Gesundheits- und Pflege-Apps: Die Zukunft für den Pflegealltag?

Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen und ihre Ange­hö­ri­gen ste­hen im All­tag vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. In Deutsch­land sind knapp fünf Mil­lio­nen Men­schen pfle­ge­be­dürf­tig, die meis­ten (rund 80 %) wer­den zu Hau­se ver­sorgt – über­wie­gend von pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen. Um die­se Ange­hö­ri­gen zu ent­las­ten und gleich­zei­tig die Selbst­be­stim­mung und Unab­hän­gig­keit der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu stär­ken, gibt es eine Rei­he digi­ta­ler Hel­fer. Die Digi­ta­li­sie­rung ist auch in der Pfle­ge ange­kom­men: Gesund­heits- und Pfle­ge-Apps ver­spre­chen, die häus­li­che Pfle­ge in vie­len Berei­chen zu ent­las­ten, zu stär­ken oder zu ver­bes­sern. Im Fol­gen­den betrach­ten wir, wel­che Arten von Pfle­ge-Apps es gibt, wie sie Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ein selbst­be­stimm­te­res Leben ermög­li­chen, wie sie Ange­hö­ri­ge im Pfle­ge­all­tag ent­las­ten, wo ihre Gren­zen lie­gen und wel­che bewähr­ten App-Bei­spie­le es bereits gibt.

Arten von Gesundheits- und Pflege-Apps

Moder­ne Pfle­ge digi­tal zu unter­stüt­zen heißt, dass es für fast jeden Aspekt des Pfle­ge­all­tags spe­zia­li­sier­te Anwen­dun­gen gibt. Hier ein Über­blick über wich­ti­ge Arten von Pfle­ge-Apps und ihren Nutzen:

  • Medi­ka­men­ten-Erin­ne­rungs-Apps: Sie hel­fen, den Über­blick über Medi­ka­men­te zu behal­ten. Funk­tio­nen sind u. a. Erin­ne­run­gen an Ein­nah­me­zei­ten, Dosie­rungs­in­for­ma­tio­nen und War­nun­gen vor Wech­sel­wir­kun­gen. Sol­che Medi­ka­ti­ons-Apps erhö­hen die Ein­nah­me­treue und redu­zie­ren Feh­ler bei der Medikamenteneinnahme.
  • Not­ruf- und Sicher­heits-Apps: Die­se Anwen­dun­gen ermög­li­chen es, im Not­fall schnell Hil­fe zu rufen – etwa per Knopf­druck auf dem Smart­phone oder via spe­zi­el­ler Not­fall-Uhren. Teils sind Sturz­sen­so­ren inte­griert, die erken­nen, wenn jemand gestürzt ist, und auto­ma­tisch Ange­hö­ri­ge oder Hilfs­diens­te benach­rich­ti­gen. Mobi­le Not­ruf­sys­te­me mit GPS kön­nen zudem den Stand­ort über­mit­teln und so die Sicher­heit allein­le­ben­der Senio­ren erhöhen.
  • Pfle­ge-Doku­men­ta­ti­on & ‑Orga­ni­sa­ti­on: Digi­ta­le Pfle­ge­pla­ner erleich­tern die Doku­men­ta­ti­on von Pfle­ge­maß­nah­men und die Orga­ni­sa­ti­on des All­tags. Sie erlau­ben eine struk­tu­rier­te Erfas­sung von Pfle­ge­plä­nen, Berich­ten und Ter­mi­nen, was den manu­el­len Auf­wand redu­ziert und die Ver­sor­gung trans­pa­ren­ter macht. Pfle­ge-Apps mit Kalen­der- und To-do-Funk­tio­nen hel­fen auch bei der Tages- und Wochen­pla­nung (z. B. Arzt­ter­mi­ne oder Aufgaben).
  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ver­net­zungs-Apps: Die­se Platt­for­men ermög­li­chen eine ein­fa­che­re Abstim­mung zwi­schen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, Ange­hö­ri­gen und ggf. Pfle­ge­kräf­ten. Typi­sche Funk­tio­nen sind siche­re Chat-Nach­rich­ten, Video­an­ru­fe oder gemein­sa­me Ter­min­pla­nung. So blei­ben alle Betei­lig­ten auf dem Lau­fen­den, was beson­ders bei ver­teil­ten Fami­li­en wert­voll ist. Auch der Aus­tausch mit Ärz­ten oder Pfle­ge­diens­ten kann dar­über erfol­gen, um Infor­ma­tio­nen schnell weiterzugeben.
  • Tele­me­di­zin-Apps: Tele­me­di­zi­ni­sche Anwen­dun­gen erlau­ben es Pati­en­ten, ärzt­li­che Bera­tun­gen per Video­an­ruf von zu Hau­se aus durch­zu­füh­ren. So kön­nen Sym­pto­me online mit einem Arzt bespro­chen, Rezep­te aus­ge­stellt oder Nach­sor­ge­ter­mi­ne vir­tu­ell erle­digt wer­den. Gera­de für mobi­li­täts­ein­ge­schränk­te oder chro­nisch kran­ke Men­schen bie­ten sol­che Gesund­heits-Apps gro­ße Erleich­te­rung, da Wege erspart bleiben.
  • Apps für Tages­struk­tur und kogni­ti­ve Unter­stüt­zung: Die­se Hel­fer sor­gen für Ori­en­tie­rung und Tages­struk­tur. Sie erin­nern an täg­li­che Rou­ti­nen (z. B. Essens­zei­ten, Trink­men­ge, Bewe­gungs­übun­gen) und unter­stüt­zen Men­schen mit begin­nen­der Demenz oder geis­ti­gen Ein­schrän­kun­gen. Auch Gedächt­nis­trai­ning oder klei­ne Spie­le gehö­ren dazu. Das Ziel ist, den All­tag zu orga­ni­sie­ren und geis­ti­ge Fähig­kei­ten so lan­ge wie mög­lich zu erhal­ten. Eini­ge Anwen­dun­gen zei­gen z. B. auf einem Tablet gut les­bar Datum, Uhr­zeit, nächs­te Ter­mi­ne und wich­ti­ge Hin­wei­se an, um Ver­wechs­lun­gen oder Ver­ges­sen entgegenzuwirken.

