Gesundheits- und Pflege-Apps: Die Zukunft für den Pflegealltag?
Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen stehen im Alltag vor großen Herausforderungen. In Deutschland sind knapp fünf Millionen Menschen pflegebedürftig, die meisten (rund 80 %) werden zu Hause versorgt – überwiegend von pflegenden Angehörigen. Um diese Angehörigen zu entlasten und gleichzeitig die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Pflegebedürftigen zu stärken, gibt es eine Reihe digitaler Helfer. Die Digitalisierung ist auch in der Pflege angekommen: Gesundheits- und Pflege-Apps versprechen, die häusliche Pflege in vielen Bereichen zu entlasten, zu stärken oder zu verbessern. Im Folgenden betrachten wir, welche Arten von Pflege-Apps es gibt, wie sie Pflegebedürftigen ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen, wie sie Angehörige im Pflegealltag entlasten, wo ihre Grenzen liegen und welche bewährten App-Beispiele es bereits gibt.
Arten von Gesundheits- und Pflege-Apps
Moderne Pflege digital zu unterstützen heißt, dass es für fast jeden Aspekt des Pflegealltags spezialisierte Anwendungen gibt. Hier ein Überblick über wichtige Arten von Pflege-Apps und ihren Nutzen:
- Medikamenten-Erinnerungs-Apps: Sie helfen, den Überblick über Medikamente zu behalten. Funktionen sind u. a. Erinnerungen an Einnahmezeiten, Dosierungsinformationen und Warnungen vor Wechselwirkungen. Solche Medikations-Apps erhöhen die Einnahmetreue und reduzieren Fehler bei der Medikamenteneinnahme.
- Notruf- und Sicherheits-Apps: Diese Anwendungen ermöglichen es, im Notfall schnell Hilfe zu rufen – etwa per Knopfdruck auf dem Smartphone oder via spezieller Notfall-Uhren. Teils sind Sturzsensoren integriert, die erkennen, wenn jemand gestürzt ist, und automatisch Angehörige oder Hilfsdienste benachrichtigen. Mobile Notrufsysteme mit GPS können zudem den Standort übermitteln und so die Sicherheit alleinlebender Senioren erhöhen.
- Pflege-Dokumentation & ‑Organisation: Digitale Pflegeplaner erleichtern die Dokumentation von Pflegemaßnahmen und die Organisation des Alltags. Sie erlauben eine strukturierte Erfassung von Pflegeplänen, Berichten und Terminen, was den manuellen Aufwand reduziert und die Versorgung transparenter macht. Pflege-Apps mit Kalender- und To-do-Funktionen helfen auch bei der Tages- und Wochenplanung (z. B. Arzttermine oder Aufgaben).
- Kommunikations- und Vernetzungs-Apps: Diese Plattformen ermöglichen eine einfachere Abstimmung zwischen Pflegebedürftigen, Angehörigen und ggf. Pflegekräften. Typische Funktionen sind sichere Chat-Nachrichten, Videoanrufe oder gemeinsame Terminplanung. So bleiben alle Beteiligten auf dem Laufenden, was besonders bei verteilten Familien wertvoll ist. Auch der Austausch mit Ärzten oder Pflegediensten kann darüber erfolgen, um Informationen schnell weiterzugeben.
- Telemedizin-Apps: Telemedizinische Anwendungen erlauben es Patienten, ärztliche Beratungen per Videoanruf von zu Hause aus durchzuführen. So können Symptome online mit einem Arzt besprochen, Rezepte ausgestellt oder Nachsorgetermine virtuell erledigt werden. Gerade für mobilitätseingeschränkte oder chronisch kranke Menschen bieten solche Gesundheits-Apps große Erleichterung, da Wege erspart bleiben.
- Apps für Tagesstruktur und kognitive Unterstützung: Diese Helfer sorgen für Orientierung und Tagesstruktur. Sie erinnern an tägliche Routinen (z. B. Essenszeiten, Trinkmenge, Bewegungsübungen) und unterstützen Menschen mit beginnender Demenz oder geistigen Einschränkungen. Auch Gedächtnistraining oder kleine Spiele gehören dazu. Das Ziel ist, den Alltag zu organisieren und geistige Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten. Einige Anwendungen zeigen z. B. auf einem Tablet gut lesbar Datum, Uhrzeit, nächste Termine und wichtige Hinweise an, um Verwechslungen oder Vergessen entgegenzuwirken.
