Mangel an Heimplätzen in Deutschland: Zahlen, Hintergründe und Ausblick

Deutsch­land steht vor einem erheb­li­chen Eng­pass an Heim­plät­zen – sowohl in der Alten­pfle­ge, für Men­schen mit Behin­de­run­gen als auch in der Kin­der- und Jugend­hil­fe. Aktu­el­le Sta­tis­ti­ken zei­gen, dass die vor­han­de­nen Kapa­zi­tä­ten mit der stei­gen­den Nach­fra­ge kaum Schritt hal­ten kön­nen. War­te­lis­ten wer­den län­ger, Per­so­nal ist knapp, und vie­ler­orts müs­sen Ange­hö­ri­ge oder Not­lö­sun­gen ein­sprin­gen. Im Fol­gen­den beleuch­ten wir die aktu­el­le Ver­sor­gungs­la­ge in den drei Berei­chen, die Ursa­chen des Man­gels, regio­na­le Unter­schie­de sowie geplan­te Maß­nah­men und Zukunftsprognosen.

Heimplätze für Seniorinnen und Senioren

Die sta­tio­nä­re Alten­pfle­ge bil­det einen der zen­tra­len Berei­che, in dem ein Platz­man­gel spür­bar ist. Bun­des­weit gibt es rund 11.680 Alten- und Pfle­ge­hei­me mit etwa 918.000 ange­bo­te­nen Pfle­ge­plät­zen (Stand 2024) (Anzahl und Sta­tis­tik der Alten- & Pfle­ge­hei­me in Deutsch­land 2024). Die­se Kapa­zi­tä­ten sto­ßen zuneh­mend an ihre Gren­zen. Ende 2023 wur­den etwa 800.000 Pfle­ge­be­dürf­ti­ge voll­sta­tio­när in Pfle­ge­hei­men betreut (5,7 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge zum Jah­res­en­de 2023 — Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt) – das ent­spricht unge­fähr jedem sieb­ten der ins­ge­samt 5,7 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in Deutsch­land (5,7 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge zum Jah­res­en­de 2023 — Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt). In vie­len Regio­nen sind die Hei­me nahe­zu aus­ge­las­tet. Ein Bei­spiel ist Nord­rhein-West­fa­len: Dort sind fast alle Ein­rich­tun­gen voll belegt, die War­te­lis­ten für freie Plät­ze sind lang (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR). Ange­hö­ri­ge berich­ten, dass sie Dut­zen­de Hei­me abte­le­fo­nie­ren müs­sen und den­noch Absa­gen erhal­ten – ein Sze­na­rio, das sich mitt­ler­wei­le lei­der häuft (Man­gel an Heim­plät­zen ver­hin­dert selbst­be­stimm­tes Leben im Alter / bpa …) (Man­gel an Heim­plät­zen ver­hin­dert selbst­be­stimm­tes Leben im Alter / bpa …).

Die Nach­fra­ge nach Pfle­ge­heim­plät­zen steigt durch die Alte­rung der Bevöl­ke­rung kon­ti­nu­ier­lich. Wäh­rend der Groß­teil der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu Hau­se ver­sorgt wird, gibt es eine wach­sen­de Zahl Hoch­be­tag­ter und Men­schen mit Demenz, für die eine Rund-um-die-Uhr-Betreu­ung im Heim benö­tigt wird. Schon jetzt weist der Bun­des­ver­band pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te (bpa) dar­auf hin, dass in naher Zukunft Hun­dert­tau­sen­de Pfle­ge­heim­plät­ze feh­len könn­ten (Deutsch­land feh­len Hun­dert­tau­sen­de Pfle­ge­heim­plät­ze — Ärz­te Zei­tung). Hoch­rech­nun­gen des Arbeit­ge­ber­ver­bands Pfle­ge (AGVP) zei­gen, dass bis Ende 2025 etwa 60.000 Plät­ze zu wenig vor­han­den sein wer­den, wenn nicht gegen­ge­steu­ert wird. Pro Jahr wären eigent­lich rund 17.000 neue Plät­ze nötig, doch tat­säch­lich schrumpft das Ange­bot man­cher­orts sogar (Pfle­ge­platz-Lücke: 60.000 Plät­ze feh­len, Deutsch­land wird War­te­lis­ten-Land – Arbeit­ge­ber­ver­band-Pfle­ge). In NRW sind inner­halb von gut zwei Jah­ren über 2.100 sta­tio­nä­re Pfle­ge­plät­ze weg­ge­fal­len – ver­ur­sacht durch Heim­schlie­ßun­gen infol­ge von Per­so­nal­not und stei­gen­den Kos­ten. Bun­des­weit muss­ten 2023 mehr als 50 Pfle­ge­hei­me Insol­venz anmel­den (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR). Die­se Ent­wick­lung ver­deut­licht die bri­san­te Lage: bereits heu­te ist der Eng­pass spür­bar, und ohne zusätz­li­chen Aus­bau droht Deutsch­land zum „War­te­lis­ten-Land“ zu wer­den (Pfle­ge­platz-Lücke: 60.000 Plät­ze feh­len, Deutsch­land wird War­te­lis­ten-Land – Arbeit­ge­ber­ver­band-Pfle­ge).

Wohnheime für Menschen mit Behinderungen

Auch im Bereich der Behin­der­ten­hil­fe gibt es einen Man­gel an geeig­ne­ten Wohn­plät­zen. Ende 2022 leb­ten rund 192.500 Men­schen mit Behin­de­run­gen in beson­de­ren Wohn­for­men – so wer­den sta­tio­nä­re Wohn­ein­rich­tun­gen heu­te bezeich­net. Die­se Zahl ist zuletzt leicht rück­läu­fig, da ver­stärkt auf ambu­lan­te Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te und inklu­si­ves Woh­nen gesetzt wird (über 266.000 behin­der­te Men­schen erhal­ten Assis­tenz außer­halb von Hei­men) (Zen­tra­le Ergeb­nis­se). Den­noch: Für Men­schen mit hohem Unter­stüt­zungs­be­darf sind Wohn­heim­plät­ze oft unver­zicht­bar – und hier zei­gen sich Eng­päs­se. In eini­gen Ein­rich­tun­gen muss­ten bereits Auf­nah­men gestoppt oder Bewoh­ner vor­zei­tig nach Hau­se ent­las­sen wer­den, weil Betreu­ungs­per­so­nal fehlt. Ein Bei­spiel aus Bay­ern: Durch neue Per­so­nal­vor­ga­ben (etwa die Pflicht, nachts eine Fach­kraft vor Ort zu haben) und den Fach­kräf­te­man­gel ste­hen weni­ger Wohn­heim­plät­ze zur Ver­fü­gung – betrof­fe­ne Fami­li­en müs­sen ein­sprin­gen und sind am Limit (Kol­laps droht: Weni­ger Wohn­hei­me für Men­schen mit Behin­de­rung | BR24).