Bei­spiel: Ein senio­ren­ge­rech­tes Assis­tenz-Tablet zeigt Uhr­zeit, Wet­ter und Ter­mi­ne an. Sol­che digi­ta­len Pfle­ge­as­sis­tenz­sys­te­me kom­bi­nie­ren meh­re­re Funk­tio­nen, um den All­tag siche­rer und ein­fa­cher zu machen. Ein gro­ßer Bild­schirm mit kla­rer Schrift infor­miert über Datum, Uhr­zeit und sogar das Wet­ter – hilf­reich für die Ori­en­tie­rung. Gleich­zei­tig wer­den wich­ti­ge Ter­mi­ne oder Auf­ga­ben des Tages ange­zeigt (etwa “Früh­stück um 8:00” oder “Arzt­ter­min um 15:00”), und bei Bedarf erin­nert die App an Medi­ka­men­ten­ein­nah­men oder Trink­pau­sen. Eini­ge Sys­te­me bie­ten auch Sprach­as­sis­ten­ten, damit die Bedie­nung per Sprach­ein­ga­be erfol­gen kann. Die­ses Bei­spiel ver­deut­licht, wie Tages­struk­tu­rie­rung und Erin­ne­run­gen via App dazu bei­tra­gen, dass pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen ihren All­tag bes­ser im Blick behalten.

Mehr Selbstständigkeit für pflegebedürftige Menschen

Gut kon­zi­pier­te Gesund­heits- und Pfle­ge-Apps kön­nen dazu bei­tra­gen, dass pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen selbst­be­stimm­ter leben und län­ger mög­lichst auto­nom blei­ben. Laut den Kri­te­ri­en für digi­ta­le Pfle­ge­an­wen­dun­gen sol­len die­se Apps vor allem eines leis­ten: Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen in ihrer Selbst­stän­dig­keit und ihren Fähig­kei­ten stär­ken oder einer Ver­schlech­te­rung ihres Zustands vor­beu­gen. In der Pra­xis bedeu­tet das z. B.:

