser Regie­rungs­pro­gramm”, Wahl­pro­gramm der Grü­nen zur Bun­des­tags­wahl 2025 [5][6]
  • FDP“Alles lässt sich ändern”, Wahl­pro­gramm der Frei­en Demo­kra­ten zur Bun­des­tags­wahl 2025 [7][8]
  • Die Lin­ke“Alle wol­len regie­ren. Wir wol­len ver­än­dern. Reich­tum tei­len. Prei­se sen­ken. Für­ein­an­der.”, Wahl­pro­gramm der Lin­ken zur Bun­des­tags­wahl 2025 [9][10]
  • AfD“Zeit für Deutsch­land”, Pro­gramm der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land zur Wahl des 21. Deut­schen Bun­des­ta­ges 2025 [11][12]

[1] [2] [9] [10] [11] [12] Gesund­heits­po­li­tik: Das wol­len die Par­tei­en | Apo­the­ken Umschau

https://www.apotheken-umschau.de/news/was-die-parteien-vor-der-bundestagswahl-2025-in-der-gesundheitspolitik-planen-1231791.html

[3] [4] [5] [6] [7] [8] Plä­ne der Par­tei­en für Gesund­heit und Pfle­ge | G+G

https://www.aok.de/pp/gg/bundestagswahl-2025/plaene-der-parteien-fuer-gesundheit-und-pflege

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