Offi­zi­el­le Stel­len erhe­ben zwar kei­ne bun­des­wei­te „War­te­lis­te“ für behin­der­te Men­schen, doch Ver­bän­de berich­ten von lan­gen War­te­zei­ten auf pas­sen­de Wohn­plät­ze. Vie­le erwach­se­ne Kin­der mit Behin­de­rung ver­blei­ben not­ge­drun­gen län­ger im Eltern­haus, weil ein Platz in einer betreu­ten Wohn­grup­pe oder einem Wohn­heim nicht ver­füg­bar ist. Die Fach­ver­bän­de für Men­schen mit Behin­de­rung schla­gen Alarm: Es bestehe ein ekla­tan­ter Man­gel an bar­rie­re­frei­em Wohn­raum und Fach­per­so­nal, der eine bedarfs­ge­rech­te Unter­stüt­zung erschwe­re (Men­schen mit Behin­de­rung brau­chen bezahl­ba­re, bar­rie­re­freie Woh­nun­gen und aus­rei­chend Fach­kräf­te | Bun­des­ver­ei­ni­gung Lebens­hil­fe e. V.). Die­ser Man­gel betrifft ins­be­son­de­re kom­ple­xe Betreu­ungs­set­tings – etwa für Men­schen mit Schwerst­mehr­fach­be­hin­de­rung oder inten­siv­päd­ago­gi­schem Betreu­ungs­be­darf. Zwar sieht das 2018 in Kraft getre­te­ne Bun­des­teil­ha­be­ge­setz vor, die Teil­ha­be und selbst­be­stimm­tes Woh­nen zu för­dern, doch in der Pra­xis sind vie­le Regio­nen noch nicht aus­rei­chend auf­ge­stellt, um allen Berech­tig­ten ein geeig­ne­tes Wohn­an­ge­bot zu machen. Hier macht sich der Spa­gat zwi­schen Inklu­si­ons­an­spruch und Rea­li­tät bemerk­bar: Ambu­lant betreu­tes Woh­nen wird aus­ge­baut, aber die­je­ni­gen, die wei­ter­hin sta­tio­nä­re Betreu­ung benö­ti­gen, fin­den oft nicht zeit­nah einen Platz.

Stationäre Plätze in der Kinder- und Jugendhilfe

In der Kin­der- und Jugend­hil­fe zeigt sich seit eini­gen Jah­ren eine ähn­li­che Ent­wick­lung. Die Zahl der Kin­der und Jugend­li­chen, die außer­halb der eige­nen Fami­lie betreut wer­den müs­sen, ist hoch – bedingt durch Fäl­le von Kin­des­wohl­ge­fähr­dung, Über­for­de­rung der Eltern oder die Unter­brin­gung unbe­glei­te­ter Min­der­jäh­ri­ger. Im Jahr 2022 wur­den rund 207.000 jun­ge Men­schen vor­über­ge­hend in Obhut genom­men, davon etwa 121.000 in Hei­men oder Wohn­grup­pen und wei­te­re 86.000 in Pfle­ge­fa­mi­li­en (Über 207 000 jun­ge Men­schen wuch­sen 2022 in einem Heim oder einer …). Die­se Fall­zahl war zuvor vier Jah­re in Fol­ge gesun­ken, doch aktu­ell dreht der Trend wie­der: 2023 stieg die Zahl auf etwa 128.000 Min­der­jäh­ri­ge in Hei­men und 87.000 in Pfle­ge­fa­mi­li­en (ins­ge­samt ca. 215.000). Das ist ein Zuwachs von rund 4 % bin­nen eines Jah­res, haupt­säch­lich durch die ver­mehr­te Auf­nah­me unbe­glei­te­ter Flücht­lings­kin­der und ‑jugend­li­cher (Wie­der­an­stieg: Mehr Kin­der und Jugend­li­che in Hei­men und Pfle­ge­fa­mi­li­en — Das Ver­brau­cher­schutz­fo­rum). Neue Kri­sen und Kon­flik­te welt­weit füh­ren dazu, dass vie­le jun­ge Geflüch­te­te inten­si­ve Betreu­ung benö­ti­gen – was die vor­han­de­nen Plät­ze zusätz­lich beansprucht.

Die Nach­fra­ge nach Heim­un­ter­brin­gung in der Jugend­hil­fe über­steigt in vie­len Kom­mu­nen das Ange­bot. Eine aktu­el­le Umfra­ge unter Jugend­äm­tern (2023) ergab, dass drei von vier Jugend­äm­tern (75,8 %) den Man­gel an sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen als größ­te Her­aus­for­de­rung ihrer Arbeit betrach­ten (Ergeb­nis­se einer Befra­gung aller Jugend­äm­ter in Deutsch­land im Juli 2023). Ins­be­son­de­re Not­plät­ze für aku­te Kri­sen (Inob­hut­nah­men) sind man­cher­orts so rar, dass Jugend­äm­ter in der Not sogar Mit­ar­bei­ter fra­gen, ob sie Kin­der vor­rü­ber­ge­hend pri­vat auf­neh­men kön­nen (Unter­brin­gung von Kin­dern und Jugend­li­chen im Rah­men der Inob … — DIJuF). In eini­gen Bun­des­län­dern muss­ten Ein­rich­tun­gen schlie­ßen oder Kapa­zi­tä­ten abbau­en – etwa wur­den in Nord­rhein-West­fa­len im Jahr 2022 rund 2.400 Heim­plät­ze in der Jugend­hil­fe abge­baut (geschlos­se­ne Plät­ze, die nun feh­len) – was den Druck auf die ver­blei­ben­den Hei­me erhöht. Gleich­zei­tig ist die Zahl der bereit­wil­li­gen Pfle­ge­fa­mi­li­en rück­läu­fig, sodass auch die­se Ent­las­tungs­op­ti­on nicht im gewünsch­ten Maß wächst (Wie­der­an­stieg: Mehr Kin­der und Jugend­li­che in Hei­men und Pfle­ge­fa­mi­li­en — Das Ver­brau­cher­schutz­fo­rum). Die Fol­ge: Kin­der und Jugend­li­che mit Hil­fe­be­darf kön­nen teils nicht wohn­ort­nah unter­ge­bracht wer­den; manch­mal müs­sen sie sogar in ande­re Bun­des­län­der aus­wei­chen, weil vor Ort kein Platz ver­füg­bar ist. Für die Betrof­fe­nen bedeu­tet das zusätz­li­che Belas­tun­gen in ohne­hin schwie­ri­gen Lebenssituationen.

