Die 10 häufigsten Fehler bei der Pflegegrad-Einschätzung — und wie Sie sie vermeiden

Einleitung: Warum Fehler bei der Einschätzung so teuer werden können

Die Ein­stu­fung in einen Pfle­ge­grad ent­schei­det über die Höhe von Pfle­ge­geld, Pfle­ge­sach­leis­tun­gen und wei­te­ren Unter­stüt­zun­gen. Schon klei­ne Feh­ler bei der Begut­ach­tung kön­nen dazu füh­ren, dass Betrof­fe­ne deut­lich weni­ger Leis­tun­gen erhal­ten, als ihnen zuste­hen.
Oft liegt das Pro­blem nicht in der Gut­ach­ter­ent­schei­dung selbst, son­dern in einer unvoll­stän­di­gen oder miss­ver­ständ­li­chen Dar­stel­lung des tat­säch­li­chen Pflegebedarfs.

1. Einschränkungen verharmlosen

Vie­le Betrof­fe­ne wol­len beim MDK- oder Medic­pro­of-Ter­min nicht „jam­mern“. Doch wer sei­ne Pro­ble­me her­un­ter­spielt, ris­kiert eine zu nied­ri­ge Ein­stu­fung.
💡 Tipp: Beschrei­ben Sie den All­tag so, wie er tat­säch­lich ist – auch wenn es unan­ge­nehm ist.

2. Fehlende oder unvollständige Dokumentation

Ohne Nach­wei­se ist es schwer, den Pfle­ge­be­darf glaub­haft zu bele­gen.
Bei­spie­le: Kein Pfle­ge­pro­to­koll, kei­ne ärzt­li­chen Attes­te, kei­ne Medikamentenliste.

3. Zu wenig Vorbereitung auf den Begutachtungstermin

Wer unvor­be­rei­tet in die Begut­ach­tung geht, über­lässt vie­les dem Zufall.
Bes­ser: Check­lis­ten nut­zen, Unter­la­gen bereit­le­gen, Zeu­gen (z. B. Ange­hö­ri­ge) einbinden.

4. Pflegeperson nicht anwesend

Wenn die Haupt­pfle­ge­per­son beim Ter­min fehlt, feh­len oft wich­ti­ge Details.
Tipp: Sor­gen Sie dafür, dass die Per­son, die am meis­ten pflegt, dabei ist und aktiv Aus­kunft gibt.

5. Falscher Tageszeitpunkt

Die Uhr­zeit kann Ein­fluss auf die Ein­schät­zung haben. Bei Krank­hei­ten mit tages­zeit­ab­hän­gi­gen Schwan­kun­gen (z. B. Demenz, MS) soll­te der Ter­min zu einer „schlech­ten“ Tages­pha­se stattfinden.

6. Hilfsmittel-Einsatz wird nicht erwähnt

Rol­la­to­ren, Pfle­ge­bet­ten, Inkon­ti­nenz­ma­te­ri­al – all das zeigt den Unter­stüt­zungs­be­darf. Wer dies ver­schweigt, ris­kiert eine zu posi­ti­ve Bewertung.

7. Alltagsprobleme werden nicht konkret beschrieben

Anstatt nur zu sagen „Ich brau­che Hil­fe beim Anzie­hen“, soll­te erläu­tert wer­den, war­um (z. B. Schmer­zen, Bewegungs­einschränkung, Koordinationsprobleme).

8. Änderungen seit dem letzten Gutachten nicht belegen

Ver­schlech­te­run­gen müs­sen mit Datum, Befund und Beob­ach­tung doku­men­tiert werden.

9. Keine Beratung vor Antragstellung

Pfle­ge­be­ra­ter ken­nen die häu­figs­ten Stol­per­fal­len und kön­nen wert­vol­le Hin­wei­se geben. Wer dar­auf ver­zich­tet, ver­schenkt Chancen.

10. Widerspruchsrecht nicht nutzen

Selbst bei feh­ler­haf­ter Ein­stu­fung ver­zich­ten vie­le aus Unwis­sen oder Unsi­cher­heit auf den Wider­spruch – und ver­lie­ren damit mög­li­che Leis­tun­gen für Jahre.

Fazit: Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Wer die häu­figs­ten Feh­ler kennt, kann sie ver­mei­den – und so die Ein­stu­fung in den pas­sen­den Pfle­ge­grad deut­lich wahr­schein­li­cher machen. Vor­be­rei­tung, Ehr­lich­keit und voll­stän­di­ge Doku­men­ta­ti­on sind die Schlüs­sel zum Erfolg.

Hinterlassen Sie einen Kommentar