  • Sicher­heit im All­tag: Not­ruf-Apps und Sen­so­ren geben vie­len älte­ren oder kran­ken Men­schen die Sicher­heit, im Not­fall nicht allein zu sein. Wenn per App auf Knopf­druck Hil­fe geholt wer­den kann oder Stür­ze auto­ma­tisch erkannt wer­den, steigt das Ver­trau­en, auch allei­ne zu Hau­se zurecht­zu­kom­men. Die­se digi­ta­len Hel­fer bedeu­ten „mehr Sicher­heit und ein Stück Selbst­stän­dig­keit“ im All­tag. Das Wis­sen, dass im Ernst­fall sofort Unter­stüt­zung erfolgt, ermög­licht es vie­len, län­ger in den eige­nen vier Wän­den zu wohnen.
  • Eigen­stän­di­ge Gesund­heits­ver­sor­gung: Medi­ka­ti­ons-Apps und Gesund­heits-Apps ermög­li­chen es Nut­zern, ihre Gesund­heit aktiv selbst zu mana­gen. Wer zuver­läs­sig an Tablet­ten erin­nert wird und sei­ne Vital­wer­te per App im Blick hat, muss weni­ger auf frem­de Hil­fe zurück­grei­fen. Tele­me­di­zi­ni­sche Ange­bo­te erspa­ren zudem beschwer­li­che Wege: Man kann den Arzt per Video kon­sul­tie­ren und erhält Rat­schlä­ge oder Rezep­te digi­tal. Das för­dert die Eigen­ver­ant­wor­tung und schult den Umgang mit der eige­nen Erkrankung.
  • Aktiv blei­ben und Fähig­kei­ten erhal­ten: Eini­ge Apps moti­vie­ren zu regel­mä­ßi­ger Bewe­gung oder Gedächt­nis­trai­ning, was der Gesund­heits­prä­ven­ti­on dient. So gibt es z. B. Sturz­prä­ven­ti­ons-Apps, die per KI das per­sön­li­che Sturz­ri­si­ko ermit­teln und Übungs­pro­gram­me anbie­ten (eine Stu­die der Cha­ri­té Ber­lin zeig­te etwa, dass die Lin­de­ra-App lang­fris­tig das Sturz­ri­si­ko um ~20 % sen­ken kann). Ande­re Anwen­dun­gen wie Digi­Pre­ven­ti­on oder Digi­Ca­re bie­ten indi­vi­du­el­le Trai­nings­plä­ne, um kör­per­li­che oder kogni­ti­ve Fähig­kei­ten zu erhal­ten. Indem sol­che Apps die Nut­zer zu Akti­vi­tä­ten anlei­ten, tra­gen sie dazu bei, die Lebens­qua­li­tät zu stei­gern und Pfle­ge­be­dürf­tig­keit hinauszuzögern.
  • Bes­se­re Ori­en­tie­rung und All­tags­hil­fe: Spe­zi­el­le Senio­ren-Apps mit Kalen­der­uh­ren, Erin­ne­run­gen und ein­fa­cher Bedie­nung hel­fen, den Tag struk­tu­riert zu meis­tern. Ins­be­son­de­re Men­schen mit Demenz pro­fi­tie­ren davon, wenn eine App sie freund­lich an Ter­mi­ne oder an das Trin­ken erin­nert und durch den Tag führt. Dies redu­ziert Stress und ermög­licht es Betrof­fe­nen, trotz Ein­schrän­kun­gen mög­lichst viel selbst zu erledigen.

Natür­lich erset­zen Apps nicht die mensch­li­che Zuwen­dung — aber sie geben vie­len Pfle­ge­be­dürf­ti­gen das Gefühl, ihren All­tag akti­ver mit­ge­stal­ten zu kön­nen. Schon ein­fa­che Din­ge, wie selbst­stän­dig per App die Medi­ka­men­ten­ein­nah­me abzu­ha­ken oder per Tablet einen Video­gruß an die Enkel zu sen­den, för­dern das Selbst­wert­ge­fühl. Ins­ge­samt kön­nen digi­ta­le Lösun­gen so dazu bei­tra­gen, dass pfle­ge­dürf­ti­ge Men­schen län­ger selbst­be­stimmt leben und sich siche­rer fühlen.

Entlastung für pflegende Angehörige

Wenn Ange­hö­ri­ge pfle­gen, sind sie häu­fig mit orga­ni­sa­to­ri­schen, kör­per­li­chen und emo­tio­na­len Belas­tun­gen kon­fron­tiert. Genau hier set­zen Pfle­ge-Apps an: Sie hel­fen, den Pfle­ge­all­tag zu struk­tu­rie­ren, effi­zi­en­ter zu gestal­ten und Ent­las­tung zu bie­ten. Meh­re­re Aspek­te tra­gen dazu bei:

  • Orga­ni­sa­ti­on und Zeit­er­spar­nis: All-in-One Pfle­ge-Apps erleich­tern die Pla­nung des Pfle­ge­all­tags. Auf­ga­ben­lis­ten, Kalen­der und Erin­ne­rungs­hil­fen stel­len sicher, dass nichts Wich­ti­ges ver­ges­sen wird. Zum Bei­spiel ver­eint die App Care+ Pfle­ge­pla­nung, Medi­ka­men­ten­er­in­ne­rung, Doku­men­ten­ab­la­ge und Not­fall­kon­tak­te in einer Anwen­dung — das spart Zeit und Ner­ven. Rou­ti­ne­auf­ga­ben wie das Füh­ren eines Pfle­ge­ta­ge­buchs oder das Bean­tra­gen von Hilfs­mit­teln las­sen sich digi­tal viel schnel­ler erledigen.
  • Bes­se­re Abspra­chen in Fami­li­en: Pfle­gen meh­re­re Fami­li­en­mit­glie­der gemein­sam, ver­hin­dern Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Apps Miss­ver­ständ­nis­se. Eine digi­ta­le Pfle­ge­chro­nik und Chat-Funk­ti­on (etwa in der App MyPflege24) ermög­li­chen es, sich über den Zustand des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen aus­zu­tau­schen und Auf­ga­ben auf­zu­tei­len. Ter­mi­ne kön­nen in der App koor­di­niert und für alle sicht­bar gemacht wer­den. So weiß jeder, wer wann z. B. beim Arzt war oder wel­che Ein­käu­fe erle­digt wur­den. Das redu­ziert den Abstim­mungs­auf­wand erheblich.
  • Schnel­ler Infor­ma­ti­ons­zu­griff: Ange­hö­ri­ge haben oft vie­le Fra­gen – zu Pfle­ge­leis­tun­gen, Krank­heits­bil­dern, Medi­ka­men­ten etc. Pfle­ge-Apps bie­ten hier oft inte­grier­te Wis­sens­da­ten­ban­ken, Tipps oder sogar Bera­tungs­funk­tio­nen. Eini­ge Anwen­dun­gen (z. B. Nui Care) geben Schritt-für-Schritt Hin­wei­se zur Bean­tra­gung von Pfle­gleis­tun­gen und beant­wor­ten Fra­gen rund um die Pfle­ge. Dadurch müs­sen sich Ange­hö­ri­ge wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen nicht müh­sam selbst zusam­men­su­chen, son­dern fin­den gebün­del­te Hil­fe in der App.
  • . Com­mu­ni­ties inner­halb man­cher Apps (Fabel bie­tet z. B. einen Com­mu­ni­ty-Sup­port) ermög­li­chen Aus­tausch mit ande­ren Pfle­gen­den. Sol­che Fea­tures bie­ten men­ta­le Ent­las­tung, weil Ange­hö­ri­ge mer­ken, dass sie nicht allein sind, und Stra­te­gien gegen Über­las­tung an die Hand bekommen.
  • Weni­ger Sor­ge durch Moni­to­ring: Vie­le Ange­hö­ri­ge sind in Sor­ge, wenn sie ihren Liebs­ten kurz allei­ne las­sen. Moni­to­ring-Apps und smar­te Sen­so­ren kön­nen hier ent­las­ten: Sie mel­den z. B., ob Medi­ka­men­te genom­men wur­den oder ob unge­wöhn­lich lan­ge Inak­ti­vi­tät herrscht. Durch Not­fall-Benach­rich­ti­gun­gen aufs Han­dy (etwa wenn ein Sturz detek­tiert wird) erhal­ten Ange­hö­ri­ge mehr Sicher­heit. Man kann beru­hig­ter auch mal außer Haus gehen, da man im Ernst­fall sofort alar­miert wür­de. Das stei­gert die Lebens­qua­li­tät bei­der Seiten.

. Vie­le Nut­zer berich­ten, dass Apps ihnen Struk­tur geben und das Gefühl, im Pfle­ge­all­tag nicht mehr allein kämp­fen zu müs­sen. Indem Apps Rou­ti­ne­auf­ga­ben abneh­men und die Zusam­men­ar­beit för­dern, bleibt Ange­hö­ri­gen mehr Zeit für die eigent­li­che Zuwen­dung zum Pfle­ge­be­dürf­ti­gen — und auch mal für sich selbst.