Ursachen des Platzmangels

Was steckt hin­ter dem Man­gel an Heim­plät­zen? Die Ursa­chen sind viel­schich­tig und ähneln sich in den ver­schie­de­nen Berei­chen. Im Wesent­li­chen spie­len drei Fak­to­ren eine zen­tra­le Rolle:

  • Per­so­nal­man­gel: Fach­kräf­te sind knapp – in der Alten­pfle­ge eben­so wie in der Jugend- und Behin­der­ten­hil­fe. Der Beruf ist anspruchs­voll und wur­de lan­ge Zeit nicht aus­rei­chend attrak­tiv gestal­tet. So sind allein in der Alten­pfle­ge in NRW aktu­ell rund 7.300 Pfle­ge­stel­len unbe­setzt; bun­des­weit geht man von zehn­tau­sen­den feh­len­den Pfle­ge­kräf­ten aus. Ähn­lich ange­spannt ist die Lage bei Erzie­hern, Hei­ler­zie­hungs­pfle­gern und Sozi­al­päd­ago­gen. Ohne genü­gend Per­so­nal kön­nen vor­han­de­ne Bet­ten oder Plät­ze nicht belegt wer­den – Hei­me müs­sen Auf­nah­men stop­pen, obwohl Räu­me frei wären. Vie­le Ein­rich­tun­gen kämp­fen täg­lich mit Dienst­plä­nen am Limit; Kran­ken­stän­de oder unbe­setz­te Stel­len füh­ren direkt zu Auf­nah­me­stopps. Kurz: feh­len­de Fach­kräf­te begren­zen die nutz­ba­re Platz­zahl und ver­zö­gern auch die Schaf­fung neu­er Plätze.
  • Finan­zi­el­le Fak­to­ren: Die Kos­ten für den Betrieb von Hei­men sind in den letz­ten Jah­ren stark gestie­gen. Höhe­re Tarif­löh­ne (um dem Fach­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken), stei­gen­de Ener­gie- und Lebens­mit­tel­prei­se sowie Inves­ti­ti­ons­kos­ten stel­len Heim­trä­ger vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR) (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR). Vie­le Trä­ger – sei­en es kom­mu­na­le, frei­ge­mein­nüt­zi­ge oder pri­va­te – kön­nen wirt­schaft­lich kaum noch neue Ein­rich­tun­gen bau­en oder bestehen­de hal­ten, wenn die Refi­nan­zie­rung unsi­cher ist. 2022 wur­de zwar eine Pfle­ge­re­form umge­setzt, die die Eigen­an­tei­le der Pfle­ge­heim­be­woh­ner durch gestaf­fel­te Zuschüs­se senkt (im ers­ten Jahr 5 %, ab dem vier­ten Jahr 70 % Zuschuss) (Pfle­ge­heim­plät­ze kos­ten deut­lich mehr | evangelisch.de). Das ent­las­tet die Bewoh­ner, bringt den Hei­men aber kei­ne zusätz­li­chen Mit­tel für Expan­si­on. Inves­ti­tio­nen in neue Heim­plät­ze erfol­gen zöger­lich: Laut einer Schät­zung des RWI – Leib­niz-Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung wären bis 2040 rund 125 Mrd. Euro Inves­ti­tio­nen nötig, um aus­rei­chend Pfle­ge­hei­me für die altern­de Gesell­schaft bereit­zu­stel­len. Öffent­li­che Gel­der allein rei­chen dafür nicht, doch pri­va­tes Kapi­tal fließt nur, wenn sich Betrieb und Bau ren­tie­ren (Pfle­ge: Deutsch­land feh­len hun­dert­tau­sen­de Heim­plät­ze | ERL Maga­zin). In der Jugend­hil­fe ist die Finan­zie­rung kom­plex, da Plät­ze von den Kom­mu­nen bezahlt wer­den – klam­me Kom­mu­nal­haus­hal­te brem­sen hier oft den Aus­bau. Ins­ge­samt sor­gen finan­zi­el­le Eng­päs­se und ein ungüns­ti­ges Kos­ten-Nut­zen-Ver­hält­nis dafür, dass zu wenig neue Heim­plät­ze ent­ste­hen und mit­un­ter sogar bestehen­de Ein­rich­tun­gen schlie­ßen müssen.
  • Regu­la­to­ri­sche und büro­kra­ti­sche Hür­den: Stren­ge Vor­schrif­ten und lang­wie­ri­ge Ver­fah­ren tra­gen eben­falls zum Platz­man­gel bei. Bei­spiel Alten­pfle­ge: In man­chen Bun­des­län­dern schrei­ben Heim­ver­ord­nun­gen umfas­sen­de bau­li­che Stan­dards vor – etwa Ein­zel­zim­mer­pflicht oder bestimm­te Raum­grö­ßen. Als Baden-Würt­tem­berg zum Jahr 2019 für alle Hei­me ver­pflich­ten­de Ein­zel­zim­mer vor­schrieb, warn­te der bpa vor dem Weg­fall von bis zu 17.000 Plät­zen in bestehen­den Ein­rich­tun­gen (Poli­tisch ver­ur­sach­ter Man­gel an Heim­plät­zen?). Tat­säch­lich muss­ten etli­che Dop­pel­zim­mer abge­schafft wer­den, was die Kapa­zi­tä­ten schrump­fen ließ. Ähn­li­ches gilt in Nord­rhein-West­fa­len, wo eine Ein­zel­zim­mer­quo­te zum Schlie­ßen man­cher älte­rer Hei­me führ­te (Anzahl und Sta­tis­tik der Alten- & Pfle­ge­hei­me in Deutsch­land 2024). Natür­lich die­nen Qua­li­täts­vor­ga­ben dem Wohl der Bewoh­ner – doch ohne Aus­gleichs­maß­nah­men kön­nen sie lokal zu einem Ver­sor­gungs­eng­pass füh­ren. Hin­zu kommt Büro­kra­tie: Die Geneh­mi­gung neu­er Hei­me oder Wohn­grup­pen kann Jah­re dau­ern (Bau­ge­neh­mi­gun­gen, Bedarfs­fest­stel­lung, Betriebs­er­laub­nis etc.). Geeig­ne­te Immo­bi­li­en zu fin­den, gestal­tet sich schwie­rig – ins­be­son­de­re in Bal­lungs­räu­men. Ber­lin berich­tet etwa, dass der Aus­bau sta­tio­nä­rer Plät­ze seit 2020 sta­gniert, weil Fach­kräf­te und pas­sen­de Immo­bi­li­en feh­len (Gemein­sam schaf­fen wir… Plät­ze — Berlin.de). Auch im lau­fen­den Betrieb bin­det Büro­kra­tie Kapa­zi­tä­ten: auf­wän­di­ge Doku­men­ta­ti­on, kom­pli­zier­te Abrech­nungs­ver­fah­ren und Prüf­auf­la­gen belas­ten das Per­so­nal zusätz­lich und ver­rin­gern die Zeit fürs Kern­ge­schäft Betreu­ung. All die­se Fak­to­ren zusam­men­ge­nom­men füh­ren dazu, dass vor­han­de­ne Res­sour­cen nicht voll aus­ge­schöpft wer­den kön­nen und not­wen­di­ge neue Plät­ze nur schlep­pend entstehen.