Beispiel: Ein seniorengerechtes Assistenz-Tablet zeigt Uhrzeit, Wetter und Termine an. Solche digitalen Pflegeassistenzsysteme kombinieren mehrere Funktionen, um den Alltag sicherer und einfacher zu machen. Ein großer Bildschirm mit klarer Schrift informiert über Datum, Uhrzeit und sogar das Wetter – hilfreich für die Orientierung. Gleichzeitig werden wichtige Termine oder Aufgaben des Tages angezeigt (etwa “Frühstück um 8:00” oder “Arzttermin um 15:00”), und bei Bedarf erinnert die App an Medikamenteneinnahmen oder Trinkpausen. Einige Systeme bieten auch Sprachassistenten, damit die Bedienung per Spracheingabe erfolgen kann. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Tagesstrukturierung und Erinnerungen via App dazu beitragen, dass pflegebedürftige Menschen ihren Alltag besser im Blick behalten.
Mehr Selbstständigkeit für pflegebedürftige Menschen
Gut konzipierte Gesundheits- und Pflege-Apps können dazu beitragen, dass pflegebedürftige Menschen selbstbestimmter leben und länger möglichst autonom bleiben. Laut den Kriterien für digitale Pflegeanwendungen sollen diese Apps vor allem eines leisten: Pflegebedürftige Personen in ihrer Selbstständigkeit und ihren Fähigkeiten stärken oder einer Verschlechterung ihres Zustands vorbeugen. In der Praxis bedeutet das z. B.:
- Sicherheit im Alltag: Notruf-Apps und Sensoren geben vielen älteren oder kranken Menschen die Sicherheit, im Notfall nicht allein zu sein. Wenn per App auf Knopfdruck Hilfe geholt werden kann oder Stürze automatisch erkannt werden, steigt das Vertrauen, auch alleine zu Hause zurechtzukommen. Diese digitalen Helfer bedeuten „mehr Sicherheit und ein Stück Selbstständigkeit“ im Alltag. Das Wissen, dass im Ernstfall sofort Unterstützung erfolgt, ermöglicht es vielen, länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen.
- Eigenständige Gesundheitsversorgung: Medikations-Apps und Gesundheits-Apps ermöglichen es Nutzern, ihre Gesundheit aktiv selbst zu managen. Wer zuverlässig an Tabletten erinnert wird und seine Vitalwerte per App im Blick hat, muss weniger auf fremde Hilfe zurückgreifen. Telemedizinische Angebote ersparen zudem beschwerliche Wege: Man kann den Arzt per Video konsultieren und erhält Ratschläge oder Rezepte digital. Das fördert die Eigenverantwortung und schult den Umgang mit der eigenen Erkrankung.
- Aktiv bleiben und Fähigkeiten erhalten: Einige Apps motivieren zu regelmäßiger Bewegung oder Gedächtnistraining, was der Gesundheitsprävention dient. So gibt es z. B. Sturzpräventions-Apps, die per KI das persönliche Sturzrisiko ermitteln und Übungsprogramme anbieten (eine Studie der Charité Berlin zeigte etwa, dass die Lindera-App langfristig das Sturzrisiko um ~20 % senken kann). Andere Anwendungen wie DigiPrevention oder DigiCare bieten individuelle Trainingspläne, um körperliche oder kognitive Fähigkeiten zu erhalten. Indem solche Apps die Nutzer zu Aktivitäten anleiten, tragen sie dazu bei, die Lebensqualität zu steigern und Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern.
- Bessere Orientierung und Alltagshilfe: Spezielle Senioren-Apps mit Kalenderuhren, Erinnerungen und einfacher Bedienung helfen, den Tag strukturiert zu meistern. Insbesondere Menschen mit Demenz profitieren davon, wenn eine App sie freundlich an Termine oder an das Trinken erinnert und durch den Tag führt. Dies reduziert Stress und ermöglicht es Betroffenen, trotz Einschränkungen möglichst viel selbst zu erledigen.