Herausforderungen und Grenzen digitaler Pflege-Apps

Trotz aller Vor­tei­le gibt es auch Her­aus­for­de­run­gen bei Gesund­heits- und Pfle­ge-Apps, die bedacht wer­den müssen:

  • Daten­schutz und Daten­si­cher­heit: Pfle­ge-Apps ver­ar­bei­ten sen­si­ble Gesund­heits­da­ten, daher spielt Daten­schutz eine gro­ße Rol­le. Offi­zi­ell zuge­las­se­ne Apps – etwa DiPA (Digi­ta­le Pfle­ge­an­wen­dun­gen) oder DiGA (Digi­ta­le Gesund­heits­an­wen­dun­gen) – wer­den vom Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te streng auf Daten­si­cher­heit geprüft. Bei frei ver­füg­ba­ren Apps ohne Zulas­sung ist dies nicht der Fall; sie müs­sen ledig­lich der DSGVO genü­gen. Das bedeu­tet: Nicht alle Apps gehen trans­pa­rent mit Daten um. Man­che unab­hän­gi­gen Anwen­dun­gen finan­zie­ren sich z. B. durch Wer­bung oder Koope­ra­tio­nen (etwa mit Apo­the­ken). Der Nut­zer soll­te daher dar­auf ach­ten, wel­che Berech­ti­gun­gen eine App ver­langt und wohin Daten flie­ßen. Posi­tiv ist, dass in Tests die meis­ten seriö­sen Anwen­dun­gen kei­ne ekla­tan­ten Daten­schutz-Män­gel zeig­ten. Den­noch bleibt ein ungu­tes Gefühl bestehen, wenn unklar ist, womit die App ihr Geld ver­dient. Hier ist Ver­trau­en in den Anbie­ter wich­tig – oder die Ent­schei­dung für geprüf­te Lösungen.
  • Bedien­bar­keit für älte­re Men­schen: Eine benut­zer­freund­li­che Gestal­tung ist ent­schei­dend, denn vie­le Senior:innen sind mit Smart­phones und Apps nicht ver­traut. Gro­ße Schrift, kla­re Sym­bo­le und ein­fa­che Menüs sind Pflicht. Die Bedie­nung von Apps kann für älte­re Men­schen schnell zur Hür­de wer­den – feh­len­de Übung, Seh- oder Hör­pro­ble­me und Berüh­rungs­ängs­te mit der Tech­nik spie­len dabei eine Rol­le. Die Stif­tung Waren­test hat her­aus­ge­fun­den, dass nur weni­ge Medi­ka­men­ten-Apps wirk­lich gut für älte­re Anwen­der geeig­net sind – ent­schei­dend war eine gute Erin­ne­rungs­funk­ti­on und eine ein­fa­che, über­sicht­li­che Bedie­nung. Schu­lungs­an­ge­bo­te und Unter­stüt­zung durch Ange­hö­ri­ge kön­nen hel­fen, Anfangs­hür­den zu über­win­den. Ent­wick­ler und Anbie­ter sind hier eben­falls gefragt, ihre Apps senio­ren­ge­recht zu gestal­ten (eini­ge Kran­ken­kas­sen-Apps und spe­zi­el­le Senio­ren-Tablets zei­gen, wie es geht).
  • Tech­ni­sche Vor­aus­set­zun­gen: Damit Pfle­ge digi­tal gelingt, braucht es gewis­se Basics: ein Smart­phone oder Tablet, Inter­net­zu­gang und im bes­ten Fall jeman­den, der bei Pro­ble­men hel­fen kann. Nicht jeder Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ver­fügt über moder­ne Gerä­te oder möch­te die­se nut­zen. Auch kön­nen tech­ni­sche Pro­ble­me (Akku leer, WLAN-Aus­fall, Soft­ware­feh­ler) die Zuver­läs­sig­keit ein­schrän­ken. Hier soll­ten immer ana­lo­ge Not­fall-Alter­na­ti­ven (z. B. klas­si­scher Haus­not­ruf-Knopf als Back­up) vor­han­den sein. Außer­dem ist wich­tig zu beach­ten, dass Apps nur unter­stüt­zen, aber nicht rund um die Uhr han­deln – eine App ersetzt kei­ne Pfle­ge­kraft, son­dern ergänzt sie nur.
  • Akzep­tanz und Ver­trau­en: Neue Tech­no­lo­gien sto­ßen bei älte­ren Gene­ra­tio­nen nicht immer sofort auf Gegen­lie­be. Man­che Senio­ren füh­len sich von zu viel Digi­ta­li­sie­rung über­for­dert oder leh­nen sie ab, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Daten­schutz­be­den­ken kön­nen eben­so Miss­trau­en wecken. Es braucht manch­mal Geduld und Auf­klä­rung, um Vor­ur­tei­le abzu­bau­en („Die App spio­niert mich nicht aus, sie soll dir hel­fen, Mama“). Wich­tig ist, die Vor­tei­le klar­zu­ma­chen und die Anwen­dung am Anfang gemein­sam ein­zu­üben. Zeigt sich der Nut­zen im All­tag – etwa weni­ger ver­ges­se­ne Tablet­ten oder schnel­le­re Hil­fe im Not­fall – steigt die Akzep­tanz meis­tens von selbst.
  • Unüber­sicht­li­cher Markt: Der Markt an Gesund­heits- und Pfle­ge-Apps wächst stän­dig. Für Lai­en ist es nicht immer leicht, Spreu von Wei­zen zu tren­nen – also wirk­lich nütz­li­che oder geprüf­te Apps von weni­ger aus­ge­reif­ten Ange­bo­ten. Offi­zi­el­le Ver­zeich­nis­se (etwa das DiGA-Ver­zeich­nis des BfArM für Gesund­heits-Apps) bie­ten Ori­en­tie­rung, doch im Pfle­ge­be­reich (DiPA) gibt es sol­che Lis­ten erst im Auf­bau. Es gilt daher, vor Nut­zung einer App auf Bewer­tun­gen, Emp­feh­lun­gen von Stel­len wie Ver­brau­cher­zen­tra­len oder Tests (z. B. Waren­test) zu ach­ten. Ein hoher Down­load-Rang allein ist kein Qua­li­täts­merk­mal. Lie­ber auf bekann­te Anbie­ter set­zen und im Zwei­fel den Haus­arzt oder Pfle­ge­be­ra­ter fra­gen, ob Erfah­run­gen mit der App vorliegen.