Regionale Unterschiede in Deutschland

Die Pro­ble­ma­tik der feh­len­den Heim­plät­ze ist regio­nal unter­schied­lich aus­ge­prägt. Demo­gra­fi­sche Unter­schie­de spie­len dabei eine gro­ße Rol­le. So leben in Ost­deutsch­land und eini­gen west­deut­schen Regio­nen (etwa Tei­le NRWs, Hes­sen, Saar­land) antei­lig deut­lich mehr älte­re Men­schen, die pfle­ge­be­dürf­tig wer­den, als in ande­ren Lan­des­tei­len. Laut Pfle­ge-Report 2024 haben man­che Krei­se bereits 9,1 % bis 17,1 % der Bevöl­ke­rung im Pfle­ge­al­ter, wäh­rend es in eini­gen Regio­nen – beson­ders in Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg – weni­ger als 5,7 % sind (Pfle­ge-Report 2024 zeigt regio­na­le Unter­schie­de | G+G). Ent­spre­chend höher ist in erst­ge­nann­ten Gebie­ten der Druck auf Pfle­ge­hei­me. In länd­li­chen ost­deut­schen Krei­sen etwa trifft ein hoher Pfle­ge­be­darf auf teils abge­wan­der­te jün­ge­re Fach­kräf­te – eine ungüns­ti­ge Kom­bi­na­ti­on, die dort zu Eng­päs­sen führt. In Süd­deutsch­land dage­gen kön­nen Fami­li­en oft noch mehr Betreu­ung auf­fan­gen, und die Tra­di­ti­on, Ange­hö­ri­ge zu Hau­se zu pfle­gen, ist stär­ker, was den Bedarf an Heim­plät­zen etwas dämpft. Trotz­dem mel­den auch Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg Eng­päs­se in Bal­lungs­räu­men, etwa Mün­chen oder Stutt­gart, wo die ver­füg­ba­re Heim­ka­pa­zi­tät ange­sichts der Ein­woh­ner­zah­len knapp wird.

Inner­halb Deutsch­lands gibt es zudem Unter­schie­de zwi­schen Stadt und Land: Klei­ne­re Kom­mu­nen kla­gen beson­ders häu­fig über feh­len­de Jugend­hil­fe-Plät­ze, wäh­rend Groß­städ­te dank diver­ser Trä­ger etwas fle­xi­bler reagie­ren kön­nen (Ergeb­nis­se einer Befra­gung aller Jugend­äm­ter in Deutsch­land im Juli 2023). Aller­dings sto­ßen auch Metro­po­len wie Ber­lin an Gren­zen – Ber­lin muss­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­mehrt Kin­der und Jugend­li­che außer­halb des Stadt­ge­biets unter­brin­gen, da inner­städ­tisch Plät­ze fehl­ten. Ins­ge­samt zei­gen Befra­gun­gen, dass der Man­gel an sta­tio­nä­ren Jugend­hil­fe-Ein­rich­tun­gen quer durch alle Bun­des­län­der als kri­tisch gese­hen wird – mit leicht höhe­rer Betrof­fen­heit in west­deut­schen Kom­mu­nen, wo z.B. die Auf­nah­me unbe­glei­te­ter Min­der­jäh­ri­ger seit 2015 stark gestie­gen war. Ost­deut­sche Bun­des­län­der hat­ten dem­ge­gen­über etwas weni­ger Flücht­lings­kin­der auf­zu­neh­men, doch auch dort wächst der Bedarf nun an.