Natürlich ersetzen Apps nicht die menschliche Zuwendung — aber sie geben vielen Pflegebedürftigen das Gefühl, ihren Alltag aktiver mitgestalten zu können. Schon einfache Dinge, wie selbstständig per App die Medikamenteneinnahme abzuhaken oder per Tablet einen Videogruß an die Enkel zu senden, fördern das Selbstwertgefühl. Insgesamt können digitale Lösungen so dazu beitragen, dass pflegedürftige Menschen länger selbstbestimmt leben und sich sicherer fühlen.
Entlastung für pflegende Angehörige
Wenn Angehörige pflegen, sind sie häufig mit organisatorischen, körperlichen und emotionalen Belastungen konfrontiert. Genau hier setzen Pflege-Apps an: Sie helfen, den Pflegealltag zu strukturieren, effizienter zu gestalten und Entlastung zu bieten. Mehrere Aspekte tragen dazu bei:
- Organisation und Zeitersparnis: All-in-One Pflege-Apps erleichtern die Planung des Pflegealltags. Aufgabenlisten, Kalender und Erinnerungshilfen stellen sicher, dass nichts Wichtiges vergessen wird. Zum Beispiel vereint die App Care+ Pflegeplanung, Medikamentenerinnerung, Dokumentenablage und Notfallkontakte in einer Anwendung — das spart Zeit und Nerven. Routineaufgaben wie das Führen eines Pflegetagebuchs oder das Beantragen von Hilfsmitteln lassen sich digital viel schneller erledigen.
- Bessere Absprachen in Familien: Pflegen mehrere Familienmitglieder gemeinsam, verhindern Kommunikations-Apps Missverständnisse. Eine digitale Pflegechronik und Chat-Funktion (etwa in der App MyPflege24) ermöglichen es, sich über den Zustand des Pflegebedürftigen auszutauschen und Aufgaben aufzuteilen. Termine können in der App koordiniert und für alle sichtbar gemacht werden. So weiß jeder, wer wann z. B. beim Arzt war oder welche Einkäufe erledigt wurden. Das reduziert den Abstimmungsaufwand erheblich.
- Schneller Informationszugriff: Angehörige haben oft viele Fragen – zu Pflegeleistungen, Krankheitsbildern, Medikamenten etc. Pflege-Apps bieten hier oft integrierte Wissensdatenbanken, Tipps oder sogar Beratungsfunktionen. Einige Anwendungen (z. B. Nui Care) geben Schritt-für-Schritt Hinweise zur Beantragung von Pflegleistungen und beantworten Fragen rund um die Pflege. Dadurch müssen sich Angehörige wichtige Informationen nicht mühsam selbst zusammensuchen, sondern finden gebündelte Hilfe in der App.
- . Communities innerhalb mancher Apps (Fabel bietet z. B. einen Community-Support) ermöglichen Austausch mit anderen Pflegenden. Solche Features bieten mentale Entlastung, weil Angehörige merken, dass sie nicht allein sind, und Strategien gegen Überlastung an die Hand bekommen.
- Weniger Sorge durch Monitoring: Viele Angehörige sind in Sorge, wenn sie ihren Liebsten kurz alleine lassen. Monitoring-Apps und smarte Sensoren können hier entlasten: Sie melden z. B., ob Medikamente genommen wurden oder ob ungewöhnlich lange Inaktivität herrscht. Durch Notfall-Benachrichtigungen aufs Handy (etwa wenn ein Sturz detektiert wird) erhalten Angehörige mehr Sicherheit. Man kann beruhigter auch mal außer Haus gehen, da man im Ernstfall sofort alarmiert würde. Das steigert die Lebensqualität beider Seiten.
. Viele Nutzer berichten, dass Apps ihnen Struktur geben und das Gefühl, im Pflegealltag nicht mehr allein kämpfen zu müssen. Indem Apps Routineaufgaben abnehmen und die Zusammenarbeit fördern, bleibt Angehörigen mehr Zeit für die eigentliche Zuwendung zum Pflegebedürftigen — und auch mal für sich selbst.