Nicht zuletzt spielt der mensch­li­che Fak­tor eine Rol­le: Tech­nik kann viel, aber sie ersetzt nicht die mensch­li­che Wär­me in der Pfle­ge. Eine App wird nie­mals ein per­sön­li­ches Gespräch oder lie­be­vol­le Zuwen­dung erset­zen. Dar­um soll­ten digi­ta­le Hel­fer immer als Ergän­zung gese­hen wer­den – als Werk­zeug, das Rou­ti­ne­auf­ga­ben erleich­tert und Sicher­heit gibt, damit mehr Zeit für Mensch­lich­keit bleibt.

Bekannte Anbieter und App-Beispiele aus der Praxis

Der Markt für Pfle­ge-Apps ist jung, aber es gibt bereits eini­ge bewähr­te Anwen­dun­gen, die sich in der Pra­xis einen Namen gemacht haben. Hier eine Aus­wahl bekann­ter Pfle­ge-Apps und ihrer Schwerpunkte:

  • Care+ – die All-in-One-Lösung: Eine füh­ren­de App für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, die alle wich­ti­gen Funk­tio­nen bün­delt. Care+ bie­tet Pfle­ge­pla­nung, Medi­ka­men­ten-Erin­ne­rung, Doku­men­ten­ab­la­ge und hin­ter­leg­te Not­fall­kon­tak­te in einer App. Sie ist DSGVO-kon­form und intui­tiv bedien­bar, was sie zu einem belieb­ten digi­ta­len Hel­fer für Zuhau­se macht.
  • MyPflege24 – die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­tra­le: Die­se App eig­net sich ide­al für Fami­li­en, in denen sich meh­re­re Per­so­nen an der Pfle­ge betei­li­gen. MyPflege24 beinhal­tet eine digi­ta­le Pfle­ge­chro­nik, Chat-Funk­tio­nen für den Aus­tausch und eine gemein­sa­me Ter­min­ab­stim­mung. Beson­der­heit: Die App ist mit Smart-Home-Gerä­ten kom­pa­ti­bel – so kön­nen z. B. Sen­so­ren im Haus­halt ein­ge­bun­den wer­den, und alle Fami­li­en­mit­glie­der behal­ten den Überblick.
  • Pfle­ge­box-App – Ein­kauf und Orga­ni­sa­ti­on leicht gemacht: Hin­ter die­sem Ange­bot steckt die Idee, die Ver­sor­gung mit Pfle­ge­hilfs­mit­teln zu ver­ein­fa­chen. Die Pfle­ge­box-App hilft beim Bean­tra­gen der monat­li­chen Pfle­ge­hilfs­mit­tel-Pau­scha­le und orga­ni­siert die Bestel­lung von Ver­brauchs­ma­te­ri­al (wie Ein­mal­hand­schu­he, Bett­ein­la­gen etc.). Sie bie­tet Antrags-Hil­fen für die Pfle­ge­kas­se, führt eine Bestell­his­to­rie und zeigt den Lie­fer­sta­tus in Echt­zeit an. Damit ent­fällt Papier­kram und das manu­el­le Nach­be­stel­len, was Ange­hö­ri­gen viel Zeit spart.