Bei den Wohn­an­ge­bo­ten für Men­schen mit Behin­de­rung vari­iert die Situa­ti­on je nach Bun­des­land eben­falls. In eini­gen west­li­chen Län­dern exis­tiert ein dich­tes Netz an Werk­stät­ten und Wohn­hei­men, oft getra­gen von den gro­ßen Wohl­fahrts­ver­bän­den, wäh­rend ande­re Regio­nen stär­ker auf ambu­lan­te Lösun­gen set­zen. Die Ambu­lan­ti­sie­rungs­quo­te – also der Anteil der Behin­der­ten­hil­fe-Leis­tun­gen, der außer­halb von Hei­men erbracht wird – liegt etwa in Stadt­staa­ten wie Ber­lin tra­di­tio­nell höher als in Flä­chen­län­dern. Den­noch spürt man über­all den Per­so­nal­man­gel ähn­lich stark, sodass kein Bun­des­land wirk­lich ent­spannt pla­nen kann. Beson­ders dra­ma­tisch kann der Man­gel wer­den, wenn regio­na­le Son­der­re­ge­lun­gen grei­fen: So hat das Bei­spiel Unter­fran­ken (Bay­ern) gezeigt, dass neue Lan­des­vor­ga­ben zur Per­so­nal­prä­senz über Nacht klei­ne Ein­rich­tun­gen in Bedräng­nis brin­gen (Kol­laps droht: Weni­ger Wohn­hei­me für Men­schen mit Behin­de­rung | BR24) (Kol­laps droht: Weni­ger Wohn­hei­me für Men­schen mit Behin­de­rung | BR24) – was zuerst ein loka­les Pro­blem war, droht sich aber aus­zu­wei­ten, wenn der­ar­ti­ge Regeln bun­des­weit Stan­dard werden.

Maßnahmen und Reformansätze

Ange­sichts der geschil­der­ten Pro­ble­me haben Poli­tik und Trä­ger in den letz­ten Jah­ren ver­schie­de­ne Maß­nah­men ergrif­fen oder ange­sto­ßen, um den Man­gel an Heim­plät­zen zu bekämp­fen. Hier ein Über­blick über wich­ti­ge Schrit­te und Reformvorschläge:

  • Per­so­nal­of­fen­si­ve und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen: Die Gewin­nung von Pfle­ge- und Betreu­ungs­kräf­ten hat obers­te Prio­ri­tät. Mit der 2019 gestar­te­ten „Kon­zer­tier­ten Akti­on Pfle­ge“ wur­den Aus­bil­dungs­zah­len erhöht und seit Sep­tem­ber 2022 müs­sen Pfle­ge­hei­me tarif­ge­rech­te Löh­ne zah­len, um den Beruf attrak­ti­ver zu machen. In 2022 began­nen zwar knapp 15.000 Men­schen eine Pfle­ge­aus­bil­dung in NRW, doch die Abbruch­quo­te liegt bei rund 30 % (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR). Bund und Län­der wer­ben zudem ver­stärkt Fach­kräf­te aus dem Aus­land an und ver­ein­fa­chen die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüs­se in Pfle­ge und Sozi­al­ar­beit (Men­schen mit Behin­de­rung brau­chen bezahl­ba­re, bar­rie­re­freie Woh­nun­gen und aus­rei­chend Fach­kräf­te | Bun­des­ver­ei­ni­gung Lebens­hil­fe e. V.). Lang­fris­tig soll ein neu­es Per­so­nal­be­mes­sungs­sys­tem (auf Basis eines Pfle­ge­per­so­nal-Regu­lie­rungs­ge­set­zes) sicher­stel­len, dass Hei­me genü­gend Stel­len vor­hal­ten – die­ses tritt schritt­wei­se bis 2025 in Kraft. Außer­dem zie­len Modell­pro­jek­te dar­auf ab, berufs­frem­de Hel­fer zu qua­li­fi­zie­ren und zurück­ge­kehr­te Pfle­ge­kräf­te (z.B. nach Fami­li­en­pau­se) wie­der­zu­ge­win­nen. In der Jugend­hil­fe wird über dua­le Stu­di­en­gän­ge und bes­se­re Bezah­lung ver­sucht, mehr Erzieher/Sozialpädagogen zu gewin­nen (Man­gel an Fach­kräf­ten in der Kin­der- und Jugend­hil­fe wirkt … — Sozi­al). All dies soll den Fla­schen­hals Per­so­nal wei­ten, damit vor­han­de­ne Plät­ze nutz­bar blei­ben und neue geschaf­fen wer­den können.
  • Finan­zi­el­le Ent­las­tung und Inves­ti­ti­ons­pro­gram­me: Um Betrei­ber nicht in den Ruin zu trei­ben, wur­den Refi­nan­zie­run­gen etwas ver­bes­sert. Die Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt seit 2022 einen Teil der Heim­kos­ten gestaf­felt nach Auf­ent­halts­dau­er, was zumin­dest den Bewoh­nern hilft (Pfle­ge­heim­plät­ze kos­ten deut­lich mehr | evangelisch.de). Eini­ge Bun­des­län­der legen För­der­pro­gram­me auf: Ber­lin etwa finan­ziert 2024/25 ein Platz­aus­bau­pro­gramm für die Jugend­hil­fe, um gezielt neue sta­tio­nä­re Plät­ze zu schaf­fen. Dort wer­den Zuschüs­se für Umbau, Aus­bau oder Neu­bau von geeig­ne­ten Wohn­grup­pen bereit­ge­stellt – mit Fokus auf beson­ders drin­gen­de Bedarfs­grup­pen (z.B. trau­ma­ti­sier­te Jugend­li­che, unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge) (Gemein­sam schaf­fen wir… Plät­ze — Berlin.de). In der Alten­hil­fe for­dern Exper­ten ein grö­ße­res Enga­ge­ment des Staa­tes in die Infra­struk­tur: Denk­bar wären zins­güns­ti­ge Kre­di­te für Heim­bau oder ein Pfle­ge-Inves­ti­ti­ons­fonds. Bis­lang bleibt vie­les jedoch pri­va­ten Initia­ti­ven über­las­sen. Das RWI betont, „ohne pri­va­tes Kapi­tal“ wer­de es kaum mög­lich sein, das Ange­bot aus­rei­chend aus­zu­bau­en (Pfle­ge: Deutsch­land feh­len hun­dert­tau­sen­de Heim­plät­ze | ERL Maga­zin). Des­halb gibt es Bestre­bun­gen, den Rah­men für Inves­to­ren attrak­ti­ver zu gestal­ten – z.B. durch Abbau von Büro­kra­tie und ver­läss­li­che­re Finan­zie­rung. Eini­ge Pfle­ge­heim­be­trei­ber schla­gen vor, Büro­kra­tie abzu­bau­en und den Unter­neh­men mehr Fle­xi­bi­li­tät zu geben, um pass­ge­naue Ange­bo­te ent­wi­ckeln zu kön­nen (Pfle­ge­platz-Lücke: 60.000 Plät­ze feh­len, Deutsch­land wird War­te­lis­ten-Land – Arbeit­ge­ber­ver­band-Pfle­ge). Der Abbau von Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten und eine schnel­le­re Heim­zu­las­sung könn­ten hel­fen, dass mehr Zeit und Mit­tel in die direk­te Ver­sor­gung fließen.
  • Struk­tur­re­for­men und neue Kon­zep­te: In allen Berei­chen wird ver­sucht, alter­na­ti­ve Wohn- und Betreu­ungs­for­men zu stär­ken, um den Druck von den klas­si­schen Hei­men zu neh­men. In der Alten­pfle­ge för­dert man z.B. ambu­lant betreu­te Wohn­ge­mein­schaf­ten, Kurz­zeit­pfle­ge­plät­ze (für Über­gangs­pha­sen) und das Betreu­te Woh­nen. Die­se Ange­bo­te sol­len Lücken schlie­ßen, wenn kein Dau­er-Heim­platz frei ist, und die häus­li­che Pfle­ge ent­las­ten. Eben­so setzt das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz dar­auf, mehr Men­schen mit Behin­de­rung ein Leben in der eige­nen Woh­nung mit ambu­lan­ter Assis­tenz zu ermög­li­chen, anstatt im Heim – was jedoch vor­aus­setzt, dass genug bar­rie­re­freie Woh­nun­gen vor­han­den sind. Die Lebens­hil­fe for­dert hier eine Quo­te im sozia­len Woh­nungs­bau (10 % der geför­der­ten Woh­nun­gen für Men­schen mit Behin­de­rung) und ein Wie­der­auf­le­ben der Woh­nungs­ge­mein­nüt­zig­keit, um mehr bezahl­ba­re, bar­rie­re­freie Woh­nun­gen zu schaf­fen (Men­schen mit Behin­de­rung brau­chen bezahl­ba­re, bar­rie­re­freie Woh­nun­gen und aus­rei­chend Fach­kräf­te | Bun­des­ver­ei­ni­gung Lebens­hil­fe e. V.). In der Kin­der- und Jugend­hil­fe trat 2021 das Kin­der- und Jugend­stär­kungs­ge­setz in Kraft, das u.a. die inklu­si­ven Hil­fen vor­an­treibt – d.h. Kin­der mit und ohne Behin­de­rung gemein­sam zu betreu­en. Es soll auch prä­ven­ti­ve Ansät­ze stär­ken, damit es gar nicht erst zur Heim­un­ter­brin­gung kom­men muss. Sol­che Refor­men brau­chen Zeit, zei­gen aber die Stoß­rich­tung: Prä­ven­ti­on und neue Ver­sor­gungs­for­men sol­len die klas­si­schen Hei­me entlasten.
  • Kapa­zi­täts­aus­bau und Koope­ra­tio­nen: Kurz­fris­tig ver­su­chen vie­le Gemein­den und Trä­ger, mit Über­gangs­lö­sun­gen Plät­ze zu schaf­fen. Bei­spiels­wei­se wer­den leer­ste­hen­de Kli­nik­eta­gen oder Reha-Zen­tren tem­po­rär als Pfle­ge­ein­rich­tun­gen umge­wid­met, sofern Per­so­nal gefun­den wird. In der Jugend­hil­fe ent­ste­hen ver­mehrt Kri­sen­grup­pen und Not­un­ter­künf­te, oft in Koope­ra­ti­on mit frei­en Trä­gern, um Spit­zen abzu­puf­fern. Das Land Ber­lin arbei­tet mit den Wohl­fahrts­ver­bän­den zusam­men, um schnellst­mög­lich neue Plät­ze für Jugend­li­che mit kom­ple­xem Hil­fe­be­darf bereit­stel­len zu kön­nen (Gemein­sam schaf­fen wir… Plät­ze — Berlin.de). Zudem appel­lie­ren Behör­den ver­stärkt an die Zivil­ge­sell­schaft – etwa mit Kam­pa­gnen, um neue Pfle­ge­fa­mi­li­en zu gewin­nen (Wie­der­an­stieg: Mehr Kin­der und Jugend­li­che in Hei­men und Pfle­ge­fa­mi­li­en — Das Ver­brau­cher­schutz­fo­rum). Eini­ge Jugend­äm­ter set­zen auf län­der­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit: Wenn im eige­nen Bun­des­land kein Platz frei ist, wer­den in ande­ren Bun­des­län­dern Kapa­zi­tä­ten genutzt. Sol­che Ver­net­zung soll ver­hin­dern, dass ein Hil­fe­be­darf unver­sorgt bleibt, nur weil regio­nal gera­de kein Bett frei ist. Die­se fle­xi­ble­re Steue­rung ist jedoch nur ein Not­be­helf und kei­ne Dau­er­lö­sung, da sie mit Brü­chen in den Betreu­ungs­ver­läu­fen einhergeht.