Herausforderungen und Grenzen digitaler Pflege-Apps
Trotz aller Vorteile gibt es auch Herausforderungen bei Gesundheits- und Pflege-Apps, die bedacht werden müssen:
- Datenschutz und Datensicherheit: Pflege-Apps verarbeiten sensible Gesundheitsdaten, daher spielt Datenschutz eine große Rolle. Offiziell zugelassene Apps – etwa DiPA (Digitale Pflegeanwendungen) oder DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen) – werden vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte streng auf Datensicherheit geprüft. Bei frei verfügbaren Apps ohne Zulassung ist dies nicht der Fall; sie müssen lediglich der DSGVO genügen. Das bedeutet: Nicht alle Apps gehen transparent mit Daten um. Manche unabhängigen Anwendungen finanzieren sich z. B. durch Werbung oder Kooperationen (etwa mit Apotheken). Der Nutzer sollte daher darauf achten, welche Berechtigungen eine App verlangt und wohin Daten fließen. Positiv ist, dass in Tests die meisten seriösen Anwendungen keine eklatanten Datenschutz-Mängel zeigten. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl bestehen, wenn unklar ist, womit die App ihr Geld verdient. Hier ist Vertrauen in den Anbieter wichtig – oder die Entscheidung für geprüfte Lösungen.
- Bedienbarkeit für ältere Menschen: Eine benutzerfreundliche Gestaltung ist entscheidend, denn viele Senior:innen sind mit Smartphones und Apps nicht vertraut. Große Schrift, klare Symbole und einfache Menüs sind Pflicht. Die Bedienung von Apps kann für ältere Menschen schnell zur Hürde werden – fehlende Übung, Seh- oder Hörprobleme und Berührungsängste mit der Technik spielen dabei eine Rolle. Die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass nur wenige Medikamenten-Apps wirklich gut für ältere Anwender geeignet sind – entscheidend war eine gute Erinnerungsfunktion und eine einfache, übersichtliche Bedienung. Schulungsangebote und Unterstützung durch Angehörige können helfen, Anfangshürden zu überwinden. Entwickler und Anbieter sind hier ebenfalls gefragt, ihre Apps seniorengerecht zu gestalten (einige Krankenkassen-Apps und spezielle Senioren-Tablets zeigen, wie es geht).
- Technische Voraussetzungen: Damit Pflege digital gelingt, braucht es gewisse Basics: ein Smartphone oder Tablet, Internetzugang und im besten Fall jemanden, der bei Problemen helfen kann. Nicht jeder Pflegebedürftige verfügt über moderne Geräte oder möchte diese nutzen. Auch können technische Probleme (Akku leer, WLAN-Ausfall, Softwarefehler) die Zuverlässigkeit einschränken. Hier sollten immer analoge Notfall-Alternativen (z. B. klassischer Hausnotruf-Knopf als Backup) vorhanden sein. Außerdem ist wichtig zu beachten, dass Apps nur unterstützen, aber nicht rund um die Uhr handeln – eine App ersetzt keine Pflegekraft, sondern ergänzt sie nur.
- Akzeptanz und Vertrauen: Neue Technologien stoßen bei älteren Generationen nicht immer sofort auf Gegenliebe. Manche Senioren fühlen sich von zu viel Digitalisierung überfordert oder lehnen sie ab, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Datenschutzbedenken können ebenso Misstrauen wecken. Es braucht manchmal Geduld und Aufklärung, um Vorurteile abzubauen („Die App spioniert mich nicht aus, sie soll dir helfen, Mama“). Wichtig ist, die Vorteile klarzumachen und die Anwendung am Anfang gemeinsam einzuüben. Zeigt sich der Nutzen im Alltag – etwa weniger vergessene Tabletten oder schnellere Hilfe im Notfall – steigt die Akzeptanz meistens von selbst.
- Unübersichtlicher Markt: Der Markt an Gesundheits- und Pflege-Apps wächst ständig. Für Laien ist es nicht immer leicht, Spreu von Weizen zu trennen – also wirklich nützliche oder geprüfte Apps von weniger ausgereiften Angeboten. Offizielle Verzeichnisse (etwa das DiGA-Verzeichnis des BfArM für Gesundheits-Apps) bieten Orientierung, doch im Pflegebereich (DiPA) gibt es solche Listen erst im Aufbau. Es gilt daher, vor Nutzung einer App auf Bewertungen, Empfehlungen von Stellen wie Verbraucherzentralen oder Tests (z. B. Warentest) zu achten. Ein hoher Download-Rang allein ist kein Qualitätsmerkmal. Lieber auf bekannte Anbieter setzen und im Zweifel den Hausarzt oder Pflegeberater fragen, ob Erfahrungen mit der App vorliegen.