  • Mindful­Ca­re – für das see­li­sche Wohl­be­fin­den: Die­se App rich­tet sich direkt an die pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen selbst. Mindful­Ca­re ent­hält Acht­sam­keits­übun­gen, einen Stress-Tra­cker und Tipps für klei­ne Pau­sen im Pfle­ge­all­tag. Ent­wi­ckelt mit Pflegewissenschaftler:innen, soll sie Über­las­tung vor­beu­gen. Die App erin­nert z. B. täg­lich an kur­ze Ent­span­nungs­übun­gen oder ans Füh­ren eines Stress-Tage­buchs. Gera­de weil die see­li­sche Gesund­heit Pfle­gen­der oft lei­det, ist Mindful­Ca­re ein wich­ti­ger digi­ta­ler Beglei­ter für die Selbst­für­sor­ge.
  • Demenz­Gui­de – Unter­stüt­zung bei Demenz­pfle­ge: Die­se App wur­de spe­zi­ell für den Umgang mit Demenz ent­wi­ckelt. Demenz­Gui­de lie­fert prak­ti­sche Ver­hal­tens­tipps im All­tag mit Demenz­er­krank­ten und ver­fügt über Erin­ne­rungs­funk­tio­nen (z. B. an Ter­mi­ne oder dar­an, bestimm­te Türen abzu­schlie­ßen) sowie einen Not­ruf­knopf für den Ernst­fall. Beson­ders inno­va­tiv ist die Ein­bin­dung regio­na­ler Demenz­netz­wer­ke – Nut­zer kön­nen loka­le Ansprech­part­ner und Ange­bo­te fin­den. Für Ange­hö­ri­ge von Demenz­pa­ti­en­ten ist die­se App eine wert­vol­le Hil­fe, um bes­ser auf her­aus­for­dern­de Situa­tio­nen vor­be­rei­tet zu sein.
  • Nui Care – smar­ter Pfle­ge­as­sis­tent mit KI: Die Nui-Care-App wur­de mit Unter­stüt­zung der ADAC-Stif­tung erprobt und fun­giert als digi­ta­le Pfle­ge­as­sis­tenz. Sie ent­hält ein digi­ta­les Pfle­ge­ta­ge­buch, erin­nert an regel­mä­ßi­ge Pfle­ge­hand­lun­gen (z. B. Lage­rungs­wech­sel) und gibt Tipps sowie per­so­na­li­sier­te Bera­tung für den Pfle­ge­all­tag. Dank KI-Unter­stüt­zung kann Nui Care kom­ple­xe Pfle­ge­si­tua­tio­nen ana­ly­sie­ren und indi­vi­du­el­le Hand­lungs­vor­schlä­ge machen. Die­se App zielt dar­auf ab, pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen Schritt für Schritt durch die Pfle­ge zu hel­fen – bis hin zur Unter­stüt­zung bei Anträ­gen oder der Suche nach Entlastungsangeboten.
  • Fabel – Pfle­ge digi­tal im Team: Die Fabel-App wur­de eben­falls spe­zi­ell für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge ent­wi­ckelt. Sie ermög­licht das Erstel­len indi­vi­du­el­ler Pfle­ge­plä­ne, bie­tet Doku­men­ta­ti­ons­funk­tio­nen für den Pfle­ge­ver­lauf und ver­fügt über einen Com­mu­ni­ty-Bereich zum Aus­tausch mit ande­ren Pfle­gen­den. Fabel ist ide­al, wenn pro­fes­sio­nel­le Pfle­ge und Ange­hö­ri­gen­pfle­ge Hand in Hand gehen – alle Betei­lig­ten kön­nen über die App Infor­ma­tio­nen tei­len und koor­di­nie­ren. So ent­steht ein digi­ta­les Netz­werk rund um die zu pfle­gen­de Per­son, was die Betreu­ung lücken­lo­ser und stress­frei­er macht.