Zusam­men­fas­send lässt sich sagen, dass Poli­tik und Trä­ger das Pro­blem erkannt haben und an meh­re­ren Stell­schrau­ben dre­hen: Per­so­nal, Finan­zie­rung, Büro­kra­tie­ab­bau, alter­na­ti­ve Kon­zep­te und direk­ter Platz­aus­bau. Vie­le die­ser Maß­nah­men wer­den aber erst mit­tel­fris­tig Wir­kung zei­gen. Ange­sichts der aktu­el­len Eng­päs­se for­dern Ver­bän­de daher ein ent­schlos­se­ne­res Vor­ge­hen. So mahnt der AGVP, „Pfle­ge­be­dürf­ti­ge brau­chen nicht mehr Regeln, son­dern mehr Hei­me“ – andern­falls dro­he ein Pfle­ge­not­stand, der nicht mehr beherrsch­bar ist (Pfle­ge­platz-Lücke: 60.000 Plät­ze feh­len, Deutsch­land wird War­te­lis­ten-Land – Arbeit­ge­ber­ver­band-Pfle­ge). Ähn­lich drängt die Fach­grup­pe Inob­hut­nah­me der Jugend­hil­fe dar­auf, schnell Kapa­zi­tä­ten und Per­so­nal auf­zu­sto­cken, um den Kin­der­schutz nicht zu gefähr­den (Man­gel an Fach­kräf­ten in der Kin­der- und Jugend­hil­fe wirkt … — Sozi­al).

Prognose: Wie entwickelt sich der Bedarf?

