Pflegegrad 5 bei Kindern: Maximaler Pflegebedarf — maximale Unterstützung

Pfle­ge­grad 5 ist die höchs­te Stu­fe im deut­schen Pfle­ge­sys­tem – und stellt bei Kin­dern einen außer­ge­wöhn­lich hohen Pfle­ge­be­darf dar. Eltern von schwerst­pfle­ge­be­dürf­ti­gen Kin­dern ste­hen oft rund um die Uhr unter Belas­tung. Die gute Nach­richt: Pfle­ge­grad 5 bringt die umfas­sends­ten Leis­tun­gen und Hil­fen mit sich.

In die­sem Bei­trag erfah­ren Sie:

  • Wann Pfle­ge­grad 5 bei Kin­dern ver­ge­ben wird
  • Wel­che Leis­tun­gen und Pfle­ge­gel­der Ihnen zustehen
  • Wie der Antrag funktioniert
  • Tipps für die Pra­xis und häu­fi­ge Fragen

Was bedeutet Pflegegrad 5 bei Kindern?

Pfle­ge­grad 5 wird nur ver­ge­ben, wenn eine schwers­te Beein­träch­ti­gung der Selbst­stän­dig­keit vor­liegt und zusätz­li­cher Pfle­ge­auf­wand besteht – bei­spiels­wei­se durch beatmungs­pflich­ti­ge Kin­der, inten­siv­me­di­zi­ni­sche Betreu­ung oder voll­stän­di­ge Immobilität.

Punkteskala Pflegegrad 5:

Pfle­ge­grad 5 wird ab 90 Punk­ten und mehr im offi­zi­el­len Begut­ach­tungs­ver­fah­ren des Medi­zi­ni­schen Diens­tes (MD) vergeben.

Voraussetzungen für Pflegegrad 5 bei Kindern

Die Vor­aus­set­zun­gen sind klar gere­gelt und betref­fen Kin­der mit mas­si­vem Pfle­ge­be­darf, der sich auf nahe­zu alle Lebens­be­rei­che auswirkt:

  • Pfle­ge­be­dürf­tig­keit muss vor­aus­sicht­lich län­ger als sechs Mona­te bestehen
  • Es liegt ein außer­ge­wöhn­lich hoher Pfle­ge­auf­wand vor
  • Die Beur­tei­lung erfolgt durch den Medi­zi­ni­schen Dienst (MD) oder Medic­pro­of (bei pri­va­ten Pflegekassen)
  • Der Zustand des Kin­des wird im Ver­gleich zu gesun­den Gleich­alt­ri­gen bewertet

Typische Beispiele:

  • Kin­der mit Beatmung, Tra­cheo­sto­ma, künst­li­cher Ernäh­rung über PEG
  • Wach­ko­ma (apal­li­sches Syndrom)
  • Quer­schnitt­läh­mung mit Läh­mung aller vier Gliedmaßen
  • Kom­ple­xe neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen (z. B. schwers­te Epilepsie)
  • Mehr­fach­be­hin­der­te Kin­der mit voll­stän­di­ger Pflegeabhängigkeit

Leistungen bei Pflegegrad 5 für Kinder (Stand 2025)

Pfle­ge­grad 5 gewährt Eltern die höchs­ten Leis­tun­gen inner­halb der Pfle­ge­ver­si­che­rung. Die­se kön­nen teils kom­bi­niert und indi­vi­du­ell ange­passt werden.

Leis­tungHöhe / Umfang
Pfle­ge­geld (häus­li­che Pflege)990 € monatlich
Pfle­ge­sach­leis­tun­gen (Pfle­ge­dienst)bis zu 2.299 € monatlich
Kom­bi­na­ti­ons­leis­tungKom­bi­na­ti­on aus Pfle­ge­geld + Pfle­ge­dienst möglich
Ent­las­tungs­be­trag131€ monat­lich (z. B. für Haushaltshilfen)