Nicht zuletzt spielt der menschliche Faktor eine Rolle: Technik kann viel, aber sie ersetzt nicht die menschliche Wärme in der Pflege. Eine App wird niemals ein persönliches Gespräch oder liebevolle Zuwendung ersetzen. Darum sollten digitale Helfer immer als Ergänzung gesehen werden – als Werkzeug, das Routineaufgaben erleichtert und Sicherheit gibt, damit mehr Zeit für Menschlichkeit bleibt.
Bekannte Anbieter und App-Beispiele aus der Praxis
Der Markt für Pflege-Apps ist jung, aber es gibt bereits einige bewährte Anwendungen, die sich in der Praxis einen Namen gemacht haben. Hier eine Auswahl bekannter Pflege-Apps und ihrer Schwerpunkte:
- Care+ – die All-in-One-Lösung: Eine führende App für pflegende Angehörige, die alle wichtigen Funktionen bündelt. Care+ bietet Pflegeplanung, Medikamenten-Erinnerung, Dokumentenablage und hinterlegte Notfallkontakte in einer App. Sie ist DSGVO-konform und intuitiv bedienbar, was sie zu einem beliebten digitalen Helfer für Zuhause macht.
- MyPflege24 – die Kommunikationszentrale: Diese App eignet sich ideal für Familien, in denen sich mehrere Personen an der Pflege beteiligen. MyPflege24 beinhaltet eine digitale Pflegechronik, Chat-Funktionen für den Austausch und eine gemeinsame Terminabstimmung. Besonderheit: Die App ist mit Smart-Home-Geräten kompatibel – so können z. B. Sensoren im Haushalt eingebunden werden, und alle Familienmitglieder behalten den Überblick.
- Pflegebox-App – Einkauf und Organisation leicht gemacht: Hinter diesem Angebot steckt die Idee, die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln zu vereinfachen. Die Pflegebox-App hilft beim Beantragen der monatlichen Pflegehilfsmittel-Pauschale und organisiert die Bestellung von Verbrauchsmaterial (wie Einmalhandschuhe, Betteinlagen etc.). Sie bietet Antrags-Hilfen für die Pflegekasse, führt eine Bestellhistorie und zeigt den Lieferstatus in Echtzeit an. Damit entfällt Papierkram und das manuelle Nachbestellen, was Angehörigen viel Zeit spart.
- MindfulCare – für das seelische Wohlbefinden: Diese App richtet sich direkt an die pflegenden Angehörigen selbst. MindfulCare enthält Achtsamkeitsübungen, einen Stress-Tracker und Tipps für kleine Pausen im Pflegealltag. Entwickelt mit Pflegewissenschaftler:innen, soll sie Überlastung vorbeugen. Die App erinnert z. B. täglich an kurze Entspannungsübungen oder ans Führen eines Stress-Tagebuchs. Gerade weil die seelische Gesundheit Pflegender oft leidet, ist MindfulCare ein wichtiger digitaler Begleiter für die Selbstfürsorge.
- DemenzGuide – Unterstützung bei Demenzpflege: Diese App wurde speziell für den Umgang mit Demenz entwickelt. DemenzGuide liefert praktische Verhaltenstipps im Alltag mit Demenzerkrankten und verfügt über Erinnerungsfunktionen (z. B. an Termine oder daran, bestimmte Türen abzuschließen) sowie einen Notrufknopf für den Ernstfall. Besonders innovativ ist die Einbindung regionaler Demenznetzwerke – Nutzer können lokale Ansprechpartner und Angebote finden. Für Angehörige von Demenzpatienten ist diese App eine wertvolle Hilfe, um besser auf herausfordernde Situationen vorbereitet zu sein.