Die Zukunfts­pro­gno­sen zeich­nen ein deut­li­ches Bild: Der Bedarf an Heim­plät­zen wird wei­ter stei­gen, wenn auch in den ein­zel­nen Berei­chen aus unter­schied­li­chen Grün­den. In der Alten­pfle­ge gilt die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung als Haupt­trei­ber. Aktu­ell sind rund 5,7 Mil­lio­nen Men­schen pfle­ge­be­dürf­tig – bis 2030 wird die­se Zahl auf etwa 4,9 bis 5 Mil­lio­nen stei­gen, bis 2040 sogar auf rund 5,6 Mil­lio­nen (nach heu­ti­gen Defi­ni­tio­nen). Zwar wird ein gro­ßer Teil wei­ter­hin ambu­lant ver­sorgt wer­den wol­len, doch selbst wenn der Anteil der Zuhau­se-Pfle­ge leicht wächst, bleibt eine wach­sen­de abso­lu­te Zahl, die auf sta­tio­nä­re Pfle­ge ange­wie­sen ist. Exper­ten rech­nen damit, dass bis 2040 zusätz­lich etwa 300.000 Plät­ze in Senio­ren­hei­men benö­tigt wer­den (Pfle­ge: Deutsch­land feh­len hun­dert­tau­sen­de Heim­plät­ze | ERL Maga­zin). Zum Ver­gleich: Heu­te gibt es gut 918.000 Plät­ze – es müss­te also ein Aus­bau um etwa ein Drit­tel erfol­gen. Schaf­fen wir das nicht, ent­steht eine Ver­sor­gungs­lü­cke gigan­ti­schen Aus­ma­ßes. Schon inner­halb der nächs­ten 10 Jah­re könn­te laut Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge eine Lücke von 160.000 feh­len­den Heim­plät­zen klaf­fen (Bedroh­li­che Pfle­ge­platz­lü­cke: In den nächs­ten zehn Jah­ren feh­len …). Die­se Zah­len sind alar­mie­rend. Sie bedeu­ten, dass ohne Gegen­steue­rung Zehn­tau­sen­de Pfle­ge­be­dürf­ti­ge kei­nen adäqua­ten Platz fin­den und auf immer län­ge­re War­te­lis­ten gesetzt wür­den – oder nur noch in sub­op­ti­ma­len Lösun­gen (weit ent­fernt, kaum Wahl­mög­lich­keit) unter­kom­men. Die Poli­tik ver­sucht dem mit den genann­ten Refor­men ent­ge­gen­zu­tre­ten, doch ob Tem­po und Umfang aus­rei­chen, bleibt abzuwarten.

In der Behin­der­ten­hil­fe ist die Ent­wick­lung etwas kom­ple­xer. Einer­seits steigt die Lebens­er­war­tung von Men­schen mit Behin­de­rung, und vie­le Ange­hö­ri­ge der Nach­kriegs­ge­nera­ti­on, die ihre Kin­der Jahr­zehn­te zu Hau­se gepflegt haben, kön­nen dies im hohen Alter nicht mehr leis­ten. Das dürf­te die Nach­fra­ge nach sta­tio­nä­ren Wohn­an­ge­bo­ten für erwach­se­ne Men­schen mit Behin­de­rung ten­den­zi­ell erhö­hen. Ande­rer­seits zielt die Teil­ha­be­po­li­tik dar­auf ab, mög­lichst vie­le in inklu­si­ve Wohn­for­men zu brin­gen, was den Bedarf an klas­si­schen Heim­plät­zen sta­gnie­ren oder sogar leicht sin­ken las­sen könn­te (wie die aktu­el­len Zah­len zei­gen (Zen­tra­le Ergeb­nis­se)). Rea­lis­tisch ist jedoch: Für die Schwerst­pfle­ge­be­dürf­ti­gen und Hoch­be­tag­ten mit Behin­de­rung wird man auch künf­tig genü­gend Heim­plät­ze vor­hal­ten müs­sen. Die Pro­gno­se hängt hier stark von der Umset­zung der Inklu­si­ons­zie­le ab. Soll­ten die Inves­ti­tio­nen in bar­rie­re­frei­en Wohn­raum und ambu­lan­te Diens­te nicht Schritt hal­ten, könn­te sogar wie­der mehr Druck auf sta­tio­nä­re Ein­rich­tun­gen ent­ste­hen. Zudem droht der Per­so­nal­man­gel in der Behin­der­ten­be­treu­ung sich zu ver­schär­fen, da vie­le Fach­kräf­te der Baby­boo­mer-Gene­ra­ti­on in Ren­te gehen (Kol­laps droht: Weni­ger Wohn­hei­me für Men­schen mit Behin­de­rung | BR24). Ohne Ersatz könn­ten eini­ge Wohn­hei­me gezwun­gen sein, Plät­ze abzu­bau­en – was dann trotz eigent­lich sin­ken­der Nach­fra­ge wie­der zu Eng­päs­sen führt. Ins­ge­samt rech­nen Fach­ver­bän­de damit, dass qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Wohn­an­ge­bo­te für behin­der­te Men­schen rar blei­ben, wenn nicht kräf­tig inves­tiert wird – sei es sta­tio­när oder ambulant.