Neben die­sen unab­hän­gi­gen Ange­bo­ten stel­len auch vie­le Kran­ken­kas­sen eige­ne Pfle­ge-Apps bereit. Bei­spie­le sind “Mei­ne AOK – Pfle­ge” oder die BARMER Pfle­ge-App. Die­se Apps bie­ten oft Ser­vice­funk­tio­nen wie einen Pfle­ge­grad-Rech­ner, Über­blick über Kas­sen­leis­tun­gen, digi­ta­le Antrag­stel­lung von Pfle­ge­geld oder Bera­tungs­chats. Da sie von gro­ßen Ver­si­che­rern stam­men, legen sie beson­de­ren Wert auf Daten­schutz und Aktua­li­tät der Informationen. 

Apps für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen und ihre Ange­hö­ri­gen ent­wi­ckeln sich rasant wei­ter. Eini­ge der genann­ten Lösun­gen ste­hen kurz davor, als DiPA aner­kannt zu wer­den, sodass die Pfle­ge­kas­se die Kos­ten über­neh­men kann (bis zu 50 € pro Monat wer­den für zuge­las­se­ne Apps erstat­tet). Schon jetzt zei­gen jedoch die Best Prac­ti­ces am Markt, dass digi­ta­le Hel­fer im Pfle­ge­all­tag funk­tio­nie­ren: Sie wer­den von Fami­li­en erfolg­reich genutzt, kon­ti­nu­ier­lich ver­bes­sert und immer häu­fi­ger auch wis­sen­schaft­lich auf Nut­zen überprüft.

Fazit: Pflege-Apps als Baustein der Zukunft

Pfle­ge digi­tal zu unter­stüt­zen – ist das die Zukunft? Ein abschlie­ßen­der Blick zeigt: Gesund­heits- und Pfle­ge-Apps haben ein enor­mes Poten­zi­al, den Pfle­ge­all­tag spür­bar zu erleich­tern und die Lebens­qua­li­tät aller Betei­lig­ten zu stei­gern. Sie sor­gen für mehr Sicher­heit, stär­ken die Selbst­stän­dig­keit Pfle­ge­be­dürf­ti­ger und schaf­fen bei Ange­hö­ri­gen Frei­räu­me, indem Rou­ti­ne­auf­ga­ben auto­ma­ti­siert wer­den. Kurz: Digi­ta­le Unter­stüt­zung macht einen Unterschied. 

Aller­dings darf man die Gren­zen nicht igno­rie­ren. Tech­nik muss bedien­bar und ver­läss­lich sein – und sie wird immer nur Ergän­zung blei­ben. Mensch­li­che Nähe, Empa­thie und Für­sor­ge las­sen sich nicht in eine App packen. Doch indem digi­ta­le Pfle­ge­hel­fer “Pfle­ge­kräf­te ent­las­ten, Pfle­ge­be­dürf­ti­ge unter­stüt­zen und Ange­hö­ri­gen mehr Sicher­heit bie­ten”, schaf­fen sie die Grund­la­ge für eine nach­hal­ti­ge­re Pfle­ge­ver­sor­gung. In einer altern­den Gesell­schaft, in der Fach­kräf­te feh­len und immer mehr Ange­hö­ri­ge pfle­gen, kön­nen Apps kein Wun­der­mit­tel sein, aber sehr wohl ein wich­ti­ger Bau­stein

Die Fra­ge “Gesund­heits- und Pfle­ge-Apps: Die Zukunft für den Pfle­ge­all­tag?” kann man daher mit einem vor­sich­tig opti­mis­ti­schen Ja beant­wor­ten. Schon heu­te zei­gen zahl­rei­che Bei­spie­le, dass Pfle­ge-Apps funk­tio­nie­ren und geschätzt wer­den. Mit wei­ter stei­gen­der Akzep­tanz, ver­bes­ser­ter Benut­zer­freund­lich­keit und kla­ren Qua­li­täts­stan­dards wer­den sie künf­tig noch selbst­ver­ständ­li­cher zum Pfle­ge­all­tag gehö­ren. Pfle­ge-Apps wer­den die Zukunft nicht allei­ne stem­men – aber sie sind ein Weg, um Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und Ange­hö­ri­gen das Leben zu erleich­tern und die Pfle­ge digi­tal und mensch­lich zugleich ein Stück bes­ser zu machen. 

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