Gemein­sa­mer Jah­res­be­trag (§ 42a)
- Kurz­zeit­pfle­ge (§ 42)
- Ver­hin­de­rungs­pfle­ge (§ 39)
3.539 €
Tages- und Nachtpflegebis zu 2.085 € monatlich
Pfle­ge­hilfs­mit­tel42 € monatlich
Wohn­raum­an­pas­sungbis zu 4.180 € einmalig
Pfle­ge­be­ra­tung (§37.3 SGB XI)ver­pflich­tend bei aus­schließ­li­chem Pflegegeld

Pflegegrad 5 bei Kindern beantragen – Schritt für Schritt

  1. Antrag bei der Pfle­ge­kas­se stel­len
    Dies kann form­los erfol­gen – z. B. per E‑Mail, Tele­fon oder Online-Formular.
  2. Pfle­ge­ta­ge­buch und medi­zi­ni­sche Unter­la­gen vor­be­rei­ten
    Je umfang­rei­cher die Doku­men­ta­ti­on, des­to fun­dier­ter die Ent­schei­dung. Holen Sie Berich­te von Ärzt:innen, Therapeut:innen und Pfle­ge­fach­kräf­ten ein.
  3. Begut­ach­tung durch den MD oder Medic­pro­of
    Die Begut­ach­tung erfolgt meist zuhau­se, um den Pfle­ge­be­darf im All­tag zu erfassen.
  4. Bescheid abwar­ten & Leis­tun­gen bean­tra­gen
    Sobald der Bescheid vor­liegt, kön­nen Sie Geld- und Sach­leis­tun­gen indi­vi­du­ell beantragen.
  5. Wider­spruch ein­le­gen, wenn nötig
    Falls Sie mit dem Bescheid nicht ein­ver­stan­den sind, kön­nen Sie inner­halb von 4 Wochen Wider­spruch einlegen.

Pflegegrad 5 & Intensivpflege – was ist zu beachten?

Pfle­ge­grad 5 über­schnei­det sich häu­fig mit der außer­kli­ni­schen Inten­siv­pfle­ge. Die­se wird zusätz­lich über die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung gere­gelt (§37 SGB V).

Leis­tun­gen kön­nen sein:

  • 24-Stun­den-Pfle­ge durch exami­nier­te Fachkräfte
  • Finan­zie­rung tech­ni­scher Hilfs­mit­tel (z. B. Beatmungsgeräte)
  • The­ra­pien & ärzt­li­che Begleitung

💡 Wich­tig: Die­se Leis­tun­gen sind nicht Teil der Pfle­ge­ver­si­che­rung, son­dern medi­zi­nisch ver­ord­ne­te Leis­tun­gen, und müs­sen ärzt­lich bean­tragt werden.

Tipps für Familien mit Pflegegrad 5

Pfle­ge­be­ra­tung regel­mä­ßig nut­zen – spe­zi­ell für Hoch­pfle­ge­be­dürf­ti­ge gibt es spe­zia­li­sier­te Bera­tungs­an­ge­bo­te
Pfle­ge­diens­te mit Inten­siv­zu­las­sung suchen – die­se sind rar, früh­zei­tig Kon­takt auf­neh­men
Finanz­hil­fen kom­bi­nie­ren – auch Ein­glie­de­rungs­hil­fe, Kin­der­geld oder Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis berück­sich­ti­gen
Psy­cho­so­zia­le Beglei­tung nut­zen – z. B. Eltern­krei­se, Kin­der­hos­pi­ze oder Familienhilfe

Fazit: Pflegegrad 5 – maximale Pflege, maximale Entlastung

Pfle­ge­grad 5 ist mehr als ein for­ma­ler Sta­tus – er ist Aus­druck eines außer­ge­wöhn­lich hohen Pfle­ge­be­darfs. Für Fami­li­en bedeu­tet er die maxi­ma­le Ent­las­tung im Sys­tem der Pfle­ge­ver­si­che­rung – und zugleich Zugang zu spe­zia­li­sier­ten Unterstützungsangeboten.

Infor­mie­ren Sie sich früh­zei­tig, las­sen Sie sich bera­ten – und holen Sie sich die Hil­fe, die Ihrem Kind und Ihrer Fami­lie zusteht.

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