In der Kin­der- und Jugend­hil­fe hän­gen die zukünf­ti­gen Bedar­fe stark von gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen ab. Nach dem Höhe­punkt der Flücht­lings­zu­wan­de­rung 2015/16 gin­gen die Fall­zah­len zunächst zurück (210 000 jun­ge Men­schen wuch­sen 2021 in Hei­men oder Pfle­ge­fa­mi­li­en auf — Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt), doch aktu­ell füh­ren neue Kon­flik­te (z.B. Ukrai­ne-Krieg) wie­der zu einem Anstieg. Exper­ten beto­nen, dass wir uns auf wei­te­re Zuwan­de­rungs­wel­len und kom­ple­xe­re Pro­blem­la­gen ein­stel­len müs­sen (Wie­der­an­stieg: Mehr Kin­der und Jugend­li­che in Hei­men und Pfle­ge­fa­mi­li­en — Das Ver­brau­cher­schutz­fo­rum). Das heißt, die Jugend­hil­fe­sys­te­me brau­chen einen Puf­fer, um kurz­fris­tig mehr Plät­ze bereit­zu­stel­len, wenn z.B. plötz­lich vie­le unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge ein­tref­fen. Eben­so könn­ten wirt­schaft­li­che Kri­sen oder Pan­de­mie­fol­gen mehr Fami­li­en über­for­dern und zu mehr Inob­hut­nah­men füh­ren. Pro­gno­sen vari­ie­ren hier stark, doch der Tenor lau­tet: Die Zahl der Kin­der und Jugend­li­chen in Heim­erzie­hung wird eher nicht dras­tisch sin­ken. Selbst wenn die abso­lu­te Kin­der­zahl in Deutsch­land mit­tel­fris­tig nicht stark zunimmt, bleibt der Anteil derer, die inten­si­ve Hil­fen brau­chen, hoch. Die Bun­des­re­gie­rung hat im 17. Kin­der- und Jugend­be­richt (2024) bekräf­tigt, dass neue fle­xi­ble Hilfs­an­ge­bo­te gestärkt wer­den sol­len – doch par­al­lel wird emp­foh­len, aus­rei­chen­de sta­tio­nä­re Kapa­zi­tä­ten als „Auf­fang­netz“ sicher­zu­stel­len. Es ist also wahr­schein­lich, dass auch künf­tig tau­sen­de Heim­plät­ze für Jugend­li­che feh­len, soll­te die öffent­li­che Hand nicht deut­lich auf­sto­cken. Opti­mis­tisch stimmt, dass eini­ge Län­der (wie Ber­lin) bereits reagie­ren und gezielt aus­bau­en. Wenn die­se Anstren­gun­gen Schu­le machen, könn­te sich die Lage zumin­dest stabilisieren.

Fazit: Der Man­gel an Heim­plät­zen in Deutsch­land ist ein aku­tes sozia­les Pro­blem, das vie­le Fami­li­en direkt betrifft und sich ohne Gegen­maß­nah­men ver­schär­fen wird. Aktu­ell sto­ßen Senio­ren­hei­me, Behin­der­ten­ein­rich­tun­gen und Jugend­hilf­ehei­me glei­cher­ma­ßen an Kapa­zi­täts­gren­zen. Haupt­ur­sa­chen sind feh­len­des Fach­per­so­nal, finan­zi­el­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Hür­den sowie demo­gra­fi­sche Ent­wick­lun­gen. Regio­nal zei­gen sich teils erheb­li­che Unter­schie­de – doch kein Lan­des­teil ist völ­lig frei von Sor­gen. Poli­tik und Trä­ger ver­su­chen mit diver­sen Maß­nah­men gegen­zu­steu­ern, von Per­so­nal­of­fen­si­ven über Inves­ti­ti­ons­pro­gram­me bis hin zu Refor­men der Pfle­ge- und Jugend­hil­fe­ge­set­ze. Die­se Ansät­ze grei­fen jedoch erst nach und nach. Kurz­fris­tig bleibt die Situa­ti­on ange­spannt: Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Ange­hö­ri­ge müs­sen oft lan­ge nach einem geeig­ne­ten Platz suchen, Eltern behin­der­ter Men­schen ban­gen um die Zukunft ihrer Kin­der, und Jugend­äm­ter gera­ten in Not, schutz­be­dürf­ti­ge Kin­der unter­zu­brin­gen. Lang­fris­tig besteht Hoff­nung, dass durch den kom­bi­nier­ten Aus­bau sta­tio­nä­rer und ambu­lan­ter Ange­bo­te, ver­bun­den mit gesell­schaft­li­cher Umsteue­rung, die Lücke geschlos­sen wer­den kann. Die kom­men­den Jah­re wer­den ent­schei­dend sein – sowohl was poli­ti­sche Wei­chen­stel­lun­gen angeht, als auch hin­sicht­lich der Fra­ge, ob unse­re Gesell­schaft bereit ist, aus­rei­chend in Pfle­ge und Sozia­les zu inves­tie­ren. Klar ist: Ein wür­de­vol­les Altern, ech­te Inklu­si­on und wirk­sa­mer Kin­der­schutz dür­fen nicht an feh­len­den Heim­plät­zen schei­tern. Mit ver­ein­ten Kräf­ten und nach­hal­ti­gen Kon­zep­ten lässt sich der der­zei­ti­ge Man­gel behe­ben – damit die­je­ni­gen, die Hil­fe und Betreu­ung brau­chen, sie zur rech­ten Zeit am rich­ti­gen Ort erhalten.

Quel­len: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit, Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, AOK Pfle­ge-Report 2024, Bun­des­ver­band pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te (bpa), Bun­des­ver­ei­ni­gung Lebens­hil­fe, Umfra­ge Deut­sches Insti­tut für Urba­nis­tik 2023, WDR, RWI-Leib­niz-Insti­tut (Pfle­ge­heim Rating Report), Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge, u.a. (Anzahl und Sta­tis­tik der Alten- & Pfle­ge­hei­me in Deutsch­land 2024) (5,7 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge zum Jah­res­en­de 2023 — Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt) (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR) (Pfle­ge­platz-Lücke: 60.000 Plät­ze feh­len, Deutsch­land wird War­te­lis­ten-Land – Arbeit­ge­ber­ver­band-Pfle­ge) (Pfle­ge­not­stand – Wer­den Heim­plät­ze bald zum Luxus? — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR — Lan­des­po­li­tik — Nach­rich­ten — WDR) (Men­schen mit Behin­de­rung brau­chen bezahl­ba­re, bar­rie­re­freie Woh­nun­gen und aus­rei­chend Fach­kräf­te | Bun­des­ver­ei­ni­gung Lebens­hil­fe e. V.) (Ergeb­nis­se einer Befra­gung aller Jugend­äm­ter in Deutsch­land im Juli 2023) (Wie­der­an­stieg: Mehr Kin­der und Jugend­li­che in Hei­men und Pfle­ge­fa­mi­li­en — Das Ver­brau­cher­schutz­fo­rum) (Wie­der­an­stieg: Mehr Kin­der und Jugend­li­che in Hei­men und Pfle­ge­fa­mi­li­en — Das Ver­brau­cher­schutz­fo­rum) (Poli­tisch ver­ur­sach­ter Man­gel an Heim­plät­zen?).

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