- Nui Care – smarter Pflegeassistent mit KI: Die Nui-Care-App wurde mit Unterstützung der ADAC-Stiftung erprobt und fungiert als digitale Pflegeassistenz. Sie enthält ein digitales Pflegetagebuch, erinnert an regelmäßige Pflegehandlungen (z. B. Lagerungswechsel) und gibt Tipps sowie personalisierte Beratung für den Pflegealltag. Dank KI-Unterstützung kann Nui Care komplexe Pflegesituationen analysieren und individuelle Handlungsvorschläge machen. Diese App zielt darauf ab, pflegenden Angehörigen Schritt für Schritt durch die Pflege zu helfen – bis hin zur Unterstützung bei Anträgen oder der Suche nach Entlastungsangeboten.
- Fabel – Pflege digital im Team: Die Fabel-App wurde ebenfalls speziell für pflegende Angehörige entwickelt. Sie ermöglicht das Erstellen individueller Pflegepläne, bietet Dokumentationsfunktionen für den Pflegeverlauf und verfügt über einen Community-Bereich zum Austausch mit anderen Pflegenden. Fabel ist ideal, wenn professionelle Pflege und Angehörigenpflege Hand in Hand gehen – alle Beteiligten können über die App Informationen teilen und koordinieren. So entsteht ein digitales Netzwerk rund um die zu pflegende Person, was die Betreuung lückenloser und stressfreier macht.
Neben diesen unabhängigen Angeboten stellen auch viele Krankenkassen eigene Pflege-Apps bereit. Beispiele sind “Meine AOK – Pflege” oder die BARMER Pflege-App. Diese Apps bieten oft Servicefunktionen wie einen Pflegegrad-Rechner, Überblick über Kassenleistungen, digitale Antragstellung von Pflegegeld oder Beratungschats. Da sie von großen Versicherern stammen, legen sie besonderen Wert auf Datenschutz und Aktualität der Informationen.
Apps für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen entwickeln sich rasant weiter. Einige der genannten Lösungen stehen kurz davor, als DiPA anerkannt zu werden, sodass die Pflegekasse die Kosten übernehmen kann (bis zu 50 € pro Monat werden für zugelassene Apps erstattet). Schon jetzt zeigen jedoch die Best Practices am Markt, dass digitale Helfer im Pflegealltag funktionieren: Sie werden von Familien erfolgreich genutzt, kontinuierlich verbessert und immer häufiger auch wissenschaftlich auf Nutzen überprüft.
Fazit: Pflege-Apps als Baustein der Zukunft
Pflege digital zu unterstützen – ist das die Zukunft? Ein abschließender Blick zeigt: Gesundheits- und Pflege-Apps haben ein enormes Potenzial, den Pflegealltag spürbar zu erleichtern und die Lebensqualität aller Beteiligten zu steigern. Sie sorgen für mehr Sicherheit, stärken die Selbstständigkeit Pflegebedürftiger und schaffen bei Angehörigen Freiräume, indem Routineaufgaben automatisiert werden. Kurz: Digitale Unterstützung macht einen Unterschied.
Allerdings darf man die Grenzen nicht ignorieren. Technik muss bedienbar und verlässlich sein – und sie wird immer nur Ergänzung bleiben. Menschliche Nähe, Empathie und Fürsorge lassen sich nicht in eine App packen. Doch indem digitale Pflegehelfer “Pflegekräfte entlasten, Pflegebedürftige unterstützen und Angehörigen mehr Sicherheit bieten”, schaffen sie die Grundlage für eine nachhaltigere Pflegeversorgung. In einer alternden Gesellschaft, in der Fachkräfte fehlen und immer mehr Angehörige pflegen, können Apps kein Wundermittel sein, aber sehr wohl ein wichtiger Baustein.
Die Frage “Gesundheits- und Pflege-Apps: Die Zukunft für den Pflegealltag?” kann man daher mit einem vorsichtig optimistischen Ja beantworten. Schon heute zeigen zahlreiche Beispiele, dass Pflege-Apps funktionieren und geschätzt werden. Mit weiter steigender Akzeptanz, verbesserter Benutzerfreundlichkeit und klaren Qualitätsstandards werden sie künftig noch selbstverständlicher zum Pflegealltag gehören. Pflege-Apps werden die Zukunft nicht alleine stemmen – aber sie sind ein Weg, um Pflegebedürftigen und Angehörigen das Leben zu erleichtern und die Pflege digital und menschlich zugleich ein Stück besser zu machen.